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Dienstag, 29.08.2017

Wolf überspringt Doppelzaun

Jetzt steht fest: Drei Schafe in Cunnewitz wurden vom Wolf getötet. Der zweifache Schutz der Weide hat offenbar versagt.

Von Nicole Preuß

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Ein Bild aus noch friedlicheren Zeiten. Martin Just hat einen Teil seiner Herde schon immer mit Elektrozäunen gesichert. Die werden von Experten empfohlen.
Ein Bild aus noch friedlicheren Zeiten. Martin Just hat einen Teil seiner Herde schon immer mit Elektrozäunen gesichert. Die werden von Experten empfohlen.

© Matthias Schumann

Der Wolf hatte wahrscheinlich großen Hunger. Es sprang erst über einen Festzaun und dann noch über einen Elektrozaun. Dort waren die 50 Schafe von Martin Just auch in der Nacht zum Sonntag eingepfercht. „Ich hab sie hinter dem Festzaun nachts immer noch im Elektrozaun eingesperrt, weil ich sie schützen wollte“, sagt der nebenberufliche Landwirt.

Es war zunächst unklar, ob tatsächlich ein Wolf die drei Schafe gerissen hatte. Ein Rissgutachter bestätigte dem Schäfer Martin Just aber am Montagnachmittag, dass tatsächlich das Raubtier am Werk war. Es gab auch Beschwerden beim Veterinäramt, weil die drei toten Schafe bis dahin auf der Weide lagen. „Doch was soll ich denn machen. Ich muss warten, bis sich der Rissgutachter alles angeschaut hat“, sagt der Schäfer. Immerhin geht es um Entschädigungszahlungen des Freistaats. Die bekommt der Landwirt nur, wenn er die geforderten Mindest-Schutzvorrichtungen eingehalten hat.

Martin Just hat aber weit darüber hinaus vorgesorgt. Er hat seine Tiere sogar mit zwei Zäunen geschützt. Der Wolf musste damit Hürden springen, um zu den Schafen zu gelangen. Ein Fakt könnte den Landwirt im Nachhinein aber noch in Erklärungsnöte bringen. Die Experten des Kontaktbüros hatten immer wieder betont, dass Flatterband einen wirksamen zusätzlichen Schutz vor dem Wolf darstelle. Martin Just hatte das Band aber nur um den äußeren Festzaun gezogen und dort aus technischen Gründen so befestigt, dass es nur eingeschränkt flattern konnte. Diese Vorgehensweise hatten Rissgutacher beim letzten Riss auf der Weide vor mehr als einem Jahr bemängelt. Damit verliere das Flatterband an Abschreckungskraft, hieß es. „Jeder hat andere Ansichten, wie das Flatterband zu befestigen ist“, sagt Martin Just. „Es geht darum, dass der Wolf immerhin zwei Zäune übersprungen hat.“ Jetzt werde es wieder um die Frage gehen, wie viel Schutzvorrichtungen den Landwirten überhaupt zuzumuten sind.

Der Bautzener Landrat Michael Harig (CDU) hatte nach den letzten Rissen im Herbst vergangenen Jahres gefordert, dass das Rosenthaler Rudel geschossen werden soll. Es gilt als Problemrudel, weil Tiere aus der Gruppe gelernt haben, hohe Zäune zu überspringen. Der Abschuss war vom Ministerium abgelehnt worden. Die Diskussion dürfte nun in eine neue Runde gehen. „Die Saison geht jetzt erst wieder los“, sagt Martin Just mit Blick auf die Statistik.

Leser-Kommentare

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Insgesamt 42 Kommentare

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  1. Tom Schulze-Helmke

    Letztes Jahr wurden Herrn Just vom Kontaktbüro 4.000m Flatterband einschließlich Beratung zum richtigen Einsatz zur Verfügung gestellt. Schade, dass er diese Hilfestellung nicht umgesetzt hat und somit wieder iin der Zeitung landet. „Jeder hat andere Ansichten, wie das Flatterband zu befestigen ist“ ist eine schwache Ausrede. Falsch eingesetzt ist dieses Band völlig wirkungslos. Schlauer als ein Wolf zu sein scheint einigen schwer zu fallen. Das wird wohl auch Landrat Harig bestätigen vermuten wir in unser Facebookgruppe "Schützt die Wölfe" wenn er wie bisher jedesmal nur Abschiessen als als Lösung proklamiert.

  2. Sandra

    Hammer, Doppelzaun und trotzdem wird noch Herrn Just die Schuld zugewiesen! Was kommt als nächstes? Hat der Schäfer demnächst auch für ausreichend Wind zu sorgen, damit das Flatterband auch flattert???! Tommi-Boy sollte auch vielleicht mit seiner Facebook-Gruppe die Studien aus Dörverden ansehen - die besten nämlich, das denn Wolf Flatterband nach 1-2 Tagen gar nicht mehr juckt!

  3. Henry Seifert

    "Falsch eingesetzt ist dieses Band völlig wirkungslos. " Es ist auch "richtig" eingesetzt wirkungslos, denn es handelt sich schlicht um Baustellenabsperrband, das der Wolf an jeder anderen Stelle - zum Beispiel an Baustellen - als ungefährlich und überwindbar kennen lernt. Zudem flattert es nicht, wenn kein Wind geht. Doch auch für das Fehlen des Windes ist bestimmt ein Schäfer zu beschuldigen. Der Schutz vor Wölfen ist eine gesellschaftliche Aufgabe und die Polarisierung macht deutlich, wer Verantwortung für Weidetiere tatsächlich trägt oder bloß zuweist.

  4. scharfesschwert

    Ganz schöner Rassismus. Ein Wolf ist mehr wert als ein Schaf. Ganz schöner realer Kapitalismus. Der Stärkere frißt den Schwächeren. Besser kann man es nicht darstellen.

  5. Müller

    @ Tom Schulze-Helmke: Aus der bequemen Stadtwohnung heraus fällt es leicht, den Wolf als harmloses Schmusetier zu sehen. Die Wahrheit auf dem Land ist viel brutaler, da geht es auch um Existenzen. Kümmert ihr in der Stadt euch um eure Ratten und lasst uns auf dem Lande die zu viel gewordenen Wölfe abschießen.

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