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Mittwoch, 01.11.2017

Wer schießt den Wolf ab?

Der Freistaat hat den Abschuss eines Tiers des Rosenthaler Rudels erlaubt. Nun ist das Landratsamt am Zug. Doch die Behörde hüllt sich in Schweigen. Offenbar aus gutem Grund.

Von Sebastian Kositz

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Wie weiter mit den Wölfen? Für ein Tier des Rosenthaler Rudels gibt es inzwischen eine Abschussgenehmigung.
Wie weiter mit den Wölfen? Für ein Tier des Rosenthaler Rudels gibt es inzwischen eine Abschussgenehmigung.

© Symbolfoto: dpa

Bautzen. Lange hat die Bautzener Kreisverwaltung in Dresden auf die Abschusserlaubnis für einen Wolf des Rosenthaler Problemrudels gedrängt – nach dem jüngsten Angriff auf eine Herde bei Ralbitz liegt diese jetzt auf dem Tisch. Doch wie das vonstatten gehen soll, dazu gibt sich die Kreisverwaltung in Bautzen auffällig zugeknöpft. Und das hat offenkundig einen guten Grund. Denn die Debatte um den Wolf wird längst nicht mehr nur mit Argumenten geführt, wie Landrat Michael Harig (CDU) jetzt beklagt. Demnach würden die Verantwortlichen inzwischen sogar mit Gewalt bedroht.

Nach monatelangem Gezerre hatte das Umweltministerium in Dresden am Freitag grünes Licht für die Entnahme eines Wolfes aus dem sogenannten Rosenthaler Problemrudel erteilt. Vorausgegangenen waren dem mehrere Angriffe auf Schafsherden, hinter denen offenbar das Rosenthaler Rudel steckt. Dutzende Schafsrisse gehen demnach bereits aufs Konto des Rudels, inzwischen lassen sich die intelligenten Tiere auch nicht mehr von hohen Elektrozäunen und Flatterbändern abschrecken.

Die Genehmigung ist allerdings an eine ganze Reihe von Auflagen geknüpft. Sie gilt nur für einen Wolf, und der muss mehr oder weniger auch gerade im Begriff sein, eine Herde anzugreifen. Der Abschuss während eines Angriffs soll für den Rest des Rudels vor allem eine abschreckende Wirkung haben. Und die Genehmigung gilt nur für Personen, die vom Landratsamt damit beauftragt wurden. Diese Beauftragung, so heißt es aus dem Landratsamt, wird „als Nächstes“ erfolgen. Sehr viel konkreter wollten sich die Verantwortlichen der Kreisverwaltung dazu nicht äußern.

Miteinander angemahnt

Bereits Anfang des Jahres hatten die Behörden in Dresden eine Abschusserlaubnis für den Wolf Pumpak erteilt. Das Görlitzer Landratsamt hatte zuvor überzeugend dargelegt, dass dieser Wolf für Menschen eine Gefahr darstellen kann. Geschossen wurde Pumpak aber nicht. Er war seitdem untergetaucht. Die Jägerschaft in der Region hatte seinerzeit übrigens deutlich gemacht, dass sie ohnehin nicht auf den Wolf schießen wollen – aus Angst vor Repressalien von Wolfsbefürwortern. Schon damals war es schwierig, jemanden zu finden, der sich einem möglichen Abschuss annimmt.

Möglicherweise ist das jetzt auch der Grund für die spürbare Zurückhaltung bei der nach außen hin gerichteten Kommunikation des Bautzener Landratsamts. Erst in einer persönlichen Stellungnahme spricht Bautzens Landrat Michael Harig (CDU) explizit die nach seinen Worten „teilweise militanten“ Reaktionen der organisierten Umweltschützer an. Es werde „zur Gewalt gegen verantwortliche Personen und Tierhalter aufgerufen. All das zeigt, wie vergiftet die Diskussion mittlerweile leider ist. Scheinbar gebe es nur schwarz oder weiß – dafür oder dagegen“, erklärt der Landrat.

Der Kriminalisierung der Nutztierhalter und Jäger müsse Einhalt geboten werden. „Der Wolf ist weder vom Aussterben bedroht noch sonst gefährdet“, erklärt Michael Harig. Der Politiker mahnt zu einem Miteinander zwischen Artenschutz und Nutztierhaltung: „Die Gesellschaft in unserer Kulturlandschaft muss sich entscheiden: Für eine unkontrollierte Ausbreitung eines Großraubtieres – und gegen eine traditionelle- und ökologische Landbewirtschaftung – oder aber für einen vernünftigen Mittelweg und einen Interessenausgleich zwischen allen Beteiligten.“

Leser-Kommentare

Insgesamt 1 Kommentar

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  1. Thomas Rosenberg

    Da kann der Herr Landrat ja mal darüber nachdenken, welchen Anteil er selbst an der "vergifteten" Diskussion hat.

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