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Samstag, 13.01.2018 Sächsisch betrachtet

Zu viel Staat macht sexy

Von Thilo Alexe

SZ-Redakteur Thilo Alexe
SZ-Redakteur Thilo Alexe

© Robert Michael

Um es mit der griffigen Formel des Mannheimer Kabarettisten Bülent Ceylan zu sagen: „Uffbasse!“ Aufpassen, Kurt Biedenkopf hat ein Interview gegeben. Im Handelsblatt nimmt er sich nicht wie unlängst seinen Nach-Nachfolger Tillich vor, es geht um Groko, Merkel und Staatsausgaben. Biko meint, zu viel Staat macht unfrei, ist aber für viele sexy: „Norbert Blüm“, Ressortchef unter Helmut Kohl, „war der Prototyp eines benevolenten Herrschers, der als Sozialminister den Menschen sagte: Ich hab’ euch doch gern – und ich habe Geld.“ Der frühere Ministerpräsident glaubt: „Die Leute überzeugte diese Form der Entmündigung.“

Was ist, wie es der Berliner Journalist Robin Alexander formuliert, das sozialdemokratischste aller Menüs – Erbsensuppe, Mettigel oder doch Currywurst? Es ist die gewürzte Wurst, die in der langen Sondierungsnacht im Berliner Willy-Brandt-Haus den Hunger der Politiker stillte. Ob es an ihr lag, dass zumindest die Sondierenden von CSU, CDU und SPD zusammenkamen, bleibt offen. Die Möglichkeit, dass Kompromisse Resultat einer guten Soße sein können, hat jedenfalls etwas Beruhigendes. Liebe Sachsen-Sozis: Wenn ihr in zwei Jahren wieder mit der CDU reden solltet, serviert knackige Verhandlungswurst, die Appetit auf Politik macht! Appetit hat auch die Sachsen-FDP, die sich gerade berappelt. Ihr Chef Holger Zastrow macht sich für Seiteneinsteiger stark. Es könne, sagt er, nicht sein, „dass die einzige Lebenserfahrung des Parlamentariers das Parlament ist“.