erweiterte Suche
Montag, 14.03.2016

Warum „So geht sächsisch“ weitergeht

Fritz Jaeckel will die Kampagne neu ausrichten – wieder mit einem Millionen-Etat. Doch ist die Image-Initiative wirklich noch zu retten? Sachsens Medienminister im Interview:

26

Bild 1 von 2

Schlussszene aus dem Film „Life is a Dance“, den der Dresdner Videokünstler Sebastian Linda mit der Breakdance-Company „THE SAXONZ“ produziert hat – im Auftrag der Imagekampagne „So geht sächsisch“. Der Film wurde bereits vier Millionen Mal geklickt.
Schlussszene aus dem Film „Life is a Dance“, den der Dresdner Videokünstler Sebastian Linda mit der Breakdance-Company „THE SAXONZ“ produziert hat – im Auftrag der Imagekampagne „So geht sächsisch“. Der Film wurde bereits vier Millionen Mal geklickt.
  • Schlussszene aus dem Film „Life is a Dance“, den der Dresdner Videokünstler Sebastian Linda mit der Breakdance-Company „THE SAXONZ“ produziert hat – im Auftrag der Imagekampagne „So geht sächsisch“. Der Film wurde bereits vier Millionen Mal geklickt.
    Schlussszene aus dem Film „Life is a Dance“, den der Dresdner Videokünstler Sebastian Linda mit der Breakdance-Company „THE SAXONZ“ produziert hat – im Auftrag der Imagekampagne „So geht sächsisch“. Der Film wurde bereits vier Millionen Mal geklickt.
  • Fritz Jaeckel (52) ist seit 2014 Chef der sächsischen Staatskanzlei und dabei unter anderem für Medienpolitik zuständig.
    Fritz Jaeckel (52) ist seit 2014 Chef der sächsischen Staatskanzlei und dabei unter anderem für Medienpolitik zuständig.

Herr Minister, beim Stichwort „So geht sächsisch“ reden wir da jetzt über die Imagekampagne des Freistaates oder über Clausnitz, Heidenau und Freital?

Bei „So geht sächsisch“ steht eine Imagekampagne für das ganze Land im Fokus. Man muss differenzieren zwischen den vielen Ereignissen der vergangenen Wochen – und hier meine ich nicht nur Clausnitz oder Bautzen –, die unserer Außenwahrnehmung geschadet haben. Das spüren wir im Tourismus und in der Wirtschaft. Jeder, der aus Sachsen kommt und Gespräche in der Bundesrepublik führt, wird auf die Geschehnisse hier im Land angesprochen. Bei „So geht sächsisch“ sprechen wir allerdings ganz klar über die Kampagne.

Nur wie lange noch?

In den vergangenen Jahren, als der Freistaat viel in die Kampagne investiert hat, ist es uns gelungen, eine starke Marke zu etablieren, die heute zum geflügelten Wort geworden ist. Das haben bisher nur sehr wenige geschafft. Angesichts der aktuellen Situation muss man sich natürlich die Frage stellen, ob man diese Marke jetzt verändern muss – in ihrer Zielstellung, in ihrer Ansprache von Personen. Oder, ob man sie einstellen sollte. Meine Position ist eindeutig: Totgesagte leben länger. Experten, die sich mit Markenaufbau auskennen, sagen auch, man soll eine solche Kampagne weiterführen. Allerdings sollte man sie verändern. Das, was sich in den letzten fünfzehn Monaten im Land ereignet hat, muss authentisch und glaubwürdig mitverarbeitet werden. Damit bietet sich die Chance, ein Sachsen zu zeigen, das facettenreich und vielfältig ist. Und natürlich senden wir mit der Kampagne auch ein Signal an Sachsen und die Welt. Wir verstecken uns nicht, sondern stehen zu unserem Land. Damit wird auch deutlich, dass Sachsen mehr zu bieten hat, als die Stereotypen, die gerade bedient werden.

Was fällt dann als Erstes weg? Der bisherige Slogan vielleicht?

Nein. Der bleibt. Wenn Sie sich aber die Kampagne anschauen, bemerkt man, dass diese sehr plakativ auf die Marke und „So geht sächsisch“ abhob. Jetzt werden wir die Marke noch stärker auf Inhalte ausrichten. Es wird mehr um sächsische Innovationen gehen, um unsere Wirtschaftsleistungen, um Forschung sowie um Kunst und Kultur. Wir werden dabei auch mehr junge Leute, vor allem Studenten, ansprechen, um für uns als attraktiven Universitätsstandort zu werben. Es geht also darum ein vielfältiges und differenziertes Bild von Sachsen zu zeigen.

Sie sind also überzeugt, die Kampagne ist noch reparabel?

Richtig, das bin ich. Sie ist nicht nur reparabel, es ist auch richtig und wichtig, sie fortzuführen. Denn gerade jetzt müssen wir mehr denn je für unser Land werben – authentisch und glaubwürdig. Im Januar 2016, also nach Heidenau, haben wir qualitative Untersuchungen außerhalb Sachsens gemacht. Die Befragten waren nicht nur der Meinung, dass Sachsen für sich werben sollte, sondern bestätigten auch die Marke „So geht sächsisch“. Darüber haben wir in der Koalition von CDU und SPD diskutiert und uns anschließend darauf verständigt, die Kampagne fortzuführen, sie aber wie gerade erläutert zu verändern.

Inzwischen scheint aber die SPD anderer Meinung zu sein. Dort wird jetzt klar das Aus für die Kampagne gefordert.

Ob ich mit meiner Position für die gesamte Regierung spreche, wird bei den kommenden Debatten sicher noch ein Thema werden. Ich bin als Chef der Staatskanzlei für die Kampagne aber zunächst einmal zuständig. Auch, wenn es jedem Kabinettsmitglied natürlich unbenommen bleibt, zu sagen, dass es mit einer Aufgabe, die in einem anderen Ressort stattfindet, Bedenken hat und Schwierigkeiten sieht.

Gibt es außer Ihnen noch jemanden, der an der Kampagne festhalten will?

Oft werden bei der Debatte relativ schnell die sozialen Medien vernachlässigt. Wie dort unsere Kampagne abgebildet wird, ist aber hochinteressant und spannend. Wir haben unglaublich viele Follower und Likes, also Menschen, die schauen, was wir machen, und sich positiv darüber äußern. Auf Facebook folgen uns fast 70 000 Leute, auf Instagram sind es nach zehn Monaten bereits 4 000. Allein im Februar kamen dort 500 dazu. Es wäre schade, wenn wir das alles abbrechen. Das wäre das falsche Signal. Das Signal muss sein, im Rahmen einer Multi-Channel-Kampagne und mithilfe der sozialen Medien die Kampagne in veränderter Form fortzusetzen. Oft wird Politik als wankelmütig empfunden, es ist auch ein starkes Signal, in schwierigen Zeiten zu einem Projekt zu stehen.

Wie viel Geld wollen Sie deshalb also noch in die Kampagne stecken?

Bisher hatten wir pro Jahr rund acht Millionen Euro zur Verfügung. Bei einer gut etablierten Marke kann man für eine Verstetigung diesen Ansatz reduzieren. Ob wir den Etat aber halbieren oder doch noch etwas mehr hineingeben sollten, muss noch geprüft werden. Ich schätze, wir müssen noch etwas mehr tun, sodass ich mit einem Jahresbudget von fünf Millionen Euro in die Haushaltsverhandlungen gehe.

Das Gespräch führte Gunnar Saft

Den Film „Life is a Dance“ hat der Dresdner Videokünstler Sebastian Linda mit der Breakdance-Company „THE SAXONZ“ produziert – im Auftrag der Imagekampagne „So geht sächsisch“. Der Film wurde bereits vier Millionen Mal geklickt.

Leser-Kommentare

Seite 1 von 6

Insgesamt 26 Kommentare

Alle Kommentare anzeigen

  1. smoky

    Woanders in der heutigen Zeitung steht, dass Geld für einen dichteren S- Bahntakt fehlt, der wenigstens in Spitzenzeiten, dem Bedarf gerecht wird. Der Lage völlig unangemessen wird auch bei der Polizei gespart. Stattdessen wird hier Geld verpulvert, um die "Wahrnehmung Sachsens" halbwegs zurecht zu biegen. Dabei wäre ein angemessenes, vorausschauendes Agieren der Mannen um MP Tillich, besonders zu brisanten Themen wie Kriminalität, Flüchtlinge, Fremdenfeindlichkeit, das beste Aushängeschild.

  2. RU

    Ich halte solche Kampagnen für lächerlich und überflüssig. Es geht doch nur darum, um das, was real vorhanden ist, noch einen schönen Schein zu legen, wie es heute leider überall üblich ist. Die sächsische Regierung sollte das Geld lieber für die Lösung von bisher ungelösten wichtigen Problemen ausgeben, von denen es wahrlich genug gibt.

  3. Wähler

    Der frühere Pressesprecher der Regierung bekam kurz vor der Pensionierung noch eine teure Schulung. Vielleicht sorgt Herr Jaeckel ("Medienminister" höre ich zum ersten Mal?) mit dieser Kampagne nur dafür, dass er bei seinem Ausscheiden einen guten Posten in der Medienwirtschaft bekommt. Oder wird die Kampagne ausgeschrieben?

  4. Bernd

    " Die Befragten waren nicht nur der Meinung, dass Sachsen für sich werben sollte, sondern bestätigten auch die Marke „So geht sächsisch“. " Allerorten und flächendeckend ein gestörte Wahrnehmung. So wie heute auch im Spiegel wo der Herr Augstein die Wahlverluste der CDU als Merkels Wahlsieg feiert. Definition ist alles.

  5. Sachse

    Oorneeduuh !

Alle Kommentare anzeigen

Seite 1 von 6

Ihr Kommentar zum Artikel

Bitte füllen Sie alle Felder aus.

Verbleibende Zeichen: 1000
Text Bitte geben Sie die abgebildete Zeichenfolge ein