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Montag, 07.08.2017

Weniger sächsische Schüler ohne Abschluss

Mehr als 90 Prozent besuchen erfolgreich eine weiterführende Schule. Doch im Vergleich schneidet der Freistaat schlecht ab.

Von Andrea Schawe

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In den sächsischen Großstädten gibt es die meisten Schüler ohne Abschluss.
In den sächsischen Großstädten gibt es die meisten Schüler ohne Abschluss.

© dpa

Dresden. Die Zahl der Schulabgänger in Sachsen, die keinen Abschluss haben, sinkt. Das geht aus einer Bildungsstudie des Wohlfahrtsverbands Caritas hervor. Der Anteil der Schüler, die nicht mindestens einen Hauptschulabschluss haben, lag 2015 bei 7,6 Prozent. Das sind etwa 2 300 Jugendliche. 2009 war der Anteil mit 11,1 Prozent noch deutlich höher. Etwa die Hälfte der Schüler in Sachsen verließen 2015 mit einem Realschulabschluss die Schule, knapp ein Drittel mit dem Abitur und zehn Prozent mit einem Hauptschulabschluss oder auch qualifizierenden Hauptschulabschluss.

Sachsen belegt bundesweit den viertschlechtesten Platz. In Berlin und Mecklenburg-Vorpommern ist der Anteil der Schulabgänger ohne Abschluss noch höher. Spitzenreiter ist Sachsen-Anhalt mit 9,9 Prozent. Die wenigsten Schulabgänger ohne Abschluss gibt es in Hessen mit 4,6 Prozent.Deutschlandweit verließ jeder 17. Jugendliche die Schule nach Beendigung ihrer Vollzeitschulpflicht ohne Abschluss.

In den sächsischen Großstädten gibt es die meisten Schüler ohne Abschluss. Vorn liegt Leipzig mit 10,1 Prozent, gefolgt von Chemnitz mit 9,3 Prozent. In Dresden liegt die Quote der jungen Menschen ohne Schulabschluss mit 6,8 Prozent deutlich darunter. Auch in einigen Landkreisen verlässt etwa jeder Zehnte die Schule ohne qualifizierten Abschluss. Im Landkreis Mittelsachsen sind es 8,8 Prozent der Schüler, für die Landkreise Sächsische Schweiz/Osterzgebirge und Görlitz liegt der Anteil bei 8,4 Prozent. Die wenigsten Schüler ohne Abschluss besuchten Schulen im Landkreis Meißen.

Die positive Entwicklung in Sachsen dürfe kein Grund zur Entwarnung sein, sagt Matthias Mitzscherlich, Direktor des Caritasverbands in Dresden. Für die jungen Menschen ohne Schulabschluss bedeutet das „keine Berufsausbildung, keine Chancen auf dem Arbeitsmarkt und somit keine Zukunftsperspektiven“, so Mitzscherlich. Vor allem lernschwache Schüler müssten gezielt gefördert und möglicherweise stärker sozialpädagogisch betreut werden. „Armutsbiografien werden sehr oft vererbt. Betroffene Jugendliche brauchen deshalb Unterstützung.“ Verstärkt werden müsse besonders die Schulsozialarbeit, um Probleme früh zu erkennen und abzustellen. „Das ist eine Aufgabe aller Akteure in der Bildung“, so Mitzscherlich. „Jeder junge Mensch muss seine Chance bekommen.“

Auch der Anfang März vorgestellte „Chancenspiegel 2017“ der Bertelsmann-Stiftung hatte die hohe Schulabbrecherquote hervorgehoben – vor allem bei Jugendlichen mit ausländischem Pass oder Migrationshintergrund. Für sie sei das Risiko eines Abbruchs ohne Hauptschulabschluss mehr als doppelt so hoch wie für deutsche Mitschüler. (mit dpa)

Leser-Kommentare

Insgesamt 5 Kommentare

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  1. RU

    In einer Gesellschaft, in der sich die Regierungen und manche Parteien ständig mit den allerbesten Menschenrechten brüsten, dürfte es eigentlich überhaupt keine Schulabbrecher und auch keine Arbeitslosen geben.

  2. Volker W.

    Wenn die Überschrift lautet "Weniger sächsische Schüler ohne Abschluss", heißt dies, dass es mehr "Intelligenzbolzen" gibt? Bitte nicht falsch verstehen, aber diese Beweihräucherung des sächsischen Bildungssystems wirkt langsam, wie soll man es ausdrücken, einfach lächerlich.

  3. Ursache?

    Leider ist dem Artikel keine Ursache für die Entwicklung entnehmbar. Wurde die Statistik "umgestellt"? Haben sich die Anforderungen geändert? Gibt es vielleicht tatsächlich ein paar Maßnahmen, die einen Teil der "Problemfälle" rechtzeigtig auffangen? Oder war 2009 nur ein negatives "Ausreiserjahr" und wird jetzt in der alljährlichen Statistik zur eigenen Beweihräucherung als Vergleichsgrundlage genommen? Unabhängig davon sind 7% ohne irhgendeinen Schulabschluss immer noch extrem viel. Ich hätte hier eine Quote von 2-3% erwartet.

  4. Die Biene

    Unser sächsisches Bildungssystem verzichtet ja auf die separate Hauptschule. Für manche ist dies sicher ein Segen, eine Stigmatisierung von Hauptschülern ist damit zumindest eingeschränkt. Allerdings nimmt die Oberschule meines Erachtens zu wenig Rücksicht auf Schüler mit stärker ausgeprägten Lernschwächen. Hier wäre es besser, verschiedene Grundlagen immer wieder zu wiederholen, so dass am Ende wenigstens das Wissen und das Sprachverständnis eines soliden Sechstklässlers sitzt. Dies ist allemal besser, als die Leute durch die Klassen zu schleifen und sich dann zu wundern, dass nicht mal elementare Dinge beherrscht werden.

  5. Hinterfragen

    Zitat Caritas: "In unserer Studie konzentrieren wir uns auf diejenigen Schülerinnen und Schüler, die das allgemeinbildende Schulsystem verlassen, ohne zumindest über einen Hauptschulabschluss zu verfügen." Damit ist klar, dass alle anderen Schüler, die vorher in Förderschulen ausgesondert wurden, aus dieser Rechnung heraus fallen. Wie heißt es so bedeutungsschwer: Glaube nie einer Statistik, die du nicht selbst geschönt hast...

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