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Donnerstag, 18.06.2015

Wölfe abschießen? Jagdverband fordert Politik zum Handeln auf

Der Deutsche Jagdverband tagt und Tierschützer fordern eine Ende der Jagd. Kontroversen sind die Jäger gewohnt. Beim strittigen Thema Wolf sehen sie die Politik in der Pflicht.

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Dresden. Der Deutsche Jagdverband fordert eine realistische Sicht auf den Wolf. „Ein „Willkommen Wolf“ reicht nicht“, sagte Verbandspräsident Hartwig Fischer kurz vor Beginn des Bundesjägertages in Dresden. Im Interview spricht er auch über den Jäger als Artenschützer und Sicherheitsrisiken beim Waffenbesitz.

In Sachsen und anderswo wird in der Jägerschaft kontrovers über den Wolf diskutiert. Welche Auffassung vertritt die Spitze des Deutschen Jagdverbandes?

Ein „Willkommen Wolf“ reicht nicht. Wir beobachten die natürliche Rückwanderung mit Interesse und beteiligen uns aktiv am Monitoring. Wölfe vermehren sich derzeit mit über 30 Prozent pro Jahr, und das in einem dicht besiedelten Land. Wir betreten hier Neuland und müssen den Umgang mit dem großen Raubtier erst lernen. Die vor Jahren noch verkündete „natürliche Scheu“ gibt es offenbar nicht, wie uns zahlreiche Jungwölfe im Frühjahr deutschlandweit gezeigt haben. Wenn das Zusammenleben mit dem Wolf klappen soll, müssen wir ihn als großes Raubtier respektieren. Ein absolutes Tabu ist das Füttern der Wölfe, wie es tatsächlich in einigen Foren empfohlen wird. Wer Wölfe füttert gefährdet die gesamte Art.

Sollte man Wölfe unter bestimmten Umständen schießen?

Neugierigen Wölfen müssen wir zuallererst Scheu beibringen und für verhaltensauffällige Tiere muss es bundesweit abgestimmte Vorgehensweisen geben. Die Politik ist gefordert - auch auf Grundlage von Erfahrungen in anderen europäischen Ländern - zu entscheiden, wann ein Wolf geschossen werden muss. Die Sicherheit der Menschen muss höchste Priorität haben. Wir müssen die Sorgen der Betroffenen Menschen vor Ort ernst nehmen. Die meiste Unterstützung findet der Wolf in Großstädten, dort wo die Sehnsucht der Menschen nach Wildnis am größten ist und der Wolfskontakt am unwahrscheinlichsten. Wir erwarten klare Aussagen von der Politik, wie Konflikte im Sinne von Mensch-, Tier- und Artenschutz gelöst werden

Jäger regulieren den Tierbestand. Was tun sie für Artenschutz?

Bedrohte Arten wie Feldlerche, Kiebitz oder Brachvogel sind darauf angewiesen, dass wir den Lebensraum verbessern. Und dass wir Fressfeinde reduzieren. Der Fuchs hat seinen Bestand seit den 1980er Jahren verdreifacht wegen der erfolgreichen Tollwutimpfung, hinzu kommen neue Räuber wie der Waschbär oder der Mink. Wir brauchen die Jagd mit der Falle, Verbotspolitik ist nicht nachvollziehbar. Ebenso wie die zwiespältige Haltung einiger Naturschutzverbände. Der Nabu beispielsweise will auf der Bundesebene die Fallenjagd verbieten, setzt aber regional Fallen ein, um Vögel zu schützen. Dann heißt es „Prädatorenmanagement“. Wir nennen es Etikettenschwindel.

Schusswaffen sind nach diversen Vorfällen auch in Deutschland ein Thema? Sieht der Jagdverband da Handlungsbedarf?

Die meisten Straftaten werden mit illegalen Waffen durchgeführt, das ändern auch keine schärferen Gesetze. Die derzeitigen Gesetze etwa zur Waffenaufbewahrung sind mehr als ausreichend. Wenn natürlich die Pistole unterm Kissen und nicht im Waffenschrank liegt, ist das unverantwortlich. Wer aus kriminellen Motiven an Waffen gelangen will, wählt sicher nicht den Weg über die Jägerprüfung: Über 120 Stunden Theorieunterricht in Biologie, Fleischhygiene, Natur- und Jagdrecht oder Hundeausbildung sind nur etwas für Naturbegeisterte - nicht für gewaltbereite Extremisten.

Zur Person: Hartwig Fischer (66) ist seit 2011 Präsident des Deutschen Jagdverbandes. Von 2002 bis 2013 saß der gelernte Einzelhandeslkaufmann für die CDU im Bundestag.

Interview: Jörg Schurig

Leser-Kommentare

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Insgesamt 14 Kommentare

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  1. Bernd

    Wölfe abschiessen? Natürlich! Ich weiss nicht was es da noch zu diskutieren gibt.

  2. Sepal

    "Bedrohte Arten wie Feldlerche, Kiebitz oder Brachvogel sind darauf angewiesen, dass wir den Lebensraum verbessern".... aha und deshalb soll jetzt abgeknallt werden was vor die Flinte kommt?! Den Lebensraum vieler Arten hat ja wohl der Mensch reduziert oder vernichtet. Da wird eine Autobahn mitten durch Natur- und Landschaftsschutzgebiete gebaut, Gewerbegebiete und Baumärkte auf Apfelplantagen etc. gebaut und ausgeweitet, zuhauf Bäume gefällt usw...

  3. Günter Wunderlich

    Ich erwarte von der Politik endlich klare Aussagen, wie man zukünftig mit den Wölfen umgehen will. In unserem Wohngebiet im Dresdner Wachwitzgrund stand er bereits im benachbarten Grundstück. Tolle Überraschung!!

  4. Kerstin

    @Bernd: Wieso ? Hat der Wolf etwa deine Großmutter gefressen ?

  5. PeitschenPaul

    Warum nicht gleich alles abschießen dürfen, was einem nicht gefällt .... Wir denken immer, dass der Mensch alles regeln kann - am liebsten mit Gewalt.

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