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Samstag, 06.02.2016

Weniger Pegida-Teilnehmer als erwartet

Mit einem „internationalen Aktionstag“ will sich Pegida als europaweite Bewegung zeigen. Außer Abschottung hat sie nicht viel zu bieten. Und auch die Technik macht Probleme.

Blick auf die Pegida-Kundgebung am Königsufer.
Blick auf die Pegida-Kundgebung am Königsufer.

© Robert Michael

Dresden. Deutlich weniger Anhänger von Pegida als erwartet haben in Dresden und weiteren europäischen Städten gegen die Aufnahme von Flüchtlingen demonstriert. An der zentralen Veranstaltung in Dresden nahmen am Samstag nach Angaben der Forschungsgruppe „Durchgezählt“ rund 8 000 Menschen teil. SZ-Reporter vor Ort schätzen allerdings mehr Teilnehmer.

Erste Fotos vom Demo-Samstag

Pegida am Königsufer

Proteste gegen Pegida

Wie bei vergangenen Demonstrationen auch gab es immer wieder „Merkel muss weg“-Rufe. Da Pegida-Mitbegründer Lutz Bachmann wegen Krankheit ausfiel, übernahm Siegfried Däbritz vom Organisationsteam die Moderation. Die groß angekündigten Liveschaltungen zu Kundgebungen nach Bratislava und Prag kamen wegen technischer Probleme nicht zustande. Stattdessen gab es Einspielfilme rechter Bündnisse aus Ungarn, der Slowakei und Estland. Den Part für die Niederlande übernahm Pegida-Dauergast Edwin Wagensveld, der allerdings in Franken lebt. Die Beiträge aus der Slowakei und Estland wurden offenbar von vielen Teilnehmern nicht verstanden, da die Redner Englisch sprachen. Entsprechend verhalten war dann auch der Beifall der vielfach zugereisten Pegida-Teilnehmer.

Schon seit dem Vormittag hatte es in Dresden zahlreiche Gegendemonstrationen gegeben. Aufgerufen hatten Glaubensgemeinschaften, Bündnisse, Parteien und Gewerkschaften. Mehrere Tausend Menschen folgten dem Aufruf, die meisten bei der zentralen Kundgebung auf dem Theaterplatz. „Durchgezählt“ sprach hier von Teilnehmerzahlen zwischen 2 500 und 3 500.

Pegida-Anhänger verletzt

Die Polizei war mit 1930 Beamten im Einsatz. Zu einem Zwischenfall kam es Polizeiangaben zufolge gegen 14.00 Uhr am Bahnhof in Priestewitz (nahe Großenhain). Dort wurde ein Mann, der auf dem Weg zur Pegida-Veranstaltung war, von Unbekannten unter anderem mit einem Teleskopschlagstock angegriffen. Der 35-Jährige erlitt schwere Verletzungen und musste in ein Krankenhaus gebracht werden.

Außerdem beschädigten Unbekannte kurz nach 16.00 Uhr einen Funkstreifenwagen auf der Louisenstraße in Dresden. Die Beamten nahmen zu diesem Zeitpunkt einen Einbruch in der Nähe auf.

Aktionstage waren auch in anderen Ländern geplant - mit durchwachsenem Zuspruch. In Prag versammelten sich rund 5 000 Islamgegner vor der Burg, in Warschau kamen hingegen nur einige Hundert Teilnehmer, darunter Skinheads und militante Fußballfans, um dort Pegida-Frontfrau Tatjana Festerling zuzuhören. Im australischen Canberra gingen etwa 400 auf die Straße, aus England, Frankreich, Lettland und der Slowakei wurden ebenfalls nur wenige Hundert Teilnehmer gemeldet. (szo mit dpa)