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Donnerstag, 17.05.2018

Wie Robert K. an seine Waffe kam

In der Königsbrücker Heide schießt der mutmaßliche Mörder einer Dresdner Rentnerin mit einem Revolver auf Polizisten. In seinem Schützenverein stellt man sich jetzt Fragen.

Von Tobias Wolf, Ulrich Wolf und Andrea Schawe

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Uwe Steffen, Chef des Vereins „Privilegierte Scheibenschützengesellschaft zu Dresden“, fühlt sich hintergangen.
Uwe Steffen, Chef des Vereins „Privilegierte Scheibenschützengesellschaft zu Dresden“, fühlt sich hintergangen.

© Robert Michael

  • Uwe Steffen, Chef des Vereins „Privilegierte Scheibenschützengesellschaft zu Dresden“, fühlt sich hintergangen.
    Uwe Steffen, Chef des Vereins „Privilegierte Scheibenschützengesellschaft zu Dresden“, fühlt sich hintergangen.
  • Mit einem Revolver Typ Smith & Wesson 357 Magnum hatte Robert K. auf Polizisten und später sich selbst in den Kopf geschossen.
    Mit einem Revolver Typ Smith & Wesson 357 Magnum hatte Robert K. auf Polizisten und später sich selbst in den Kopf geschossen.
  • In der Waffenkammer des Schützenvereins stehen die Waffenkoffer.
    In der Waffenkammer des Schützenvereins stehen die Waffenkoffer.

Im Fall des mutmaßlichen Mörders einer Dresdner Rentnerin gibt es neue Hinweise zur Herkunft seiner Schusswaffe. Um an sie zu kommen, hat der 33-jährige Robert K. seine Schützenbrüder betrogen. Mit dem Revolver Typ Smith & Wesson 357 Magnum hatte er am Montagabend in der Königsbrücker Heide auf Polizisten und später sich selbst in den Kopf geschossen. Die Suche nach ihm hatte einen Großeinsatz der Polizei mit Spezialkommandos ausgelöst.

Am vergangenen Freitag sei K. ganz normal zum Training erschienen, sagt Uwe Steffen, Chef des Vereins „Privilegierte Scheibenschützengesellschaft zu Dresden“. K. habe nicht erwähnt, dass er die Nacht davor in Polizeigewahrsam verbracht hatte und seine Waffen konfisziert waren, weil er betrunken randaliert hatte. Wäre das bekannt gewesen, hätte er keinen Revolver für das Training erhalten, so Steffen. Normalerweise erhalte der Verein Hinweise, wenn eines seiner Mitglieder auffällig war. K. habe alle Abläufe innerhalb des Vereins und auch die Prozedur in der Waffenkammer gekannt - weil er oft selbst dort Dienst tat.

Statt des Revolvers packte er nach dem Training ein Werkzeug in den Waffenkoffer und stellte ihn wohl selbst zurück ins Regal der stark gesicherten Räume. Danach trank er noch ein Bier mit Sportfreunden, bevor er nach Hause ging und einen Brief verfasste, in dem er Taten gegen Nachbarn und Polizisten ankündigte. „Er hat seine Vertrauensstellung ausgenutzt“, sagt Uwe Steffen. Die Waffenkammer sei mit Spezialschlössern und Alarmanlage gesichert und nur zu bestimmten Zeiten offen. Entdeckt wurde das Fehlen des Revolvers am Samstag – nachdem K. seine 75-jährige Nachbarin erstochen hatte. Offenbar war alles – vom Waffendiebstahl bis zum Suizid – minutiös von Robert K. geplant. Vereinskameraden vermuten, der ehemalige Soldat wollte einen Showdown, weil er sich durch die Polizei gedemütigt fühlte.

K., der aus Königsbrück stammt, war nach der Bluttat an der Seniorin in die Kleinstadt geflohen und hatte sich auf dem Areal eines früheren russischen Truppenübungsplatzes versteckt. Als ihn die Polizei mit Sondereinsatzkommandos dort aufspürte, verschanzte er sich für 20 Stunden in der Ruine eines ehemaligen Kommandanturgebäudes und schoss gezielt auf Polizisten. Ein Beamter und ein Diensthund der GSG9 wurden durch Schüsse von K. verletzt. Der Polizist sei laut sächsischem Innenministerium auf dem Weg der Besserung, ob der Hund überleben wird, ist derzeit noch unklar.




Vor seinem Suizid im Dachboden der Ruine wurde Robert K. offenbar von Polizeikugeln getroffen. Nach Angaben der Bild-Zeitung hatte Robert K. zwei Einschüsse in einem Bein. In der offiziellen Pressemitteilung der zuständigen Staatsanwaltschaft Görlitz zum vorläufigen Obduktionsergebnis des 33-Jährigen ist davon aber nichts zu finden. Es heißt lediglich, der Tatverdächtige habe sich das Leben genommen. „Er soll sich mit einem Revolver in den Kopf geschossen und sich dabei die tödlichen Verletzungen zugefügt haben“, schreibt Behördensprecher Til Neumann.

Weitere Schussverletzungen wollte Neumann der Sächsischen Zeitung weder bestätigen noch dementieren. Er verweigerte die Auskunft. „Die Veröffentlichung weiterer Informationen ist angesichts der Tatsache, dass bereits umfangreich Pressearbeit geleistet wurde, im gegenwärtigen Zeitpunkt nicht angezeigt“, teilte Neumann mit. Der derzeitige Ermittlungsstand sei „vorläufig abschließend mitgeteilt“ worden, es sei nun das endgültige Ergebnis der Obduktion abzuwarten. Der Bild-Zeitung hatte der Staatsanwalt noch gesagt, bei dem Verstorbenen seien Verletzungen festgestellt worden, „die einen Schusswechsel mit der Polizei bestätigen“. Sie seien „nach derzeitigem Stand“ aber nicht die Todesursache gewesen.

Der Fall Robert K. hat auch die Diskussion um eine bessere Ausrüstung der sächsischen Polizei zurück in die Öffentlichkeit geholt. Innenminister Roland Wöller (CDU) verteidigte am Donnerstag das Vorhaben, zwei Panzerwagen des Typs „Survivor R“ mit Maschinengewehren auszustatten. Die Anti-Terror-Fahrzeuge der sächsischen Polizei sind seit Dezember im Einsatz und verfügen bereits jetzt über modernste Videotechnik und können Reiz- sowie Nebelgas verschießen. „Wir haben uns auf gewisse Lagen einzustellen“, sagt Wöller.

Im Fall von Robert K. sei es gut gewesen, dass der mit Waffen und Munition ausgestattete Schütze sich in einem Kasernengelände aufgehalten habe. „Stellen Sie sich vor, das würde in einer geschlossenen Wohnbebauung der Fall sein, es wäre nicht nur ein Täter sondern zwei und sie hätten halbautomatische Waffen“, so Wöller. „Dem müssen wir etwas entgegen setzen.“ Dafür müssten die Polizeibeamten mit gepanzerten Fahrzeugen geschützt und mit entsprechenden Waffen ausgestattet werden. Robert K. hatte während des SEK-Großeinsatzes auf einen „Survivor R“ geschossen, dessen Glasscheiben den Kugeln aber standhielten. Auch zwei weitere gepanzerte Autos trafen Kugeln aus K.s Revolver. Die Projektile durchschlugen jedoch nur die Blechhaut der schweren Toyota-Geländewagen.

Leser-Kommentare

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Insgesamt 21 Kommentare

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  1. PS

    "Er hat seine Vertrauensstellung ausgenutzt". Na so was aber auch - ein Verbrecher verhält sich nicht gesetzeskonform, wer hätte das gedacht? / "mit Spezialschlössern und Alarmanlage gesichert" - Und wer hat die Schlüssel? - Evt. auch Typen wie K. "Normalerweise erhalte der Verein Hinweise, wenn eines seiner Mitglieder auffällig war" - und wie schnell, bitte? Hier muss der Datenschutz zurückstehen: Dass ein Bürger Mitglied im Schützenverein ist, muss den Polizisten gleich bei der Abfrage seiner Daten zugänglich sein - dann hätten sie zuerst den Schützenverein informiert und ihn erst dann rausgelassen, evt. auch erst nach weiteren Vorsichtsmaßnahmen ... / Die Aufbewahrung privater Waffen muss dringend zu einer hoheitlichen Staatsaufgabe gemacht werden, ausschließlich durch die Polizei durchzuführen und gegen kostendeckende Gebühren.

  2. MF

    Vielleicht sollten Bundeswehrsoldaten nach Kriegseinsetzen psychologisch behandelt werden. Die zurückgezogene Lebensweise und verschiedene, teils aggressive Verhaltensweisen lassen mich vermuten, dass er unter einer Posttraumatischen Belastungsstörung litt.

  3. Flo

    " „Stellen Sie sich vor, das würde in einer geschlossenen Wohnbebauung der Fall sein, es wäre nicht nur ein Täter sondern zwei und sie hätten halbautomatische Waffen“ [...] Dafür müssten die Polizeibeamten mit gepanzerten Fahrzeugen geschützt und mit entsprechenden Waffen ausgestattet werden." Man will also den Survivor mit Maschinengewehr ausrüsten, um für den Fall ausgestattet zu sein, dass sich jemand im Wohngebiet verschanzt. Im Wohngebiet ist ein fahrzeuggebundenes Maschinengewehr mMn nicht die Waffe der Wahl...

  4. Mike

    Hallo und guten Tag, die Magnum ist eine sehr beliebte Waffe unter privaten Schützen , bei den Bundeswehr Schießübungen hatten Soldaten diese privaten Waffen auch schon mit auf dem Übungsplatz mit um sie rumzuzeigen Bedenklich

  5. HP

    Da schimpft der Vorsitzende des Schützenevereins auf die Polizei, weil diese nicht gesagt hat, dass ein Mitglied einen Tag im Gewahrsam saß und die Waffen in Verwahrung genommen worden sind. Ursächlich für diese Tat(Diebstahl der Waffe war doch nur möglich) weil der Verein seine Sorgfaltspflichten im Umgang und Verwahrung der Waffe, gröblichst verletzt hat. Da führt kein Weg dran vorbei. Aber so versucht mann die Verantwortung von sich zu schieben. Die zuständige Behörde sollte den Verein mal genauer unter Kontrolle stellen und nach der Zuverlässigkeit der Verantwortlichen fragen. Die Staatsanwaltschaft wird das noch würdigen müssen. Da bin ich mir ziemlich sicher. Dieser Fall erinnert mich an einem Vorfall in Erfurt. Da hat ein Vater seine Waffe nicht ordnungsgemäß verwahrt und nur so war diese schreckliche Tat erst möglich geworden. Die Opposition ruft schon nach schärferen Waffengesetzen, nur bringt das kein "Mehr" an Sicherheit.

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