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Mittwoch, 11.07.2018

Abgefackelt

Am Butterhübel in Eichgraben ist ein Hochsitz der Jäger zerstört worden. Es ist nicht die erste Tat dieser Art.

Von Jan Lange

Jagdpächter Florian Becker vor der zerstörten Kanzel.
Jagdpächter Florian Becker vor der zerstörten Kanzel.

© tompic

Zittau. Schon von weitem ist der schwarze Fleck am Feldrand zu sehen. Hier stand vorher eine Jagdkanzel. Davon ist nur das untere Gerüst aus Eisen und ein großer Haufen Asche übrig geblieben. Unbekannte haben den Hochsitz am Butterhübel bei Eichgraben abgefackelt. „Als wir den zerstörten Hochstand entdeckt haben, war die Asche noch warm“, berichtet Jagdpächter Florian Becker. Die Täter müssen also in der Nacht zuvor aktiv gewesen sein.

In der besagten Tatnacht habe es leicht geregnet, erinnert sich der 29-jährige Jäger. Dadurch habe das Feuer zum Glück nicht auf das angrenzende Rapsfeld übergegriffen. „Dann wäre der Schaden noch viel höher“, so Becker. Die Kanzel haben die Jäger aus eigener Kraft und Mühe gebaut. Vor einigen Jahren ist sie von Unbekannten schon mal umgeworfen worden. Danach haben die Jäger den Hochstand in der Erde befestigt. Die Täter sind bei ihrer ersten Attacke erwischt worden, weiß Florian Becker, der seinerzeit noch kein Jagdpächter für das Gebiet rund um den Butterhübel war. Das Verfahren sei später aber wegen Geringfügigkeit eingestellt worden.

Als Kleinkram kann der junge Mann die Attacken längst nicht mehr abtun. Denn immer wieder werden Kanzeln von Unbekannten zerstört. Schräg gegenüber des jetzt abgefackelten Hochsitzes ist vor einiger Zeit eine andere Kanzel demoliert worden, berichtet der 29-Jährige. Ein Stück weiter sind vor Kurzem bei einem Hochstand die Bretter, die als Versteifungen dienen, herausgetreten worden.

In den zurückliegenden zwei Jahren wurde alle paar Wochen ein Hochsitz zerstört, berichtet Florian Becker. Und es trifft nicht nur ihn. Im benachbarten Jagdrevier in Olbersdorf ist vor einem Monat ebenfalls ein Hochsitz abgefackelt worden. „Wir haben uns angewöhnt, jede Kanzel, bevor wir hochsteigen, zu überprüfen, ob sie noch in Ordnung ist“, erklärt Becker. So ist bis jetzt noch kein Jäger abgestürzt.

Den Grund, dass es immer wieder Hochsitze in seinem Jagdrevier trifft, sieht Becker vor allem in der Lage. Die Kanzeln seien gut zugänglich. Darüber hinaus sei der Mittelweg zwischen Zittau, Eichgraben und Olbersdorf, der durch sein Revier führt, stark belaufen. Hier sind Wanderer, Radfahrer und viele Jugendliche unterwegs. Mit ihren Autos fahren die Jugendlichen schon mal mitten über den Acker, ärgert sich Florian Becker. Ob sie auch etwas mit den zerstörten Kanzeln zu tun haben, oder ob radikale Jagdgegner hinter den Angriffen stecken, kann der 29-Jährige nicht sagen. Es gibt bislang keine Hinweise auf die Täter. Bei Facebook hat seine Frau deshalb dazu aufgerufen, dass diejenigen, die etwas gesehen haben, sich bei der Polizei melden sollen.

Bei der jüngsten Feuerattacke ist wenigstens das Eisengerüst unbeschadet geblieben. Künftig alle Kanzeln aus Eisen zu gestalten, sei aber nicht im Sinne der Jäger, meint Becker. Denn die Hochsitze sollen sich möglichst der Natur angleichen. Und dafür sei Holz das geeignetste Material. Frühestens Ende des Jahres könne der abgefackelte Hochsitz wieder aufgebaut werden, erklärt der junge Jagdpächter. Denn jetzt stehe erst mal die Ernte an. Und die Kanzel sei auch nicht in zwei Stunden gebaut, sagt Becker. Das Geld für den Wiederaufbau müssen er und sein Mitpächter selbst aufbringen. Sie haben zwar eine Haftpflichtversicherung, aber die decke keinen Vandalismus ab, sagt der 29-Jährige.

Einfach andere Standorte für die Kanzeln zu suchen, sei keine Lösung, erklärt der Jagdpächter. Denn in der Ecke gebe es eine kleine Wasserstelle, wo es das Wild hinzieht und auch die kleinen Wäldchen am Butterhübel seien ideal. Außerdem müssen die Jäger vom Hochsitz einen guten Überblick haben und können nicht versteckt irgendwo sitzen.

Der Standort des abgebrannten Hochsitzes sei auch deshalb gut, um die Wildschweine im angrenzenden Rapsfeld zu jagen. Das kann Florian Becker in den kommenden Monaten erst mal nicht mehr tun. Das sorgt auch für Unverständnis bei den Landwirten, denn wenn weniger Wildschweine geschossen werden, ist auch der Schaden auf den Feldern größer.