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Dienstag, 20.06.2017

Leipzig darf Champions League spielen

Die UEFA-Zweifel sind vom Tisch: RB Leipzig kann sich auf Champions-League-Fußball freuen, bastelt aber noch am Kader für die nächste Saison.

Von Daniel Klein

Winkt er schon zum Abschied? Emil Forsberg war mit 22 Assists der beste Torvorbereiter der Bundesliga in der vorigen Saison. Zuletzt schwärmte der Schwede jedoch auffällig intensiv vom AC Mailand.
Winkt er schon zum Abschied? Emil Forsberg war mit 22 Assists der beste Torvorbereiter der Bundesliga in der vorigen Saison. Zuletzt schwärmte der Schwede jedoch auffällig intensiv vom AC Mailand.

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Leipzig. Ein Transferfeuerwerk sieht irgendwie anders aus. Vier Neuzugänge präsentierte RB Leipzig bisher, die Namen sind nur Szenekundigen ein Begriff. Aus dem Quartett haben auch lediglich der portugiesische U21-Nationalspieler Bruma, der für geschätzte zwölf Millionen Euro von Galatasaray Istanbul kam, sowie der 22-jährige Torhüter Yvon Mvogo von Young Boys Bern realistische Aussichten auf die Startelf.

Innenverteidiger Ibrahima Konaté (18) vom französischen Zweitligisten FC Sochaux-Montbéliard sowie Torwart-Talent Philipp Köhn (19) vom VfB Stuttgart gehören eher in die Kategorie Perspektive. Um die Mehrfachbelastung aus Bundesliga, DFB-Pokal und Champions League bestehen zu können, ist das ein bisschen wenig.

Seit Dienstagabend steht immerhin fest, dass RB Leipzig und der FC Salzburg in der kontinentalen Eliteliga starten können. Das bestätigte die Europäische Fußball-Union. Sie sieht keine Verletzung der Regularien zur „Integrität des Wettbewerbs“, teilte die Uefa mit. Die Regeln fordern eine strikte Trennung auf allen Ebenen aller an der Champions League teilnehmenden Klubs. Der Bundesliga-Zweite sowie der österreichische Meister und Pokalsieger werden vom Red-Bull-Konzern des Mäzens Dietrich Mateschitz gesponsert.

Derweil bastelt RB Leipzig weiter am Kader für die neue Saison. Die jüngste Mannschaft der Bundesliga und ein extrem kräftezehrendes System – diese Kombination klappte in der vergangenen Saison auch deshalb so gut, weil sich die Leipziger nach der Erstrunden-Pokalpleite in Dresden auf die Punktspiele konzentrieren konnten. Nun wird Trainer Ralph Hasenhüttl zumindest an einer Teilrotation nicht vorbeikommen, um die Kräfte zu schonen.

Ein Stürmer und zwei bis drei Mittelfeldspieler sollen noch auf dem Wunschzettel stehen, doch die Kandidaten zu verpflichten, gestaltet sich offensichtlich schwieriger als gedacht. Serge Gnabry, Leon Goretzka, Nadiem Amiri und Maximilian Philipp hätte RB-Sportdirektor Ralf Rangnick wohl gerne nach Leipzig gelockt, doch alle entschieden sich gegen einen Wechsel. „Vielleicht trauen viele dem Braten noch nicht so ganz und denken, die Saison war eine Ausnahme“, mutmaßt Jung-Nationalspieler Timo Werner im Fachblatt Kicker. Doch es gibt noch einen anderen Grund: das Geld.

Dies klingt bei dem mit Brausemillionen geförderten Klub komisch, ist aber tatsächlich eine große Hürde. Mateschitz würde gerne einige Millionen mehr nach Leipzig transferieren, doch die Financial-Fairplay-Regeln der Uefa begrenzen das Transferminus der Rasenballer in diesem Sommer auf rund 40 Millionen Euro. In Champions-League-Kreisen, in denen sich RB nun bewegt, ist das nicht viel.

Zu spüren bekam das der Überraschungszweite beim Freiburger Philipp. Zwischen zehn und 15 Millionen Euro soll Rangnick geboten haben, Dortmund erhöhte auf 20 Millionen – und Leipzig musste passen. Schlagartig ändern könnte sich die Situation, sollte der Klub bereit sein, eines seiner Kronjuwelen zu veräußern. Naby Keita, dessen Marktwert bei 27 Millionen Euro liegt, und Bundesliga-Topvorbereiter Emil Forsberg (22 Millionen) deuteten einen Abschied zuletzt immer wieder an. Rangnick reagierte darauf gereizt: „Wir springen nicht, nur weil Berater oder Spieler etwas raushauen“, erklärte er in der Sport-Bild. Bereits am Anfang der Sommerpause hatte er kategorisch ausgeschlossen, einen Leistungsträger zu verkaufen. Bisher hielt er Wort. Mit Davie Selke (zu Hertha) und Rani Khedira (Augsburg) verließen lediglich Ergänzungsspieler den Verein.