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Samstag, 05.05.2018

62-Jähriger wegen Holocaust-Leugnens verurteilt

Alfred Schaefer hat über die Bombardierung Dresdens auf einer Kundgebung gesprochen – und NS-Verbrechen verharmlost.

Von Alexander Schneider

Alfred Schaefer auf der Anklagebank im Amtsgericht Dresden.
Alfred Schaefer auf der Anklagebank im Amtsgericht Dresden.

© Rene Meinig

Er hat die Bühne gesucht und er hat sie bekommen: Alfred Schaefer, ein 62-jähriger Deutsch-Kanadier aus Bayern, der am Freitag am Amtsgericht Dresden Angeklagter war. „Ich bin dankbar für diesen Prozess“, sagte der Mann, er freue sich, öffentlich zu sagen, was er „Wahrheit“ nennt. Ein anderes Mal sprach er von Inquisition und davon, dass sein Urteil – der Galgen – längst feststehe. Alfred Schaefer kennt sich aus mit der Justiz, er hat bereits mehrfach wegen Volksverhetzung vor deutschen Gerichten gestanden, wurde jedoch bislang nie verurteilt.

Mehr als 30 Schaulustige verfolgten die Hauptverhandlung. Wachtmeister kontrollierten jeden Besucher. Wie Schaefer, der einen einschlägigen Internet-Auftritt betreibt, sind die meisten jenseits der 60. Sie wollten den Angeklagten unterstützen.

Am 11. Februar 2017 war der 62-Jährige Redner auf der Kundgebung des bekannten Holocaust-Leugners Gerhard Ittner. Rund 200 Menschen hatten sich am Zwingerteich versammelt. Anlass war der 72. Jahrestag der Bombardierung Dresdens. Schaefer sagte laut Anklage, Dresden sei kein militärisches Ziel der Alliierten gewesen, in der Stadt hätten sich nur Frauen und Kinder, Flüchtlinge aus deutschen Ostgebieten aufgehalten. Nach dem Krieg, so Schaefer, hätte eine „Weltbanken-Macht“ dafür gesorgt, Deutsche als böse darzustellen, dem hätte das System den Namen „Nazi“ gegeben. Wann immer etwas gegen diese Deutschen passieren musste, habe man mit dem Begriff „Nazi“ das Programm aufgerufen. Es sei aber nur ein Phantom, eine „Fantasie der Weltbanken“.

Schaefer kritisierte, es sei nicht klar, was konkret er denn geleugnet haben soll. Er sagte, viele angebliche Verbrechen der Nationalsozialisten seien nicht belegbar oder haltlos. In langen, schwer zu ertragenden Ausführungen in seinem letzten Wort versuchte er weiter, die Verbrechen der Nazi-Herrschaft zu relativieren. Als seine Anhänger nun klatschten, mussten sie den Saal verlassen.

Das Gericht verurteilte Schäfer wegen Volksverhetzung zu einer Geldstrafe von 5 000 Euro. Zwar habe der Redner den Holocaust nicht genannt, doch der Kontext sei klar. Ihm ginge es darum, die Verbrechen der Nationalsozialisten zu verharmlosen. Fast stundenlang habe sich Schaefer in Details von Gräueltaten „gesuhlt“, die den Nazis angeblich zu Unrecht vorgeworfen wurden. Er habe sich jedoch mit keinem Wort von den NS-Verbrechen distanziert.

Neben Schaefer wurden auch Ittner und ein dritter Redner der Kundgebung von 2017 angeklagt. Deren Verhandlungen stehen noch aus. Schaefer wurde inzwischen auch in München wegen Volksverhetzung angeklagt – vor dem Landgericht.