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Mittwoch, 11.07.2018

700 Rohre

Am Rand von Röhrsdorf kündigt sich die Erdgasleitung Eugal an – in Form eines riesigen Haufens von Rohren.

Von Udo Lemke

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Der Rohrlagerplatz am Rand von Röhrsdorf an der Straße nach Taubenheim wird bis Freitag aufgefüllt.
Der Rohrlagerplatz am Rand von Röhrsdorf an der Straße nach Taubenheim wird bis Freitag aufgefüllt.

© Andreas Weihs

  • Der Rohrlagerplatz am Rand von Röhrsdorf an der Straße nach Taubenheim wird bis Freitag aufgefüllt.
    Der Rohrlagerplatz am Rand von Röhrsdorf an der Straße nach Taubenheim wird bis Freitag aufgefüllt.
  • Ende der Woche werden rund 700 Rohre bei Röhrsdorf gelagert sein. Jedes ist 18 Meter lang, hat einen Durchmesser von 1,40 Metern und ist 15 Tonnen schwer.
    Ende der Woche werden rund 700 Rohre bei Röhrsdorf gelagert sein. Jedes ist 18 Meter lang, hat einen Durchmesser von 1,40 Metern und ist 15 Tonnen schwer.

Klipphausen. Der große blaue Autokran hebt das schwarze Rohr von der Ladefläche des Lkws. Zwei Arbeiter ziehen an Seilen, die an jedem Ende des Rohres angebracht sind, damit es nicht zu schwingen anfängt. Dann schwebt das Rohr durch die Luft und wird auf einem bereits angefangenen Haufen abgesetzt. Ort des Geschehens ist der Rand von Röhrsdorf an der Straße nach Taubenheim. Hier entsteht gerade einer der Rohrlagerplätze für die Erdgasleitung Eugal. Bis Freitag sollen alle Rohre, die für diesen Platz vorgesehen sind, abgeladen sein, erklärt George Wüstner, Sprecher des zuständigen Unternehmens Gascade Gastransport GmbH mit Sitz in Kassel.

„Zurzeit liegen dort rund 350 Rohre, auf diesem Platz werden letztendlich insgesamt rund 700 Rohre gelagert werden“, so der Sprecher. Die nächstgelegenen Rohrlagerplätze befinden sich nördlich bei Großdobritz, der nächste südliche Lagerplatz bei Niederschöna. Insgesamt werden 47 000 Rohre für die gesamte Trasse von Lubmin bei Greifswald an der Ostsee bis nach Deutschneudorf in Sachsen an der tschechischen Grenze benötigt. Die Eugal-Leitung hat eine Gesamtlänge von rund 480 Kilometern und soll meist parallel zur Ostsee-Pipeline-Anbindungsleitung (Opal) verlegt werden, die Gascade 2011 fertiggestellt hat. Eugal steht für Europäische Gas-Anbindungsleitung. Sie soll russisches Erdgas „flexibel in alle Richtungen Europas transportierten – innerhalb Deutschlands, nach West- und Südosteuropa“, teilt Gascade mit. Angeliefert werden die Rohre – jedes ist 18 Meter lang, hat einen Durchmesser von 1,40 Metern und ist 15 Tonnen schwer – mit Lkws mit dreiachsigem Auflieger. Gefertigt werden diese Rohre von der Firma Europipe in Mülheim an der Ruhr. Von dort werden sie mit dem Zug zu Bahnhöfen nach Freiberg und Elsterwerda transportiert und dann per Lkw auf die Lagerplätze verteilt. „Die Rohrausfuhr in Sachsen soll bis Ende August abgeschlossen sein“, heißt es vonseiten Gascades. „Um jedes dieser Rohre zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort zu haben, ist ein enormer logistischer Aufwand notwendig. Deshalb haben wir die vorausschauende Rohrausfuhr bereits Ende Mai in Sachsen gestartet“, so George Wüstner. Dass sich die Rohrlagerplätze dort befinden, wo sie jetzt sind, folgt der Annahme, das die von Gascade geplanten Trassenverläufe seitens der zuständigen Landesdirektion Sachsen bewilligt werden. Das ist allerdings noch nicht ausgemacht. Denn: „Es ist noch nicht absehbar, wann das Planfeststellungsverfahren abgeschlossen ist“, erklärt Sprecher Gunter Gerick von der zuständigen Landesdirektion Sachsen. Man müsse noch die vorgebrachten Einwände gegen den Trassenverlauf prüfen.

Einer dieser Einwände stammt von der Gemeinde Klipphausen, in deren Ortsteil Röhrsdorf gerade das Rohrlager entsteht. Denn sie sieht die Erweiterung ihres erfolgreichen Gewerbegebietes an der A 4 in Gefahr. Im Januar 2017 lehnte der Gemeinderat den geplanten Trassenverlauf einstimmig ab. Das Problem: Wenn, wie vorgesehen, die Eugal-Leitung direkt neben der schon bestehenden Opal-Leitung verlegt wird, entsteht ein rund 35 Meter breiter Streifen, der nicht überbaut werden darf und damit auch nicht für ein Gewerbegebiet nutzbar ist. Klipphausens Bürgermeister Gerold Mann hat wenig Hoffnung, dass die Landesdirektion auf die Einwände der Gemeinde eingeht. Die beiden von Gascade vorgelegten Alternativtrassen – sie sind 4,9 Kilometer bzw. 9,3 Kilometer länger – sieht er als „Hobby-Trassen“ an, die nur deshalb auf dem Papier stehen, um der Form zu genügen.

Was das Planfeststellungsverfahren betrifft, so stellt dessen erfolgreicher Abschluss „die Genehmigung zum Bau dar. Wir hoffen, dass das Verfahren im Laufe des August erfolgreich abgeschlossen wird“, so Gascade-Sprecher George Wüstner: „Danach wollen wir anfangen, die Leitung in Sachsen zu bauen. Der Bau soll Ende 2019 abgeschlossen sein.“