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Freitag, 10.08.2018

Ab in die Freiheit

Im Biosphärenreservat Oberlausitzer Heide- und Teichlandschaft wurden jetzt Störche ausgewildert. Ihr Start ins Leben war schwer. Aber sie hatten Glück.

Von Kerstin Fiedler

Die Auswilderung der Störche

Endlich raus aus der Kiste. Dieser junge Weißstorch war einer von sieben, welche jetzt auf einer Wiese hinter der Verwaltung des Biosphärenreservats Oberlausitzer Heide- und Teichland ausgewildert wurde. Die Jungstörche kamen verletzungsbedingt oder schon als Ei in den Tierpark Görlitz. Jetzt sind sie frei.
Endlich raus aus der Kiste. Dieser junge Weißstorch war einer von sieben, welche jetzt auf einer Wiese hinter der Verwaltung des Biosphärenreservats Oberlausitzer Heide- und Teichland ausgewildert wurde. Die Jungstörche kamen verletzungsbedingt oder schon als Ei in den Tierpark Görlitz. Jetzt sind sie frei.

© Steffen Unger

Wartha. Die Mitarbeiter vom Tierpark Görlitz waren schon aufgeregt, als sie mit dem Transporter und sieben großen Pappkisten in Wartha ankamen. Hinter dem Verwaltungssitz des Biosphärenreservats Oberlausitzer Heide- und Teichlandschaft wurden sie schon erwartet. Denn auch in diesem Jahr sollten Störche ausgewildert werden, die vorher im Tierpark betreut und gesund gepflegt wurden.

Die Auswilderung der Störche

Manuela Kleemann liebt die Störche. Seit vielen Jahren arbeitet sie in der Wildtierauffangstation des Tierparks. „Und es ist jedes Mal wieder spannend, ob es klappt“, sagt die sympathische Tierpflegerin. Die sieben Kartons mit den großen Löchern werden in Reih und Glied aufgestellt. Dann der große Moment: Werden sie gleich losfliegen? Wie nehmen sie die neue Freiheit auf? Es rumpelt und pumpelt, die Mitarbeiter müssen die Kartons ganz fest halten, damit die Störche „aussteigen“ können. Und dann passiert es tatsächlich: Fünf junge Weißstörche fliegen sofort los. Ein langes Wow geht durch die Zuschauerreihen. Nur zwei, die wollen nicht – noch nicht? Stefan Siegel vom Förderverein der Vogelschutzwarte Neschwitz hat die Ringe an den Beinen der beiden Störche abgelesen. „Das sind Geschwister“, sagt er. Die beiden sind entweder aus dem Nest in Briesing gefallen oder von den Elterntieren verstoßen worden. „Im Nest gab es insgesamt fünf Jungtiere. Vielleicht gab es zu wenig Nahrung. Dann sortieren die Altstörche die Schwächsten aus“, sagt Siegel. Doch die beiden hatten Glück. Sie kamen nach Görlitz, wurden gepflegt und konnten erste Flugversuche in einer Voliere unternehmen. Vier weitere Störche kamen schon als Ei nach Görlitz. „Da war in Weißkeißel ein Altstorch tödlich verunglückt, wir haben die Eier ausgebrütet“, sagt Manuela Kleemann. Der letzte Storch stammt aus Seifersdorf. Er war verletzt. Ein weiterer Storch, der in Wessel aus dem Nest gefallen war, musste leider eingeschläfert werden. „Der hatte sich den Oberschenkel gebrochen – keine Chance“, sagt Kleemann.

Dirk Weis, in der Reservatsverwaltung vor allem für den Artenschutz zuständig, freut sich, dass die ersten fünf Störche gleich losgeflogen sind. „Wir hatten noch nie so viele Auswilderungen wie in diesem Jahr“, sagt er. Die Sorge eines Besuchers, ob denn die Tiere die Hitze vertragen, kann Weis nehmen. „Die fliegen doch nach Afrika, da sind sie Hitze gewöhnt.“ Und die Trockenheit hat auch ein bisschen was Gutes, denn auf der großen Wiese gibt es so viel Nahrung für den Storch wie selten. „Ich habe hier noch nie so viele Schmetterlinge oder Heuschrecken gesehen“, sagt Dirk Weis. Nur die Regenwürmer, die haben sich ganz tief eingegraben, denen ist es zu trocken in den oberen Erdschichten.

Arbeit hat sich gelohnt

Gespannt verfolgen alle, was denn nun die beiden Geschwister-Störche machen. „Die kämpfen mit den Grashalmen“, lacht Manuela Kleemann. Doch gleichzeitig sieht sie auch, dass sie sich um Nahrung kümmern. Vier Störche drehen über der Wiese und den Dächern der Reservatsverwaltung ihre Runden, bevor sie sich etwas entfernt vom Trubel niederlassen. In den nächsten Tagen werden Mitarbeiter der Naturwacht die Jungstörche beobachten, um zu sehen, ob sie sich anderen Tieren anschließen, bevor es Richtung Süden geht. Die beiden Briesinger Störche schlagen immer mal mit den Flügeln und hüpfen ein wenig hoch. „Wir lassen sie erst hier, wenn wir sehen, dass sie fliegen können“, sagt Manuela Kleemann. Auch deshalb ist die große Wiese in Wartha ein guter Platz zum Auswildern: Wenn aus irgendeinem Grund der Storch nicht losfliegt, kann man ihn hier einfacher wieder einfangen, um zu kontrollieren, woran es liegt – oder ihn notfalls wieder mit nach Görlitz nehmen.

Doch so weit kommt es nicht. Manuela Kleemann und ein weiterer Tierpark-Mitarbeiter gehen auf die Spätstarter los. Sie klatschen und laufen etwas schnell. Das scheint das Signal zu sein. Erst hebt der eine ab, dann folgt der zweite. Sie drehen eine kleine Runde, dann fliegen sie höher. Schließlich landet einer auf dem Dach vom Haus der tausend Teiche. „Siehste Manu, hat sich die viele Arbeit doch gelohnt“, sagt ein Kollege zur Tierpflegerin. Die ist glücklich. „Jetzt bin ich froh“, sagt Manuela Kleemann, nachdem auch die beiden letzten Störche in die Freiheit geflogen sind.