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Dienstag, 14.11.2017

Zwischen Gipfel und Grube

Seinen Antrittsbesuch in Sachsen beginnt Bundespräsident Steinmeier in Oberwiesenthal. Er hat eine Botschaft mitgebracht.

Von Tobias Wolf

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Frank-Walter Steinmeier in der Grube Niederschlag in Oberwiesenthal.
Frank-Walter Steinmeier in der Grube Niederschlag in Oberwiesenthal.

© Robert Michael

  • Frank-Walter Steinmeier in der Grube Niederschlag in Oberwiesenthal.
    Frank-Walter Steinmeier in der Grube Niederschlag in Oberwiesenthal.
  • Steinmeier spricht mit Bergleuten, mit dabei seine Frau und Sachsens Ministerpräsident Tillich (l.).
    Steinmeier spricht mit Bergleuten, mit dabei seine Frau und Sachsens Ministerpräsident Tillich (l.).
  • Gruppenfoto mit dem Bundespräsidenten: Szene beim Stadtrundgang in Penig.
    Gruppenfoto mit dem Bundespräsidenten: Szene beim Stadtrundgang in Penig.

Zentimeterdicker Schnee drückt auf die Äste von Fichten und Kiefern neben der Straße nach Oberwiesenthal. Eine glitzernde Schicht bedeckt den Wald und die Felder. Ein Schneepflug parkt neben einer Kreuzung. Der Fahrer steigt aus und guckt auf die Straße. Ein prüfender Blick. Gleich muss alles perfekt sein. Blitzblank und frisch gestreut für die Kolonne von Frank-Walter Steinmeier, der am Vormittag in dem Luftkurort zum Antrittsbesuch als Bundespräsident vorfährt.

Zwei Tage ist er mit seiner Frau Elke Büdenbender in Sachsen unterwegs. Es ist die neunte Station auf seiner Deutschlandreise. Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU) begleitet ihn an diesem ersten Tag. Der Ort am Fichtelberg, rund 2 200 Einwohner, 914 Meter über dem Meeresspiegel, ist die erste Station. „Oberwiesenthal hat uns mit dem empfangen, was man von Oberwiesenthal erwartet: mit Schnee“, sagt Steinmeier in der Grube Niederschlag, einem Bergwerk, das erst seit wenigen Jahren geöffnet ist. Für die Besichtigung des Stollens legt der Bundespräsident sein dunkles Jackett ab und schlüpft in Arbeitsjacke und Gummistiefel.

Mit Kleintransportern geht es hinein in den Berg, dessen grau-schwarze Wände je nach Licht gelb oder orange schimmern, 150 Meter tief. Flussspat oder Fluorit, was sie hier abbauen, wird in der Hüttenindustrie gebraucht für die Herstellung von Glas oder zur Schmuck-Herstellung. Grubenleiter Martin Zimmermann erklärt Steinmeier, dass Bergbau inzwischen ein schwieriges Geschäft sei. Mit 42 Mitarbeitern fördert die Grube rund 100 000 Tonnen Roherz im Jahr. Steinmeier nickt.

Dann geht es zum Fichtelberghaus. Hier erwartet ihn eine Runde Landräte. Später will er noch einen Rundgang durch die Altstadt von Penig in Mittelsachsen machen. Er sei froh, dass der Besuch des Freistaats nicht in der Landeshauptstadt beginnt, sagt der Bundespräsident. Diese Botschaft ist ihm wichtig. Ein Symbol, dass Steinmeier den ersten Tag seines Antrittsbesuchs im Freistaat auf dem Land verbringt. Ein Zeichen an die Menschen, die in den Dörfern abseits der großen Städte leben.

Es hat mit den Ergebnissen der Bundestagswahl zu tun und dem Erfolg der AfD. „Wenn man mit einem solchen Wahlergebnis umgehen muss, ist es das Sinnvollste, das Gespräch mit den Bürgerinnen und Bürgern zu suchen“, sagt der 61-Jährige. Der Ministerpräsident nickt ein paar Meter entfernt. Vor allem auf dem Land, da wo die AfD in manchen sächsischen Orten über 40 Prozent der Stimmen erhielt und damit sogar die Dauerregierungspartei CDU überholte.

Steinmeier sagt, er habe damit Erfahrung, sei in einem kleinen Dorf geboren und habe lange Zeit einen kleinen Wahlkreis im Westen Brandenburgs an der Grenze zu Sachsen-Anhalt vertreten.

„Wenn wir alle so schön von Herausforderungen reden, was das für die Menschen bedeutet“, sagt der Bundespräsident. Immer weniger kulturelle Angebote. Viele seien auch von der Mobilität abgeschnitten, wenn kaum noch ein Bus über die Dörfer fährt.

In Penig wartet schon der örtliche Kreisverband der AfD auf Steinmeier. Einer der Männer, etwa 50, hält ein Schild in der Hand: „Steinmeier kostet 182 700 pro Tag“ steht drauf. Andere schwenken Fahnen, sagen, sie wollen nicht protestieren, sondern Präsenz zeigen. Es bleibt ruhig bei Steinmeiers Besuch in einem Seniorencafé und auch beim Rundgang durch die Altstadt – anders als noch im Wahlkampf, als fast alle Politiker, die nicht von der AfD waren, bei Auftritten in Sachsen immer wieder ausgebuht und angepöbelt wurden. Gut 100 Einwohner warten auf Steinmeier, wollen den Präsidenten unbedingt sehen. Eine ältere Dame sagt: „Der sieht genauso aus wie im Fernsehen, das ist ein guter.“

Auch Ministerpräsident Tillich hat nichts zu befürchten. Ein erholsamer Moment für einen Getriebenen, der weiß, dass er bald gehen muss. Hier in Penig kann er noch einmal in der Menge baden und die Zustimmung genießen. Auch keine Selbstverständlichkeit in einem Bundesland, in dem viel stärker polarisiert wird als anderswo. Mit dem Besuch eines Orchesters in Bad Lausick, einem Treffen mit Mitarbeitern der Firma Wacker in Nünchritz geht der erste Tag schon fast zu Ende. In Großenhain wollen Steinmeier und Tillich noch Ehrenamtliche für ihr Engagement im ländlichen Raum würdigen. Da ist es wieder, das Thema, das die Politik seit der Bundestagswahl umtreibt. Die vergessenen Dörfer. Steinmeier scheint sie nicht so schnell vergessen zu wollen. Deshalb ist Dresden auch nur die Nummer zwei diesmal. Nach dem Land.

Leser-Kommentare

Insgesamt 1 Kommentar

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  1. Demokrat

    Das sinnvollste ist das Gespräch mit den Bürgern - ja es ist sinnvoll aber es geht eben nicht darum dem nichtmündigem Bürger alles zu erklären um ihn auf einen Weg mitzunehmen denn er eigentlich gar nicht will. Ja wenn das was der BP von den Bürgern hört (nicht von ausgesuchten) dann auch in der Politik Eingang finden würde waren solche Besuchen gut. Die Mehrheit der Bürger möchte das die innere Sicherheit gewährleitet wird dh - alle die Illegal im Land sind zügig ohne wenn u. aber abgeschoben werden.Das man sich nicht am Wettrüsten beteiligt u. die Gelder in Infrastruktur,Gesundheitswesen ,Bildung,Polizei ect einsetzt. Das man Altersarmut verhindert - wohl alles kein Problem denn wir sind ja ein so reiches Land. Ach Gott die Bürger wollte ihn sehen u. der Journalist Tobias Wolf - muß natürlich eine alte Dame ins Feld führen die da sagt :Der sieht genau aus wie im Fernsehen,das ist ein Guter - ach je , sie würde sicher auch bei einem Besuch der engl.Königin ins schwärmen kommen .

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