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Donnerstag, 05.10.2017

Zwei Millionen für ein Provisorium

Der Kleine Saal in der seit Jahren geschlossenen Görlitzer Stadthalle soll ab 2019 teilweise nutzbar sein. Aber nur bei Tageslicht.

Von Sebastian Beutler

Beim letzten Konzert im Kleinen Saal der Stadthalle war am 28. Juni 2014 auch Licht der Lampen nötig. Ob das im Kleinen Saal künftig möglich ist, ist völlig offen.
Beim letzten Konzert im Kleinen Saal der Stadthalle war am 28. Juni 2014 auch Licht der Lampen nötig. Ob das im Kleinen Saal künftig möglich ist, ist völlig offen.

© Pawel Sosnowski

Für 2,2 Millionen Euro soll der Kleine Saal der Stadthalle im nächsten Jahr so hergerichtet werden, dass er ab 2019 von Mai bis September genutzt werden kann. Das ist das erklärte Ziel der Stadt. Sie muss es auch erfüllen, denn im Fördermittelbescheid vom sächsischen Landesamt für Denkmalpflege heißt es: „Schaffung der Voraussetzungen für die öffentliche Nutzung des Kleinen Saals der Stadthalle, nachzuweisen durch die Durchführung einer Veranstaltung im Kontext mit der Fertigstellung der Maßnahme.“ Diesem Ziel sollte der Stadtrat am vergangenen Donnerstag einen Schritt näher kommen. Ihm lag der Baubeschluss zur Abstimmung vor – bis ihn Bürgermeister Michael Wieler von der Tagesordnung nahm. Was war geschehen? Die Fördermittel in Höhe von zwei Millionen Euro stehen zunächst nur bis Ende dieses Jahres zur Verfügung. Schon vorher war klar, dass sie für nächstes Jahr umgeschrieben werden müssen. Ein Vorgang, wie er bei fast jedem mehrjährigen Projekt üblich ist. Es besteht also so gut wie keine Gefahr, dass der Freistaat die Fördermittel kassiert und das Projekt streicht. Deswegen gab es eine solche Absicherung noch nie in einem Beschluss des Stadtrates. Trotzdem wurde nach Wielers Worten auf Drängen der Görlitzer Rathaus-Kämmerei nun erstmals ein Passus in den Beschluss aufgenommen, dass für diesen Fall die Mittel aus der „vorhandenen Liquidität der Stadt Görlitz“ genommen werden sollen. Das aber berührt das Königsrecht des Stadtrates, nämlich darüber zu entscheiden, welches Geld für welches Vorhaben ausgegeben wird. Der frühere Oberbürgermeister Joachim Paulick drängte deswegen darauf, dass der Passus gestrichen wird und der Stadtrat stattdessen kurzfristig in einem solchen, unwahrscheinlichen Falle neu beraten müsse. Wieler tat das ab, doch als sich auch die CDU Paulicks Vorstoß anschloss, wurde Wieler unruhig. Da die Kämmerin an dem Abend nicht anwesend und so nicht schnell zu klären war, ob der Passus nötig ist, zog Wieler seine Vorlage zurück – um sie nochmal rechtlich klären zu lassen.

So kann der Stadtrat frühestens Ende Oktober den geplanten Arbeiten im und an dem Kleinen Saal zustimmen. Dazu zählen eine neue Decke zwischen Untergeschoss und Erdgeschoss, also der früheren Gaststätte. Ein Lift wird eingebaut, einige Wasserleitungen erneuert, die Einbauten im früheren Restaurant herausgerissen, eine Abdichtung gegen das Eindringen von stehendem Wasser als Hochwasserschutz angebracht. Auch sehen die Pläne eine vorübergehende Elektroinstallation für die Sommernutzung und für die Orgel vor. Im Gegenzug aber muss die vorhandene im gesamten Gebäude demontiert werden. Die Folge: Im Großen Saal gibt es keinen Strom mehr ab diesem Zeitpunkt. Die provisorische Elektroanlage ist aber so schwach, dass der Kleine Saal nur bei Tageslicht zu nutzen geht. Auch der Betrieb von elektrischen Geräten ist nicht möglich. Bühnenkulissen dürfen nicht aufgebaut werden.

Wozu dann dieser Kleine Saal dienen kann, ist vielen unklar. Caterer, so erklärt Thomas Leder vom Förderverein Stadthalle, müssten außerhalb des Gebäudes ihre Speisen vorbereiten. Er fragt sich auch, ob irgendjemand Veranstaltungen im Kleinen Saal plant mit dem Risiko, dass sie doch noch ausfallen könnten, wenn am frühen Abend plötzlich wolkiges Wetter herrscht und deswegen wenig Tageslicht in den Kleinen Saal fällt. Daher will er gerne noch mal überprüfen lassen, was für die 2,2 Millionen Euro sinnvollerweise nun gebaut wird. Ob er dafür auch noch Mehrheiten im Stadtrat findet, ist aber völlig offen.

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