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Donnerstag, 04.04.2013

30.000 Postkarten gegen Dynamos Pokalausschluss

Mit einer ungewöhnlichen Aktion kümmern sich Fans um das Image ihres Vereins.

Von Tino Meyer

Im Würgegriff des Verbandes, geschlagen von Paragrafen. So fühlen sich Dynamos Fans – und wissen offenbar genau, wo sie Probleme anpacken müssen. Diese Karikatur ist auch das Motiv der 30.000 Postkarten.
Im Würgegriff des Verbandes, geschlagen von Paragrafen. So fühlen sich Dynamos Fans – und wissen offenbar genau, wo sie Probleme anpacken müssen. Diese Karikatur ist auch das Motiv der 30.000 Postkarten.

Mit Roten Karten hat alles angefangen. Ein 5.000-facher Platzverweis. Gegen Gewalt und Pyrotechnik. Die Aktion beim Heimspiel der Dresdner Dynamos gegen Sandhausen war Mitte Februar das erste sichtbare Zeichen von Fans, die Imagepflege betreiben für sich und ihren Lieblingsverein, vor allem aber genug haben von den Grundübeln des schlechten Rufs, der ihnen als Dynamo-Fans gemeinhin anhängt. „Nach den Ausschreitungen in Kaiserslautern haben wir uns im Internet spontan organisiert“, erklärt Peter Fiedler, einer der Gründer der Initiative, die sich passenderweise „Rote Karte gegen Pyro und Chaoten“ nennt.

Endlich etwas Konkretes wollten sie tun gegen die wiederholte Schädigung der SGD, klare Kante zeigen, eben ein Zeichen setzen. So erklärt zumindest Fiedler, wie aus der Idee eine Bewegung geworden ist, die längst größer und langfristiger denkt. Und 30.000 ist die Zahl, die das dokumentieren soll. So viele Postkarten werden in diesen Tagen unter Fans, Mitgliedern und Sponsoren verteilt werden – illustriert mit der Karikatur eines Dynamo-Fans, der sich im Würgegriff des Verbandes befindet und adressiert an den Deutschen Fußball-Bund (DFB) in Frankfurt/Main.

In der Nachricht an den DFB-Präsidenten Wolfgang Niersbach sowie Reinhard Rauball, Vorsitzender der Deutschen Fußball-Liga (DFL), fordert die Initiative unter anderem, dass Dynamos Pokalausschluss aufgehoben wird. Damit habe der DFB ausschließlich „den Verein, seine Mannschaft und Zehntausende friedlicher Fans kollektiv für die Exzesse von wenigen bestraft“. Außerdem, so der Vorwurf an die Verbände, „ignorieren Sie die Bemühungen des Vereins und den intensiven Dialog in der Dresdner Fanlandschaft. Auch unterbreiteten Sie selbst bislang keine Verbesserungsvorschläge. (...) Die Chaoten kommen stattdessen ungeschoren davon. Das darf nicht sein!“ Ziel der Aktion ist es laut Fiedler, mit dem DFB „einen konstruktiven Dialog aufzunehmen“. Unter Dynamos Fans herrsche ja nun eine rege Diskussion über eigene Missstände, zudem sei bei dem Fanforum vor vier Wochen in einem Neun-Punkte-Plan vereinbart worden, auf Pyrotechnik und Gewalt zu verzichten. Zumindest bis zum Saisonende, heißt es in dem Papier. Am besten für immer, meint die Initiative. „Jetzt haben wir endlich den großen Dialog, den wir und der Verband immer wollten. Doch der DFB muss auch etwas sagen. Sonst funktioniert Dialog nicht“, begründet Fiedler die Postkartenaktion und kündigt fürs Heimspiel am Sonnabend gegen St. Pauli eine öffentlichkeitswirksame Choreografie an.

Der Initiative geht es darum, nachhaltig ein anderes Bild von Dynamo und seinen Fans zu vermitteln. Die Aktionen sind dabei nur Teil des Konzepts. „Wir wollen die Leute sensibilisieren, was vereinsschädigendes Verhalten ist“, sagt Fiedler. Er legt Wert darauf, dass sich die Initiative, der inzwischen rund 30 Fans im internen Kreis sowie noch einmal gut 150 weitere Unterstützer angehören, nicht in die Vereinspolitik einmischen will und sich ausdrücklich an alle Dynamo-Fans und -Fanklubs richtet. „Wir wollen als sportlich fair und tolerant wahrgenommen werden. Und wir wissen, das ist ein Prozess von Jahren“, sagt Fiedler. Die Roten Karten, auch das wissen er und seine Mitstreiter, können deshalb tatsächlich nur ein Anfang sein.

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