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Freitag, 25.09.2015

Zu dick, unausgeschlafen und einsam

Eine neue Studie über Zivilisationskrankheiten zeichnet ein alarmierendes Bild aus Sachsens Städten.

Von Sven Heitkamp

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Wenn sich der Bauspeck schon wellt, sollte ein Arzt konsultiert werden.
Wenn sich der Bauspeck schon wellt, sollte ein Arzt konsultiert werden.

© dpa

Leipzig. Eine der größten Studien über moderne Zivilisationskrankheiten hat gestern teils alarmierende Befunde zutage befördert: Übergewicht, Diabetes, Bluthochdruck wie auch Schlafmangel und Essstörungen sind weit verbreitet und auf dem Vormarsch. So sind deutlich mehr junge Leute als bisher angenommen nicht nur zu dick, sondern sogar adipös.

Bereits acht Prozent der unter 40-jährigen Erwachsenen weisen inzwischen einen Body-Mass-Index (BMI) von über 30 auf, berichtete Markus Löffler, der Leiter des Forschungsprojektes „LIFE“ an der Medizinischen Fakultät der Universität Leipzig. Es sei „besorgniserregend“, dass dieser Trend zunehmend in jüngeren Altersgruppen zu finden sei. Der BMI gibt das Verhältnis von Körpergewicht zur Körpergröße an, ein Wert von mehr als 30 gilt als behandlungsbedürftig. Für die Studie wurden 10 000 Leipziger untersucht und vermessen, die Werte sind laut Löffler übertragbar auf andere Großstädte wie Dresden.

Durchschnittlich seien etwa 18 Prozent der Großstädter adipös. Mit höherem Alter wachse der Anteil an übergewichtigen Personen sogar auf etwa 30 Prozent an. Ausschlaggebend dafür sind auch der soziale Status und der Ausbildungsgrad. „Leute in höheren Bildungsschichten sind leichter“, sagte Löffler. Erstmals haben die Forscher auch einen 3D-Bodyscanner eingesetzt, um Körperformen und Fettverteilung zu erfassen. „Insgesamt haben wir 17 verschiedene Körperformen ermitteln können“, erklärte Nachwuchswissenschaftler Henry Löffler-Wirth. Die Mediziner hoffen nun, Frühzeichen und Risikofaktoren für Erkrankungen besser abschätzen zu können. „Es reicht nicht aus, die Menschen nach Apfel- und Birnenform zu unterscheiden.“

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Außerdem schlafen offenbar viele Sachsen schlecht. Fast 40 Prozent der Studienteilnehmer beklagten eine schlechte Nachtruhe. Jeder Zehnte berichtete den Medizinern von klinisch relevanten Schlafproblemen, darunter mehr Frauen als Männer. Messungen des Schlaf-Wach-Verhaltens ergaben zudem, dass jeder Dritte unter geringer „Schlafeffizienz“ leide. Bei mehr als zwölf Prozent zeigten sich dagegen eher Anzeichen von Erschöpfung und Übermüdung. Darüber hinaus leiden 6,4 Prozent der Leipziger mindestens unter depressiven Symptomen.

Frauen sind fast doppelt so oft betroffen wie Männer. Dabei zeigte sich auch ein enger Zusammenhang von Depressionen und sozialer Einsamkeit. Isolation und wenig Kontakt zu Familienmitgliedern, Freunden, Nachbarn oder anderen Vertrauten sei ein Risikofaktor für psychisches Wohlbefinden und Gesundheit. Auch ein geringer sozialökonomischer Status kann Depressionen befördern.

Leser-Kommentare

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Insgesamt 26 Kommentare

Alle Kommentare anzeigen

  1. kesdy

    ....erschreckend......zumal die Unwissenheit der Menschen ist für mich das Schlimmste.man könnte es auch Verantwortungslosigkeit nennen oder sogar Dummheit...schaut in die Körbe im Supermarkt der Dicken....null Ahnung und Bequemlichkeit...jeder kann mir seinrm Körper machen, was er will, aber wenn dicke Eltern ihre Kinder noch dazu verleiten...das sollte geahndet werden...geht zu MC doof und schaut euch an, was dort gefuttert wird....alle adipös, Vater, Mutter, Kind.....und trotz alledem. Man sollte vel mehr aufklären....als immer wieder diese schrecklichen Ergebnisse zu veröffentlichen...Krankenkassen sind hier gefragt....und viele andere mehr. Und es gibt auch in Sachsen Anlaufstellen, die dabei helfen, auf gesunde Art und Weise seine Ernährung umzustellen und abzunehmen.Aber man muß es wollen, und da stimme ich der Studie zu, es ist einfach Frage der Bildung. Grüße Kessy

  2. Berg

    Bei 6 oder 7 oder 8 Prozent kann man gar nicht von "weit verbreitet" und "alarmierend" sprechen. Wenn einer von 15 einen Krankheitsbefund hat, dann haben die restliche 14 keinen. "Alarmierend" ist es immer nur für den Betreffenden, nicht für alle Sachsen. Den Sachsen geht es gut und sie fühlen sich wohl, und das lassen sie sich auch nicht durch gedankenlose Rankings vermiesen.

  3. Manfred

    Oha, paar ganz Schlaue hier. Gesunde Ernährung hat etwas mit Bildung zu tun? Ok, da habe ich als Ing. wohl etwas falsch gemacht. :-/ Warum sollte ich mir helfen lassen? Warum sollte ich mich "gesund" ernähren? Warum sollte ich mir von anderen vorschreiben lassen was ich essen sollte? Brauche ich alles nicht. Während andere "trainieren" gehen grille ich mir lieber ein Steak und köpfe ein Weizen dazu. Ich lebe & genieße, andere stressen sich um abgemagert herum zu laufen.

  4. Fiebig

    Machen wir uns doch nichts vor, die "Dicken" sind doch ein wunderbarer Markt. Warum also sollte man ernsthaft etwas dagegen tun. Sie kaufen ordentlich ein, sie konsumieren Diätprodukte oder auch nicht, sie nehmen ärztliche Hilfe überdurchschnittlich in Anspruch, bekommen Kuren und die Arzneimittel, die sie nehmen müssen gegen Bluthochdruck und co, sind auch ein ordentlicher Posten. Es bedarf weitgehenderer Veränderungen als nur die Krankenkassen zum Handeln zu drängen. Die Ursachen müssen beseitigt werden also: Bildungsniveau heben, Menschen in sinnvolle Arbeit bringen und sie dann auch anständig bezahlen, Werbung für Fettmacher verbieten.. Vermutlich würde dann allerdings das System ein Problem bekommen, denn was wäre es ohne den vielen sinnlosen Konsum der Menschen, die täglich eingeredet bekommen, was sie ganz unbedingt zum Leben brauchen und als Beispiele die Schönen und Reichen gezeigt werden, die schon nicht mehr wissen, was sie noch alles von ihrem unanständigen Reichtum kaufen

  5. Günther

    Auch wenn man einen Menschen nicht kennt, so kann einem dieser unbekannte doch sympathisch sein. @Manfred

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