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Mittwoch, 14. Juni 2006

Wirksamkeit von Musiktherapie nachgewiesen


Eine interdisziplinäre Kooperationsstudie des Deutschen Zentrums für Musiktherapieforschung in Heidelberg, der Fakultät für Musiktherapie der Fachhochschule Heidelberg und des SRH-Zentralklinikums Suhl belegt die Wirksamkeit einer musiktherapeutischen Stimulation bei Herzkatheteruntersuchungen. Die psychischen Belastungen der Patienten verringerten sich deutlich. Der Vergleich vor und nach der Herzkatheteruntersuchung zeigt, dass sich vor allem das subjektive Stresserleben der Patienten signifikant reduziert hat. Aufgrund dieser ersten Ergebnisse plant das Zentralklinikum Suhl ab August 2006 diese unterstützende Musiktherapie in den klinischen Alltag zu integrieren und bei Herzkatheteruntersuchungen anzubieten.

Ingesamt wurden 90 Personen mit Verdacht auf Erkrankung der Herzkranzgefäße in die Studie eingeschlossen. Die Patienten wurden nach dem Zufallsprinzip zu je einem Drittel einer Musikexpositionsgruppe, einer Coachinggruppe oder einer Kontrollgruppe zugeteilt. Die erste Gruppe erhielt über Kopfhörer während der Herzkatheteruntersuchung standardisierte Entspannungsmusik. Ein zusätzlich zum medizinischen Personal anwesender Musiktherapeut regelte die Lautstärke der Musik. Die zweite Gruppe bekam zusätzlich zur musikalischen Intervention einen Tag vor der Untersuchung ein fünfzigminütiges musiktherapeutisches Coaching und direkt vor dem Eingriff noch einmal Anweisungen zur Entspannung. Das Coaching umfasste eine ausführliche Behandlungsinformation, ein musiktherapeutisches Entspannungstraining und Hinweise über den Umgang mit Stress. Die Kontrollgruppe erhielt lediglich die übliche medizinische Grundversorgung. Während der Herzkatheteruntersuchung war außer dem medizinischen Fachpersonal keine weitere Person anwesend.

Alle Patienten wurden einen Tag vor der Herzkatheteruntersuchung stationär aufgenommen und entsprechend den medizinischen Standards betreut. Gegenstand der Untersuchung war die Frage, inwieweit eine musikalische Intervention während der Herzkatheteruntersuchung Einfluss hat auf das Angst- und Stresserleben der Patienten. Mit der Studie sollte auch geklärt werden, ob beruhigende Medikamente durch eine musiktherapeutische Behandlung reduziert werden können und ob das Coaching Vorteile gegenüber einer rein musikalischen Entspannung aufweist.

Die Studie ergab eine deutliche Abnahme des subjektiven Stresserlebens bei allen Patienten nach der Untersuchung. Am eindeutigsten war die Verbesserung in der Gruppe in der Musikexpositionsgruppe, noch vor der Coachinggruppe. Die Patienten, die während des Eingriffs standardisierte Musik hören konnten, äußerten, dass sich ihr persönliches Wohlbefinden verbessert hätte. Dieses Ergebnis ist dabei unabhängig von Faktoren wie Geschlecht, Alter, Einweisungsdiagnose bzw. Untersuchungsdiagnose, Anzahl der bisher erfolgten Herzkatheteruntersuchungen sowie vom behandelnden Arzt. Die Forscher fanden einen Einfluss bestimmter Persönlichkeitseigenschaften heraus. Die Patienten wurden anhand von Testergebnissen der Gruppe "wenig belastet" oder "stark belastet/ängstlich" zugeordnet. Bei Patienten mit einer zuvor diagnostizierten starken Angst- und Stressbelastung war insbesondere die Entspannungsmusik während der Untersuchung eine effektive Methode zur klinisch bedeutsamen Verringerung der psychischen Belastung. Bei Patienten mit einer niedrigen Belastung verbesserten sich Kontroll-, Musikexpositions- sowie Coachinggruppe annähernd gleich. Auf die Physiologie hatte die Musikintervention nur geringe Auswirkungen Der Verlauf der physiologischen Parameter war in allen Untersuchungsgruppen ähnlich, wobei hier die größten Veränderungen in der Coachinggruppe zu beobachten waren, allerdings ohne statistische oder klinische Signifikanz zu erreichen. Durch die musiktherapeutische Intervention konnte keine Verringerung der Medikamentendosis erreicht werden.

Da sich das persönliche Wohlbefinden der Patienten, die während der Herzkatheteruntersuchung entspannende Musik hören konnten, signifikant verbesserte, wird das Zentralklinikum Suhl diese standardisierte rezeptive Musiktherapie ab August 2006 in den klinischen Alltag übernehmen.

Mehr zum Thema lesen Sie bei:
www.medizin-aspekte.de


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