erweiterte Suche
Mittwoch, 30.05.2012

Wirbel um angeblichen Kontakt Zschäpes zu Innenministerium

Dresden. Zeitungsberichte über angebliche Kontakte der Neonazi-Terroristin Beate Zschäpe zum sächsischen Innenministerium haben am Mittwoch für Wirbel gesorgt. Das Ministerium wies das umgehend zurück und begründete die vermeintliche Kontaktaufnahme mit den Ermittlungen. Als am 4. November 2011 das Wohnhaus der Zwickauer Terrorzelle explodierte, habe die Kriminalpolizei auch Anwohner befragt.

„Eine Nachbarin gab den Beamten die Handynummer der Bewohnerin, von der damals noch niemand den richtigen Namen Beate Zschäpe kannte“, sagte Ministeriumssprecher Frank Wend auf Nachfrage. Daraufhin hätten die Beamten mehrfach versucht, die unbekannte Frau anzurufen. „Ein Kontakt mit der Wohnungsinhaberin kam jedoch nicht zustande. Es ist üblich, dass Diensthandys der Polizei auf das Ministerium zugelassen sind.“

Die Zwickauer Polizei war am 4. November 2011 um 15.10 Uhr zum Einsatz in die Frühlingsstraße 26 gerufen worden. Dort hatten die Neonazis aus Jena - Uwe Böhnhardt, Uwe Mundlos und Beate Zschäpe - jahrelang unerkannt gelebt. Dem Trio, das sich Nationalsozialistischer Untergrund (NSU) nannte, werden eine beispiellose Mordserie und weitere Straftaten vorgeworfen. Neun Menschen mit ausländischen Wurzeln und eine deutsche Polizistin starben. Böhnhardt und Mundlos nahmen sich am 4. November nach einem Banküberfall in Eisenach das Leben. Zschäpe soll die Explosion in Zwickau ausgelöst haben.

Eine Funkzellenabfrage für den 4. November 2011 hatte den Telefonverkehr von Zschäpes Handy und dort eingehende Anrufe erfasst. Ab 16.32 Uhr sind zahlreiche Anrufe registriert, die von Funktelefonen der Polizei erfolgten. Mutmaßungen, wonach es bereits 12.11 Uhr einen Kontaktaufnahme der Polizei zu Zschäpe gegeben haben soll, dementierte das Ministerium. Nach Lage der Dinge hatte Zschäpe zu diesem Zeitpunkt vielmehr ihre eigene Mobilbox abhören wollen.

Dass die Rufnummer zu Beate Zschäpe gehört, sei der Polizei vor dem Brand in Zwickau nicht bekanntgewesen, sondern erst danach ermittelt worden, sagte Ministeriumssprecher Wend: „Zu diesem Zeitpunkt war der Gesamtzusammenhang NSU noch niemandem in den sächsischen Sicherheitsbehörden bekannt“, sagte der Sprecher.

Nach einer ersten Lektüre der Medienberichte hatte die Grünen- Bundesvorsitzende Claudia Roth von den sächsischen Behörden rasche Aufklärung verlangt. Die neuen Erkenntnisse über eine mögliche Verstrickung der sächsischen Behörden mit dem rechten Terrortrio würden „an den Grundfesten der dortigen Sicherheitsstruktur“ rütteln, erklärte Roth. Dem Verdacht, dass Zschäpe möglicherweise als V-Person für den sächsischen Verfassungsschutz gearbeitet haben könnte, müsse entschieden nachgegangen werden. (dpa)