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Mittwoch, 10.02.2016

Was passierte vor dem Angriff?

Die brutale Attacke gegen zwei Fußballer des SV Frauenhain durch 20 Unbekannte schlägt weiter Wellen. Zeugen sprechen von Provokation.

Von Eric Weser

Abends ist die Asylunterkunft in Gröditz meistens hell erleuchtet. Im Umfeld des Gebäudekomplexes hatte es in der Nacht zu Sonntag einen brutalen Zwischenfall gegeben.
Abends ist die Asylunterkunft in Gröditz meistens hell erleuchtet. Im Umfeld des Gebäudekomplexes hatte es in der Nacht zu Sonntag einen brutalen Zwischenfall gegeben.

© Eric Weser

Gröditz. Der Angriff gegen zwei Fußballer des SV Frauenhain am frühen Sonntagmorgen in Gröditz erregt die Gemüter. Noch immer gibt es viele Fragezeichen rund um den Vorfall – vor allem, was sich vor dem Übergriff abspielte. Anwohner aus einer benachbarten Straße berichten, sie hätten lautes Gepöbel gehört.

„Gegen 3 Uhr standen junge Männer und Frauen im Innenhof und brüllten lautstark rum“, berichtet einer. Es sollen ausländerfeindliche Parolen und Schimpfworte in Richtung der Unterkunft krakeelt worden sein. „Sie provozierten damit die Asylbewerber“, so der Anwohner. Mehrere Flüchtlinge seien daraufhin auf den Balkon getreten. – Gegen 3.45 Uhr soll es dann auf dem Parkplatz eines Lebensmittelmarktes an der Hauptstraße zum Angriff von etwa 20 Unbekannten auf die beiden Fußballer gekommen sein.

Die beiden Opfer hatten nach Polizeiangaben zwei Promille Alkohol im Blut. Der Bild-Zeitung sagten beide, sie hätten sich am Sonntag auf dem Heimweg von der Feier nach einem Fußballturnier befunden. Dabei hätten sie „am Asylantenheim vorbei“ gemusst, wo sie von Ausländern angepöbelt und dann grundlos verprügelt worden seien.

Verbale Anfeindungen

Die Polizei ist derzeit dabei, die Umstände des Geschehens aufzuklären. Sprecher Thomas Geithner erklärte, dass bisher noch keine konkreten Tatverdächtigen ermittelt und vernommen wurden. Momentan versuchen die Beamten, die Vorgeschichte der Tat zu erhellen und Zeugen zu finden. Denn: Einen Ausbruch von Gewalt hat es nach Ansicht der Polizei bisher rund um die Gröditzer Asylunterkunft nicht gegeben, so Sprecher Thomas Geithner. „Es ist für uns schwer vorstellbar, dass so etwas aus dem Nichts kommt.“

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Auf das Leben in der Gröditzer Asylunterkunft hat der Vorfall anscheinend keine spürbaren Auswirkungen. Von der Diakonie, die die dort lebenden mehr als 200 Flüchtlinge betreut, heißt es, von Angst oder Verunsicherung unter den Bewohnern sei nichts zu spüren. Alles laufe normal. Am Mittwoch sollen jedoch alle Bewohner zusammengenommen und über die Situation gesprochen werden. – Nachbarn der Asylunterkunft berichten unterdessen davon, dass auch am Montag wieder Menschen im Hinterhof des Asyl-Wohnblocks standen und lautstarke Beleidigungen in Richtung der Flüchtlingsquartiere riefen. Anfeindungen habe es indes schon vor dem Wochenende gegeben, heißt es von der Diakonie. „Das ist nichts Neues“, so eine Mitarbeiterin.

Eine Gruppe von 20 Unbekannten soll am Sonntagmorgen die zwei Amateurkicker des SV Frauenhain erst bedrängt und dann mit Eisenstangen geschlagen und derart zugerichtet haben, dass die Opfer schwer verletzt ins Krankenhaus gebracht werden mussten. Augenzeugen wollen Bewohner der Gröditzer Flüchtlingsunterkunft als Täter ausgemacht haben.

Die Kripo ermittelt wegen Körperverletzung. Die beiden 25 und 27 Jahre alten Opfer der Attacke vom Sonntag waren im Krankenhaus behandelt worden. Mittlerweile hat die rechtsextreme NPD den Vorfall zum Anlass genommen, eine Demo in Gröditz anzumelden.