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Montag, 07.10.2013

ZDF dreht in Görlitz

In einer Dokumentation mit Spielfilmszenen soll an die Reichskristallnacht von 1938 erinnert werden. Auch Görlitzer Kinder stehen vor der Kamera.

Von Daniela Pfeiffer

November 1938: SA-Männer betrieben landesweit Hetze gegen die jüdische Bevölkerung – hier in Berlin. Das ZDF erinnert mit einer in Görlitz gedrehten Dokumentation an die Ereignisse, die als Beginn der Judenvernichtung gelten.Foto: Archiv
November 1938: SA-Männer betrieben landesweit Hetze gegen die jüdische Bevölkerung – hier in Berlin. Das ZDF erinnert mit einer in Görlitz gedrehten Dokumentation an die Ereignisse, die als Beginn der Judenvernichtung gelten.Foto: Archiv

Wieder einmal Besuch vom Film in Görlitz: In dieser Woche dreht das ZDF die Dokumentation „Nacht über Deutschland“ zur Erinnerung an die Reichskristallnacht am 9. November 1938. Zeitzeugen sprechen in dem Beitrag über ihre Erinnerungen. So werden auch die Lebensgeschichten von Regisseur und Fernsehjournalist Georg Stefan Troller und Schauspieler Günter Lamp-recht erzählt. Dazu werden kurze Spielfilmszenen eingespielt.

Genau diese Spielszenen entstehen diese Woche in Görlitz. Der Ruf von Görliwood hat auch Dokumentarfilmspezialist Andrzej Klamt mit seiner Produktionsfirma Halbtotal Film aus Wiesbaden an die Neiße gelockt, der im Auftrag des ZDF arbeitet. Ab heute schlägt er mit seinem Team in Görlitz sein Lager auf. Regie führt Gordian Maugg aus Berlin. „Wir kommen wegen der wunderbar erhaltenen Stadt, wo findet man so etwas heute schon noch in Deutschland“, sagt Maugg.

Vor Ort fanden die Produktionsmitarbeiter gute Kooperationspartner: unter anderem Barbara Pinkert, eine filmerfahrenen Gebelzigerin und ehemalige Mitarbeiterin des Görlitzer Theaters, sowie Ronny Otto, der unter anderem zu jüdischer Geschichte forscht. Barbara Pinkert hat Komparsen und Kleindarsteller aus Görlitz und Umgebung organisiert. Immerhin kommen laut Regisseur Maugg 60 Komparsen zum Einsatz – neben 25 Darstellern. Unter den Komparsen sind auch Kinder, die einen Martinsumzug spielen. Dieser wird dann von lärmenden Nazis durchbrochen.

Ronny Otto stellt der Produktion eines seiner Häuser zur Verfügung. „Sie wollten etwas Authentisches“, sagt er. Das Gebäude, in dem nun gedreht werden soll, hat früher mal einer jüdischen Familie gehört, Otto hat es unlängst gekauft. Hier soll nach Ende der Dreharbeiten am kommenden Wochenende nochmals an die Ereignisse vor 75 Jahren erinnert werden, die der Start zur systematischen Verfolgung und Tötung der Juden waren. Allein zwischen 7. und 13. November 1938 kamen mehr als 400 Menschen in Deutschland um, Geschäfte, Wohnungen und jüdische Friedhöfe wurden zerstört. Hunderte Synagogen wurden niedergebrannt. Nicht so die Görlitzer. Sie blieb als eine von ganz wenigen erhalten. Für ihre Restaurierung will die Produktionsfirma zusammen mit Ronny Otto der Stadt einen Scheck überreichen.

Die Dokumentation „Nacht über Deutschland“ soll am 5. November um 20.15 Uhr im ZDF ausgestrahlt werden.

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