erweiterte Suche
Dienstag, 13.03.2018

Abschied von der Tolkewitzer Minibahn

25 Jahre lang ließ Berndt Neubert Modellbahnen durch seinen Garten fahren. Nun ist Schluss.

Von Nadja Laske

Die rote Schirmmütze wird Berndt Neubert zur Erinnerung aufbewahren. Seine Gartenbahnen aber muss er verkaufen und hofft auf eine freundliche Übernahme.
Die rote Schirmmütze wird Berndt Neubert zur Erinnerung aufbewahren. Seine Gartenbahnen aber muss er verkaufen und hofft auf eine freundliche Übernahme.

© Sven Ellger

Wenn die Tolkewitzer Eisenbahngesellschaft ihren Betrieb einstellt, fallen keine Arbeitsplätze weg. Traurig ist es trotzdem. Schließlich gehörte Berndt Neuberts Gartenbahn zum Stadtviertel wie die rote Eisenbahnermütze auf seinen Kopf. Die hat der 76-Jährige mal gebraucht, aber wie neu, erstanden und selbst mit Goldkordel und Emblem versehen. Der Schriftzug „TEG“ prangt unterm Schirm. Wenigstens dieses Kleinod wird dem leidenschaftlichen Modelleisenbahner bleiben.

Auf 60 Gleismetern und über 17 Weichen rollten regelmäßig die Bahnen durch seinen Garten am Kipsdorfer Weg in Tolkewitz. Mehrmals im Jahr holte Berndt Neubert alle Wagen und maßstabsgerechten Häuser aus ihren Kartons, staubte sie vorsichtig ab und hauchte mit den rollenden Zügen seiner Miniaturlandschaft Leben ein. Zum Schauen, Staunen und Fachsimpeln strömten Fans zur Tolkewitzer Bahnstrecke. Das 20. Jubiläum von Neuberts Eisenbahngesellschaft, die aus ihm als lokführendem Schaffner und seiner Partnerin als Schatzmeisterin besteht, erlebten 250 Besucher mit. „Da sah ich vor Andrang meine eigenen Wagen nicht fahren.“

Das Faible für den Schienenverkehr hat Neubert von seinem Großvater geerbt, der war Straßenbahnfahrer und nahm seinen Enkel im Führerstand mit. „Von ihm habe ich wohl auch das Interesse am Technischen“, sagt der Chef an der Schiene. Nach der Schulzeit wurde er Elektromechaniker und kaufte sich vom ersten Lehrlingsgeld seine erste Modellbahn.

Anfangs tat es ihm die Spurweite H0 an, später begeisterte er sich auch für die großen Gartenbahnen. Über die Jahre gesellte er in tagelanger Kleinarbeit gefertigte Landschaften und Gebäude dazu. „Meine Frau hat sich eine Kirche gewünscht“, erzählt er. Also habe er eine gebaut, mit tickender Turmuhr und Altar. Sogar ihr eigenes Einfamilienhaus gibt es im Miniformat. Das will Berndt Neubert zur Erinnerung behalten – wenn er nun Abschied von seiner Gartenbahn nimmt. Aus gesundheitlichen Gründen gibt das Paar sein Haus auf und zieht in eine Wohnung. Auf Balkonien jedoch fahren keine Bahnen.

Berndt Neubert lädt am 18. März und am 8. April, jeweils 10–12 und 13–17 Uhr zur Hausmesse mit Verkauf auf den Kipsdorfer Weg 1 ein.

Leser-Kommentare

Insgesamt 0 Kommentare

    Kommentare können nur in der Zeit von 8:00 bis 18:00 Uhr abgegeben werden.