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Sonntag, 10.06.2018

15 000 Dieselfahrern droht Stilllegung

Anderthalb Jahre hatten die VW- und Audi-Besitzer mit manipulierter Abgasreinigung Zeit, um die illegale Motor-Software löschen zu lassen. Die Frist läuft jetzt aus - mit einer bösen Überraschung.

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Ein Kfz-Meister lädt in einer Volkswagen-Werkstatt im Rahmen der Rückrufaktion zum Abgasskandal ein Software-Update für das Steuergerät der Motorelektronik auf einen Volkswagen Amarok mit einem 2,0-Liter-Dieselmotor.
Ein Kfz-Meister lädt in einer Volkswagen-Werkstatt im Rahmen der Rückrufaktion zum Abgasskandal ein Software-Update für das Steuergerät der Motorelektronik auf einen Volkswagen Amarok mit einem 2,0-Liter-Dieselmotor.

© dpa

Berlin. Knapp 15 000 Besitzern von VW- und Audi-Dieseln mit Abgasmanipulation droht in den nächsten Wochen die Stilllegung ihrer Fahrzeuge - wenn sie die illegale Motor-Software nicht in der Werkstatt durch die neue legale Version ersetzen lassen. Die Kfz-Zulassungsstellen haben deutschlandweit Briefe mit der Aufforderung verschickt, ihre Fahrzeuge nachrüsten zu lassen.

Denn es endet die 18-Monats-Frist für den verbindlichen Rückruf der Fahrzeuge, in deren Motoren die verbotene Abschaltung der Abgasreinigung eingebaut war. „Der Rückruf ist verbindlich“, erklärte das Bundesverkehrsministerium auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur. „Fahrzeuge, die nicht umgerüstet werden, können in letzter Konsequenz außer Betrieb gesetzt werden.“

Betroffen sind VW- und Audi-Modelle der Baujahre 2009 bis 2014 mit dem „EA 189“-Dieselmotor mit illegaler Abschaltvorrichtung für die Abgasreinigung. Anfang Juni waren laut dem Ministerium 95 Prozent dieser Autos bereits umgerüstet.

„In rund 0,6 Prozent der Fälle (Stand Ende Mai) hat das Kraftfahrt-Bundesamt die zuständigen Zulassungsbehörden informiert, weil betroffene Fahrzeughalterinnen und -halter innerhalb des 18-monatigen Rückrufzeitraums trotz mehrfacher Aufforderung nicht an dem verpflichtenden Rückruf teilnahmen“, heißt es im Berliner Ministerium. 0,6 Prozent entsprechen einer Zahl von 14 760 der insgesamt 2,46 Millionen Autos.

„Je nach Freigabedatum des Updates hat der Fahrzeughalter mit rund anderthalb Jahren ausreichend Zeit, an dem verbindlichen Rückruf teilzunehmen“, hieß es in der Stellungnahme des Ministeriums.

Das Kraftfahrt-Bundesamt gibt die Daten säumiger Dieselbesitzer an die kommunalen Kfz-Zulassungsstellen weiter, die die Betreffenden ein weiteres Mal anschreiben und ihnen in der Regel eine letzte Frist von vier Wochen setzen. Sofern dann immer noch keine Reaktion erfolgt ist, können die Autos aus dem Verkehr gezogen werden. Erste Stilllegungen hat es bereits gegeben - unter anderem in Hamburg, München und Sachsen-Anhalt. (dpa)

Leser-Kommentare

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Insgesamt 10 Kommentare

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  1. enzo

    Auf der Internetseite des KBA ist an keiner Stelle von einem verpflichtenden Rückruf die Rede. Gibt es zu der Updatepflicht eine Quelle?

  2. deutsche Sportgröße

    Läuft alles prima. Die Verantwortlichen werden verschont (übrigens auch bei anderen Autoherstellern), die gelinkten Käufer zwangsweise zur Kasse gebeten & gurken anschließend mit gefühlten 20 - 30 Pferden weniger unter´m Deckel herum. Hat die (eigentlich nicht) gewählte Gurkentruppe super hinbekommen.

  3. DuliebeGüte

    @1: s. Internetseite des KBA/Marktüberwachung/Fragen und Antworten [...]: "Ich bin zu einer Rückrufaktion angeschrieben worden. Muss ich daran teilnehmen? - Unbedingt. Rückrufaktionen werden nur bei erheblichen Mängeln für die Verkehrssicherheit oder Umwelt ausgelöst. Sie sind für den verkehrssicheren Zustand Ihres Fahrzeugs verantwortlich. Zu Ihrer eigenen Sicherheit und der anderer Verkehrsteilnehmer sollen Sie an solchen Aktionen teilnehmen." Daraus lässt sich ableiten, dass das Fahrzeug bei Nichtteilnahme nicht mehr verkehrssicher ist. Strenggenommen waren alle betroffenen Fahrzeuge nicht verkehrssicher; es wurde eine Karenzzeit von 18 Monaten eingeräumt, um den Mangel zu beseitigen. @2: Dass die Politik die Hersteller mit Samthandschuhen anfasst, kann man sicherlich kritisch sehen. Aber "mit gefühlten 20-30 Pferden weniger" halte ich für arg weit hergeholt. Objektiv ließ sich bislang durch keine der Messungen (z. B. durch den ADAC) ein nennenswerter Leistungsverlust nachweisen.

  4. Roba

    @3: Klarstellung: die betroffenen Fahrzeuge sind alle grundsätzlich verkehrssicher; da sie auf Grund der Motorsoftware - Manipulation indes nicht den Eigenschaften gemäß der vom KBA erteilten Allgemeinen Betriebserlaubnis entsprechen, verfügen die Fahrzeuge nicht über eine gültige Betriebserlaubnis (wie ein frisiertes Moped). Wer nicht updaten lässt, geht demnächst zu Fuß.

  5. Dietmar

    Schön dass gegen die Verbraucher hart durchgegriffen wird und der Autoindustrie kräftig in de Ar...gekrochen wird. Ironie aus

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