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Freitag, 13.10.2017

Weiterer AfD-Mann geht

Der personelle Aderlass bei der AfD in Sachsen hält an. Derweil will Frauke Petrys „Blaue Wende“ eine Art Sammelbecken für gemäßigte Wutbürger sein. Ein früherer Mitstreiter räumt ihr keine Chancen ein.

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Gunter Wild ist aus der AfD ausgetreten.
Gunter Wild ist aus der AfD ausgetreten.

© dpa

Dresden. Die AfD-Fraktion im Landtag schrumpft weiter. In einer persönlichen Erklärung gab am Freitag der Vogtländer Gunter Wild seinen Austritt bekannt. Die AfD aus den Gründungszeiten habe „leider nur noch sehr wenige Gemeinsamkeiten mit der AfD von heute“, schrieb der 59-Jährige in einer persönlichen Erklärung, über die am Freitag die Chemnitzer „Freie Presse“ (Online) berichtete. Die AfD ziehe mittlerweile Personen an, die das politische System der freiheitlich-demokratischen Grundordnung komplett stürzen wollten, so Wild. Nach dem Ausscheiden von Ex-Parteichefin Frauke Petry habe der rechte Flügel der Partei freie Fahrt.

Auch die sächsische AfD-Fraktion sieht Wild kritisch. Abgeordnete wendeten sich von der parlamentarischen Arbeit ab, um ihr „persönliches Ego zu pflegen und handeln, um anderen zu schaden, anstatt der Gemeinschaft zu nutzen“. Wild kündigte an, künftig die fraktionslosen Abgeordneten um Petry zu unterstützen. In der AfD will er zunächst bleiben. Einen späteren Austritt schloss er aber in der „Freien Presse“ nicht aus.

Neben Petry und Wild haben auch der frühere AfD-Generalsekretär Uwe Wurlitzer und die Abgeordneten Kirsten Muster und Andrea Kersten der Fraktion den Rücken gekehrt. Von vormals 14 AfD-Parlamentariern sind damit noch neun übrig. Eine Fraktion muss mindestens sieben Abgeordnete haben.

Petry gab unterdessen die Gründung der „Blauen Partei“ und eines Bürgerforums „Blaue Wende“ bekannt. „Blau steht für konservative, aber auch freiheitliche Politik in Deutschland und in Europa“, hatte Petry dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) gesagt.

AfD-Gründer Bernd Lucke hielt das Projekt am Freitag für „völlig verkorkst“. „Petry hat sich inhaltlich von keiner einzigen AfD-Position abgegrenzt“, sagte ihr früherer Mitstreiter dem RND. „Mich würde es sehr wundern, wenn ihr viele Wähler glauben, dass ausgerechnet sie plötzlich eine gemäßigte Realpolitikerin sein will.“ Petrys Rechtskurs war der Grund, weshalb Lucke die AfD verlassen hatte.

Sachsens CDU-Generalsekretär Michael Kretschmer warf Petry ein falsches Spiel vor, weil sie am Tag nach ihrer Wahl in den Bundestag ihren Verzicht auf eine Mitarbeit in der Fraktion erklärte. „Man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, dass es ihr bei der Bundestagswahl in erster Linie um das Mandat und die damit verbundenen finanziellen Vorteile ging“, sagte er am Freitag.

„Frauke Petry spricht von einem konservativen Politikangebot, dass ihre neue Bewegung bieten soll. Konservativ sein ist aber in erster Linie mit Tugenden wie Ehrlichkeit, Geradlinigkeit und Verlässlichkeit verbunden. Unehrlichkeit und Wankelmut hingegen sind keine Zeichen von klarer Linie und Prinzipienfestigkeit, sondern ein deutliches Anzeichen für Beliebigkeit“, betonte der CDU-Politiker. (dpa)

Leser-Kommentare

Insgesamt 5 Kommentare

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  1. Berg

    Wunderbar. Die AfD liefert im sächsischen Landtag ein Beispiel ab, wie Politikamateure mit dem Wählerwillen umgehen. Erst lockt man mit diversen "Alternativen", die sowieso nur im Regierungsfalle ausprobiert werden könnten. Dann ist das bloße Opponieren doch zu tröge und man verzettelt sich weiter in ideologischem Theoriestreit, um sich am Ende sogar den Fraktionsnumbus zu verscherzen. Weiter so! Vielleicht öffnet dieses Theater den Wählern die Augen, was für eine Truppe sie da ins Rennen geschickt hatten,.

  2. Aufschneidertum!

    Ehrlich gesagt finde ich die Aussteiger nur feige. Sie wußten von vornherein auf was sie sich einlassen. Die Diäten der Parlamentarier kommen einem Lottogewinn gleich mit dem Unterschied, dass man wirklich etwas bewirken kann. Frauke Petry hat mit dem beklagten Meineid oder "Irrtum" und der bereits vor der Wahl mit initiierten Parteineugründung die "Blauen" die Wähler wahrscheinlich abermals betrogen. Sie hat ihre Parteikandidatur und einen Parteienentwurf zugestimmt, von der sie im Vorfeld wußte, dass sie den Job nicht antreten würde.Ein Vertrag,den man von vornherein nicht zu halten beabsichtigt, ist nichtig(siehe HGB/BGB)! Und was machen die Aussteiger! Auf Gekläff folgt Katzenjammer und Schwanz-einziehen! Wenn Frauke Petry selber ein Mindestmaß an Anstand hätte, würde sie nur ein Diätengehalt beziehen. Ein Lottogewinn reicht! Zumal sie selbst immer betont, dass sie auf diese Gehälter nicht angewiesen sei und sie praxisfernes Berufspolitikertum nicht schätze.

  3. FO

    Jetzt fehlen noch zwei weitere AfD-Abgeordnete, dann gibt es plötzlich zwei Gruppen in Fraktionsstärke im Landtag mit der gleichen politischen Heimat. Preisfrage: welche Abstimmungs- oder Entscheidungsprozesse im sächsischen Landtag benötigen auf Grund der Geschäftsordnung die Unterstützung von mindestens zwei Fraktionen?

  4. Aufschneidertum!

    Man kann nicht Konkurrent oder ideologischer Gegner der AFD sein und gleichzeitig Gehalt und Funktion als AFD-Parteimitglied auf Freistaatebene bekommen. Diese Dreistigkeit ist Dummheit, denn es schadet ihrer eigenen politischen Glaubwürdigkeit. Es ist eine schizophrene Situation. Falls sie ihre wackelige politische Zukunft mehrfach absichern will, sollte sie wenigstens ein Gehalt für wohltätige Zwecke spenden. Das wäre das absolut Mindeste. Fr.Petry & Co und nicht die verbliebenen AFD-Mitglieder haben die Glaubwürdigkeit der Politik beschädigt. Wenn die anderen AFDler sich an ihre Wahlprogramm halten, dann sind sie mir lieber.

  5. Joe

    #3 Mein Tipp wäre eine Diätenerhöhung. Bitte lösen Sie auf. Am besten mit Quelle, dann muss ich in Zukunft nicht mehr fragen. ;)

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