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Samstag, 15.09.2018

40 Waldbrände in einem Sommer

So oft wie dieses Jahr mussten Feuerwehren im Landkreis Bautzen noch nie ausrücken. Und die Gefahr ist noch nicht gebannt.

Von Jana Ulbrich

Der Waldbrand vor einer reichlichen Woche in der Königsbrücker Heide ist der 40. in diesem Sommer allein im Gebiet des Landkreises Bautzen. Hinzu kommt eine große Zahl von Feld- und Böschungsbränden. Ursache war in fast allen Fällen fahrlässige oder vorsätzliche Brandstiftung.
Der Waldbrand vor einer reichlichen Woche in der Königsbrücker Heide ist der 40. in diesem Sommer allein im Gebiet des Landkreises Bautzen. Hinzu kommt eine große Zahl von Feld- und Böschungsbränden. Ursache war in fast allen Fällen fahrlässige oder vorsätzliche Brandstiftung.

© Rene Plaul

Bautzen. Thomas Sobczyk steht vor einer riesengroßen, verkohlten Waldfläche: der Boden nichts als schwarze Asche, die noch dünnen Stämme der Birken und Kiefern bis in halbe Höhe verbrannt. „Hier wird nichts überleben“, ist Sobczyk sich sicher. Der Mitarbeiter der Unteren Forstbehörde im Landratsamt ist in die Königsbrücker Heide gekommen, dorthin, wo bis Mitte der Woche noch der größte Waldbrand des Kreises seit 30 Jahren gewütet hat. Nur bei einem Brand in den Kiefernwäldern um Knappenrode Ende der 1980er-Jahre wurde noch mehr Wald vernichtet.

260 Hektar sind es nach ersten Schätzungen in der Königsbrücker Heide. Es ist die Arbeit der Natur von fast drei Jahrzehnten, die jetzt wieder von vorn beginnen muss. Nach ihrem Abzug hatte die russische Armee hier nur eine Sandwüste hinterlassen. Die Natur hatte sich das Land langsam wieder zurückerobert. „Jetzt wird es wieder zwei, drei Jahrzehnte dauern, bis hier ein neuer Wald gewachsen ist“, sagt Thomas Sobczyk. Der Anblick der verkohlten Baumstämme macht ihn traurig. Vor allem, wenn der Waldbrand tatsächlich vorsätzlich gelegt worden sein sollte, wie der Ausbruch an mehreren Stellen vermuten lässt. Nur ein Bruchteil aller Waldbrände hat natürliche Ursachen. „Da kommt als einzige nur Blitzschlag infrage“, sagt der Forstexperte.

In fast allen Fällen müsse man von Brandstiftung ausgehen – fahrlässig verursacht durch das Wegwerfen einer Zigarettenkippe, durch landwirtschaftliche Arbeiten oder ein heimliches Lagerfeuer im Wald. In mehreren Fällen, so bei Bränden im Raum Bröthen, im Kamenzer Spittelforst und in der Nähe von Knappenrode, liege die Vermutung nahe, dass die Feuer vorsätzlich gelegt worden sind.

Etwa doppelt soviele Brände

40 Waldbrände hat die Untere Forstbehörde in diesem Sommer gezählt – so viele wie noch nie. Sonst sind es höchstens 15 bis 20 im Jahr, sagt Thomas Sobczyk. Hinzu kommen noch außergewöhnlich viele Feld- und Böschungsbrände, deren Zahl im Landratsamt aber nicht extra erfasst wird. Der Großbrand in der Königsbrücker Heide ist mit seiner flächenmäßigen Ausbreitung zum Glück eine Ausnahme. Bei den anderen 39 Bränden wurden insgesamt fünf Hektar Wald vernichtet. In diesen Fällen geht es aber um bewirtschafteten Wald. Neben dem Schaden für die Natur sei bei diesen Bränden auch ein großer wirtschaftlicher Schaden für die Waldbesitzer entstanden, erklärt Sobczyk. Man müsse auch hier von jahre- und jahrzehntelanger Arbeit sprechen, die vernichtet wurde.

Dass es in den Wäldern des Kreises in diesem Jahr so außergewöhnlich oft brennen konnte, liegt vor allem an der extremen Trockenheit. „Sogar das Dubringer Moor ist stellenweise regelrecht ausgetrocknet“, sagt Sobczyk. „Ich habe das so extrem noch nicht erlebt.“ Schon seit April hat für den Landkreis fast durchgängig hohe Waldbrandgefahr bestanden.

An 145 Tagen haben Sobczyk und seine Mitarbeiter Waldbrandgefahrenstufen festlegen müssen, davon an 60 Tagen die höchsten Stufen 4 und 5 – fünf- bis sechsmal häufiger als in anderen Jahren. Sogar im Oberland, wo die reicheren Lößböden viel mehr Wasser speichern können, gab es in diesem Jahr zum ersten Mal Tage mit der allerhöchsten Gefahrenstufe 5. „Bisher hatten wir immer gedacht, für die Wälder im Oberland brauchen wir die 5 gar nicht“, sagt Sobczyk. Und die Gefahr ist noch nicht gebannt. Bis Mitte September ist nur rund die Hälfte der sonst üblichen Niederschlagsmengen gefallen. „Der Boden ist so trocken, dass wir jetzt womöglich sogar zusehen müssen, wie 100-jährige Eichen absterben“, sagt Thomas Sobczyk.

Der Regen hat nicht viel geändert

Das ganze Ausmaß der Trockenschäden in den Wäldern werde sich im kommenden Frühjahr zeigen, erklärt er. Dann müssen wir sehen, was noch mal austreibt und was nicht. Solange die Böden derart trocken sind, bleibt die Waldbrandgefahr bestehen. Auch der leichte Regen in dieser Woche hat daran nichts geändert. „Das meiste kommt gar nicht erst auf dem Boden an“, sagt der Forstexperte.

Einen „Vorteil“, wenn man das überhaupt so sagen kann, haben die Waldbrände allerdings: „Sie zwingen uns, den ohnehin geplanten Waldumbau schneller voranzubringen“, erklärt Thomas Sobczyk. Im Gegensatz zu den Naturschutzflächen in der Königsbrücker Heide, auf denen sich die Natur jetzt wieder kümmern muss, werden die verbrannten Flächen in den bewirtschafteten Wäldern jetzt gezielt wieder aufgeforstet. Auf den Flächen werden keine Kiefern- oder Fichten-Monokulturen mehr wachsen, sondern Mischwälder mit Baumarten, die Hitze und Trockenheit künftig besser trotzen können.