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Samstag, 09.01.2016

Wo sind die 1 900 Goldmünzen?

Die Leipziger Polizei steht vor einem rätselhaften Fall: Im Auenwald wurde der leere Koffer einer millionenschweren Münzsammlung gefunden.

Von Thomas Schade

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Der Kofferfund im Auenwald.
Der Kofferfund im Auenwald.

© Polizei

  • Der Kofferfund im Auenwald.
    Der Kofferfund im Auenwald.
  •  Diese Goldmünzen gehören auch zur Beute.
    Diese Goldmünzen gehören auch zur Beute.

Noch sei unklar, was am 4. September, dem zweiten Tag der Seberatel-Messe in den Hallen der PVA Expo im Prager Stadtteil Letnany passiert ist. Fest stehe nur, dass an dem Tag mehr als 1 900 Goldmünzen aus aller Welt im Wert von etwa einer Million Euro verschwand, sagt Katharina Geyer von der Leipziger Polizei.

Seit 1998 trifft sich die Internationale Sammlerszene aus Mittel- und Osteuropa in der tschechischen Hauptstadt zur größten Messe für Philatelie, Numismatik, Mineralien, Edelsteine, historische Ansichtskarten und vieles mehr. Der besondere Vorzug: Auch Investoren können hier ihr Geld in Gold, Münzen, Medaillen, Banknoten oder Edelsteinen anlegen. Doch Geld anlegen wollten die mutmaßlichen Kunstdiebe nicht, sie stahlen angeblich während des laufenden Ausstellungsbetriebes die umfangreiche Sammlung einer Firma, die laut Polizei nicht genannt werden möchte.

Die Leipziger Polizei hat rein zufällig mit dem Fall zu tun und weiß wohl auch nicht recht weiter. Deshalb wandte sie sich am Mittwoch an die Öffentlichkeit.

Denn schon am 24. September, 20 Tage nach der Messe in Prag, hatte eine 42-jährige Leipzigerin die bisher einzige Spur zu der verschwundenen Münzsammlung gefunden. Bei einem Spaziergang war der Frau im Auenwald gleich neben der Bundesstraße 2 ein dunkler Rollkoffer aufgefallen. Verlassen lag er auf einer Bank. Der Fund war ihr unheimlich, deshalb informierte sie die Polizei. Beamte öffneten den Koffer und fanden zahlreiche Schachteln, in denen Münzen gelegen haben mussten. Zudem enthielt der Koffer einen Hinweis auf eine Firma, die Eigentümer des Rollkoffers ist. Schon beim ersten Kontakt erfuhr die Polizei, dass dieser Rolly und ein weiterer Koffer am 4. September auf der Seberatel-Messe in Prag verschwunden waren, und was sie enthielten.

Die Eigentümer können wohl zu Recht behaupten, dass ihnen ein Schatz gestohlen wurde. Denn insbesondere die mehr als einhundert antiken römisch-byzantinischen und griechischen Goldmünzen gelten als begehrt und wertvoll. So gehört zur Sammlung ein Solidus Flavius Focas, eine byzantinische Goldmünze aus dem 7. Jahrhundert (oben rechts).

Der Fall gibt den Ermittlern in Prag wie auch in Leipzig Rätsel auf. So liegen nach Auskunft von Polizeisprecherin Geyer in der Messestadt bisher keine Informationen aus Prag vor, wie der Diebstahl in der Messehalle abgelaufen ist, die angesichts der ausgestellten Werte videoüberwacht sein müsste. Auch vom zweiten Koffer fehlt bisher jeder Spur. Der Auenwald sei nach dem Fund abgesucht worden, so die Polizei, aber erfolglos.

Man gehe derzeit nicht davon aus, dass die Diebe in Leipzig Zuflucht gefunden haben, sagt Polizeisprecherin Geyer. Am plausibelsten erscheint die Hypothese, dass die Diebe auf ihrer Flucht im Auenwald eine Pause eingelegt hatten, um sich eines Koffers zu entledigen. Dazu dürften sie die Münzen aus den Schachteln genommen, in dem zweiten Koffer verstaut und den wertlosen Rolly mit den leeren Schachteln zurückgelassen haben.

Der Fund werde nun kriminaltechnisch untersucht. Vielleicht haben die Diebe einen Fingerabdruck hinterlassen, so die Hoffnung der Ermittler.

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