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Dienstag, 24.11.2015

ZDF-Team in Meißen angegriffen

Die Initiative „Heimatschutz“ hat einmal mehr bundesweit für negative Schlagzeilen über die Stadt gesorgt.

Heimatschutz-Anhängerin schlägt auf ZDF-Kamera ein.
Heimatschutz-Anhängerin schlägt auf ZDF-Kamera ein.

© ZDF/Heuteplus

Meißen. Das ZDF-Fernsehen hat jetzt Bilder von Handgreiflichkeiten gegenüber seinem Kamerateam in Meißen veröffentlicht. Besucher einer Kundgebung der rechtsextremen Initiative „Heimatschutz“ auf dem Meißner Markt hatten dabei einen Kameramann des Senders bedroht.

Im Hintergrund ist der sogenannte Pegida-Anwalt Jens Lorek zu erkennen, der sich auch außerhalb der Faschingszeit gern als Revolverheld in schwarzem Western-Outfit präsentiert. Lorek ist bekannt für seine Versuche, Berichte über die Aufmärsche rechtsextremer Aktivisten in und um Dresden verhindern zu wollen.

Das ZDF zitiert in seinem Beitrag für die Sendung „Heuteplus“ vom Montagabend aus einem in der Stadt kursierenden Drohbrief gegen Friedensaktivisten und Flüchtlingshelfer: „Der Volkszorn wird über euch kommen und wir werden euch ausrotten.“ Gezeigt wird zudem Bauunternehmer Ingolf Brumm, wie er in einem Hefter voller Drohschreiben blättert. Der Meißner erhielt diese, nachdem er begonnen hatte, ein Mietshaus in der Rauhentalstraße für Flüchtlinge herzurichten, welches anschließend Ende Juni durch einen Brandanschlag verwüstet wurde. Mittlerweile ist die Unterkunft für Asylsuchende weitgehend saniert und von Familien bewohnt.

In einem kurzen Text auf ihrer Facebook-Seite widerspricht die Initiative „Heimatschutz“ dem Bericht des ZDF und behauptet „friedlich und offen für einen Dialog zu sein.“ Dagegen sprechen wiederholte Statements von „Heimatschutz“-Mitinitiatorin Nancy Kanzok, in denen diese gegen Andersdenkende hetzt. „Diese hirnlose Brigade (gemeint sind Politiker und Journalisten, Anmerkung der SZ-Redaktion) muss vertrieben werden mit aller Härte, eher gibt’s keine Ruhe und keinen Frieden auf dem Planeten“, so einer der jüngsten Ausfälle von Nancy Kanzok auf Facebook. Zu Flüchtlingsunterkünften äußerte sie an gleicher Stelle bereits früher in originaler Schreibung: „Kammerjäger rein und das Ungeziefer raus... aber so desinfiziert das die nie weder auftauchen.“

Um Meißen in ein positives Licht zu setzen, sind Kirchgemeinden, Kommunalpolitiker und das Bündnis Buntes Meißen derzeit dabei, für den Mittwochabend ein gemeinsames Herbstfest ab 19 Uhr auf dem Heinrichsplatz zu organisieren. Mit Livemusik Gedichten, Tanz und Gesang soll ein Zeichen gesetzt werden, dass Meißen nicht rechtsextrem, sondern tolerant und mitfühlend ist.