Montag, 24.12.2012

Weihnachten bei den Wettinern

Daniel und Sandra von Sachsen verbringen das Fest zum ersten Mal in ihrem neuen Heim in Friedewald.

Von Ulrike Keller

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Die kleine Bescherung steht heute bevor, die große Mitte Januar: Da erwarten Daniel Prinz und Sandra Prinzessin von Sachsen ihr erstes Kind. Sie feiern Weihnachten in Friedewald. Foto: Thomas Kube
Die kleine Bescherung steht heute bevor, die große Mitte Januar: Da erwarten Daniel Prinz und Sandra Prinzessin von Sachsen ihr erstes Kind. Sie feiern Weihnachten in Friedewald. Foto: Thomas Kube

Prächtig wirkt seine Krone, mächtig sein Stamm. Dieser Baum verträgt keinen Schmuck. Er ist der Schmuck! In Terracotta geprägt, ziert er den neuen Kamin im frisch sanierten Hause Wettin. Wohlige Wärme erfüllt das helle Esszimmer. Der Hausherr legt Holzscheite nach, die Hausherrin schenkt Tee aus. Daniel Prinz von Sachsen, Ururenkel des letzten Sachsen-Königs, und seine Frau Sandra Prinzessin von Sachsen haben die Kaffeetafel gedeckt.

Zum ersten Mal feiert das Paar nicht bei anderen Mitgliedern der Familie. Auch sind keine Flüge nach Kanada oder Florida gebucht. Dieses Fest ist das erste im jüngst bezogenen eigenen Heim in Friedewald. „Der Ort, an dem gefeiert wird, unterliegt bei uns immer einer gewissen Dynamik“, sagt Daniel von Sachsen. In diesem Jahr heißt diese Dynamik „Familienplanung“: Ehefrau Sandra ist hochschwanger, jeden Moment kann der Nachwuchs anklopfen. Dem Paar war für die Weihnachtstage wichtig, das Krankenhaus in der Nähe zu wissen. Um nicht auf Gesellschaft verzichten zu müssen, hat es sich selbst für die Gastgeberrolle entschieden. Ein volles Haus bescheren ihre und seine Eltern sowie ihr Bruder mit Familie und zwei seiner Brüder mit Familie.

Neben der Kaffeetafel streckt Adelsschlappohr Ayck alle Viere von sich. Teller und Tassen sind Stücke des weißen Schwanenservices, das sich das Paar zur Hochzeit vor anderthalb Jahren schenken ließ. In einer Porzellanschale liegt aufgeschnittener Marzipanstollen. Eine kleine Seiffener Pyramide aus Naturholz dreht sich in der Mitte des Tischovals. An der Stirnseite brennen Kerzen in einem schweren Messingleuchter mit Wachsnasen.

Eines der weihnachtlichen Familienerbstücke? „Es gibt keine“, erzählt Daniel von Sachsen. Als seine Vorfahren im Winter 1945 kurzentschlossen aus Moritzburg flohen, konnten sie nur mitnehmen, was ihr DKW an Stauraum zuließ. Weihnachtsdekoration war nicht darunter. Der Schwibbogen im Fenster, der Herrnhuter Stern über dem Couchtisch, die bunte Pyramide auf einer Holzsäule – all das haben sich der Forstwirt und die promovierende Informatikerin von einem Seiffen-Ausflug mitgebracht.

Neben dem Fernseher im Wohnzimmer liegt noch das lederne Hundebett. In wenigen Stunden muss es dem Christbaum weichen. Denn in der Mittagszeit „sattelt“ Daniel von Sachsen den Jeep und geht mit den männlichen Gästen eine Fichte im eigenen Wald „klauen“. So zelebriert er es seit vielen Jahren. Beim Schmücken helfen immer die Kinder mit.

Der werdende Vater verdingt sich liebend gern in der Küche. „Er kocht mehr und besser“, verrät Ehefrau Sandra. Im Gegensatz zu ihr könne er sich beim Kochen entspannen. Nach dem ausgedehnten – nicht allzu frühen – Frühstück bereitet er am Nachmittag nur einen kleinen Imbiss zu. Heute Abend serviert Daniel von Sachsen dann zunächst Fasanenbrüstchen, später Fondue. „Das Rezept wächst im Kopf, nicht im Buch“, sagt er. „Gekostet wird erst ganz zum Schluss.“

Auf dem Kamin blitzt ein silbernes Glöckchen mit Hirschkopf. Der Prinz hat es gekauft, um damit die kleinen Gäste zu Tisch zu läuten – oder auch zur Bescherung. Diesen Programmpunkt planen die Gastgeber noch vor dem Abendessen. Jede Familie hat einen Wunschzettel geschrieben. Sandra und Daniel von Sachsen listeten ausschließlich Baby-Dinge auf: „Wir haben Themen vergeben wie ,Baby waschen‘ und ,Baby-Grundversorgung‘!“

Leser-Kommentare

Insgesamt 1 Kommentar

  1. Dr. Günter Voigt

    Die Wettiner sollten wir einfach vergessen. Ich war vor Jahren noch andere Meinung. Oft hat mich Maria Emanuel von Sachsen aus der Schweiz angerufen. Seit der Rückforderungsgeschichte ist das von mir einfach abgebrochen worden. Ich habe als Ostler die 4 Häuser meiner Vorfahren nicht zurück bekommen - ist ja auch gut so. Weshalb ist das aber bei allen Westlern anders? Zurückbekommen, das wäre akzeptabel - es aber gleich weiterverscherbeln - da fehlt mir jede Spur von Verständnis. Weshalb werden sie in in welcher Form auch immer Form hofiert? Die Zeit der Wettiner ist abgelaufen; nicht 1918, nicht bei den Kommunisten, nein, erst nach der Wende!

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