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Donnerstag, 13.09.2018

800 Jahre alte Brückensteine tauchen wieder ab

Die Tschechen haben Wasser aus Talsperren an der Moldau abgelassen. Doch die Welle ist bald vorbei.

Von Peter Hilbert und Christoph Springer

Hungersteine in der Elbe

Der dritte Pfeiler der Augustusbrücke wird von der Elbe umspült – zumindest kurzzeitig. Die dort liegenden Steine der ersten Dresdner Massivbrücke sind nun zu Teil weg.
Der dritte Pfeiler der Augustusbrücke wird von der Elbe umspült – zumindest kurzzeitig. Die dort liegenden Steine der ersten Dresdner Massivbrücke sind nun zu Teil weg.

© SZ/Peter Hilbert

Ein überraschendes Bild bot sich Spaziergängern am Mittwochmorgen am Elbufer. Trotz der Trockenheit war der Pegel über Nacht deutlich angestiegen. Lag er am Dienstag noch bei 54 Zentimetern, so wurde am Mittwochmorgen bereits 1,01 Meter gemessen. Deshalb waren am Neustädter Ufer auch steinerne Zeugen der Baugeschichte zum Großteil in der Elbe verschwunden. Zwischen dem dritten und vierten Pfeiler der Augustusbrücke waren rund 800 Jahre alte Steine aufgetaucht. Dabei handelt es sich um die untersten Steine von zwei Pfeilern der zwischen 1173 und 1222 gebauten ersten steinernen Elbbrücke in Dresden.

Hungersteine in der Elbe

Der schnelle Anstieg der Elbe hat eine einfache Ursache, erklärt Karin Bernhardt, Sprecherin des Landesamtes für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie. Aus der Moldau-Kaskade oberhalb von Prag wurde verstärkt Wasser abgegeben. Dabei handelt es sich um ein System mehrerer Stauanlagen. Dazu zählen unter anderem der wasserreichste Stausee Orlik und der flächenmäßig größte Lipno. Die Moldau mündet bei Melnik in die Elbe.

Fließen im Normalfall 45 Kubikmeter je Sekunde von der Kaskade in der Moldau weiter, so war es von Montag- bis Dienstagmorgen mit 85 Kubikmetern fast das Doppelte, erläutert die Sprecherin. In der Nacht zum Mittwoch erreichte die Welle Dresden. Nach Aussagen von tschechischen Behörden sei dies möglich geworden, da sich im Gegensatz zum Dresdner Elbtal die Situation im Moldaugebiet dank Niederschlägen kurzzeitig entspannt habe. Für die Schifffahrt hat die leicht gestiegene Elbe kaum Auswirkungen. Auf der Oberelbe sind auch weiterhin keine Frachtschiffe unterwegs, teilen die Sächsischen Binnenhäfen Oberelbe mit.