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Samstag, 26.03.2016

Warentest bei Nudossi

Was die Experten der Stiftung im Radebeuler Produkt gefunden haben und was nicht. Ein Werksbesuch gleich danach.

Von Peter Redlich

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Geschäftsführer Thomas Hartmann und Prüferin Dana Irrgang: Stichprobenartig werden die Haselnusslieferungen aus der Türkei vor der Weiterverarbeitung für Nudossi geprüft.
Geschäftsführer Thomas Hartmann und Prüferin Dana Irrgang: Stichprobenartig werden die Haselnusslieferungen aus der Türkei vor der Weiterverarbeitung für Nudossi geprüft.

© Norbert Millauer

  • Geschäftsführer Thomas Hartmann und Prüferin Dana Irrgang: Stichprobenartig werden die Haselnusslieferungen aus der Türkei vor der Weiterverarbeitung für Nudossi geprüft.
    Geschäftsführer Thomas Hartmann und Prüferin Dana Irrgang: Stichprobenartig werden die Haselnusslieferungen aus der Türkei vor der Weiterverarbeitung für Nudossi geprüft.
  • Im Schauraum zeigen Röhren an, wie viel Haselnuss in der Radebeuler Creme im Vergleich zu anderen ist.
    Im Schauraum zeigen Röhren an, wie viel Haselnuss in der Radebeuler Creme im Vergleich zu anderen ist.

Radebeul. Auf dem Tisch im Besprechungsraum stehen zwei der typischen Becher unterschiedlicher Chargen von Nudossi. Rotes Etikett, deutlich sichtbare Aufschrift: 36 Prozent Haselnuss. Thomas Hartmann, Geschäftsführer des Radebeuler Süßwarenherstellers Vadossi, deren Hauptmarke Nudossi ist, bittet die Umstehenden, aus den Bechern zu kosten und ihre Meinung zum Geschmack zu sagen.

In dieser Woche hat die Stiftung Warentest, Hüter über die Qualität deutscher Produkte, ihren aktuellen Test von 21 Nuss-Nougat-Cremes, die es hier im Handel gibt, vorgestellt. Die besten Werte bekommt Marktführer Nutella mit Noten zwischen sehr gut und befriedigend. Die Radebeuler mit Nudossi erhalten durchweg die Note befriedigend. 50 Prozent der Bewertung machen dabei die sogenannte sensorische Beurteilung aus, also Aussehen, Geruch, Geschmack und Mundgefühl. Außerdem: In 16 der 21 Cremes werden Aflatoxine festgestellt, Gifte, die aus Schimmelpilzen entstehen können. Auch in Nudossi wird das nachgewiesen.

Die Experten der Stiftung Warentest setzen zwar hinzu, dass die Grenzwerte eingehalten werden und dass solche Gifte bei Nüssen nicht immer vermeidbar seien. Aber das schlimme Wort Gift in Verbindung mit Nuss-Nougat-Creme ist jetzt in der Welt.

Dana Irrgang, Ingenieurin für Lebensmitteltechnik, ist im Radebeuler Werk für die Überwachung der Qualität zuständig. Seit der Veröffentlichung von Stiftung Warentest muss sie Stellungnahmen für ihre Kunden, wie große deutsche Supermarktketten, schreiben. Alle Chargen der letzten Monate hätten bei Stichproben einen Aflatoxin-Gehalt von 0,4 Mikrogramm auf ein Kilogramm Haselnüsse ergeben. Der EU zulässige Grenzwert liegt bei zehn Mikrogramm je Kilogramm Haselnüsse.

Es kommt auf die Dosis an

Geschäftsführer Hartmann: „Die Tester haben nicht angegeben, welche Werte sie gefunden haben, sondern lediglich Noten vergeben.“ Wenn der Nussgehalt dreimal höher als in andere Cremes ist, sei allerdings damit zu rechen, dass die Werte nicht gleich hoch sind. In Nüssen, wie auch in Getreide oder Sonnenblumenkernen oder getrockneten Früchten sei es gar nicht zu vermeiden, dass ein sehr geringer Anteil von Schimmelpilzerregern nachgewiesen werden könne. Bei Feuchtigkeit in der Natur entstehe Schimmel. Es komme auf die Dosis an, für die die Grenzwerte stehen.

Im Lager des Radebeuler Werkes stehen Paletten mit Kartons voller Haselnüsse. Vakuumverpackte 25-Kilogramm-Pakete sind das. Vier Fünftel der Welthaselnussproduktion kommt aus der Türkei. Auf den Paketen ist ein Zertifikat des türkischen Gesundheitsministeriums vom 17. Februar 2016, welches an der Einfuhrgrenze zur EU erneut kontrolliert werde, so Thomas Hartmann. Weitere Stichproben, sind die Verpackungen geöffnet, werden im Werk durch die Lebensmittelingenieurin vorgenommen, bevor die Nüsse zusammen mit Schokolade, Fett, Zucker und anderen Zutaten letztlich die Nuss-Nougat-Creme ergeben. „Wir halten die Grenzwerte ein und kontrollieren, alle Mitarbeiter müssen durch Hygieneschleusen – mehr Möglichkeiten gibt es für uns nicht“, sagt der Geschäftsführer.

Was ihn und seine 30 Mitarbeiter aber mindestens genauso ärgere wie die diffusen Angaben zu den Aflatoxin-Werten, ist die subjektive Bewertung durch die Verkoster, die mit 50 Prozent in das Urteil der Stiftung Warentest einging. Die Aussagen seien stark widersprüchlich. In der Einschätzung steht: „Riecht und schmeckt kräftig nach gerösteten Haselnüssen, mit flacher Röstnote und mit deutlicher Schokoladennote.“ Genau das wolle man ja, dass es nach Haselnüssen schmeckt und deshalb werde mit dem hohen Anteil von 36 Prozent geworben, welcher auch dazu führe, dass viel weniger Palmfett eingesetzt werden muss, weil die Nüsse selbst Öl enthalten.

Doch die Tester sagen in einem Satz weiter, dass sie ein leicht kratzendes Mundgefühl – wegen der Nüsse? – festgestellt hätten. Hartmann: „Ja was denn nun – wird der Nussanteil nun gelobt oder kritisiert?“ Wem Nutella mit einem Drittel so viel Nussanteil besser schmecke, der streiche sich eben das aufs Brot. Wer mehr Nuss wolle, könne Nudossi kaufen.

Beim Werksverkauf von Vadossi an der Kötitzer Straße in Radebeul verlangt ein älterer Herr nach dem Brotaufstrich. Der Enkel hätte die neue Reklame bei Dynamo und bei den deutschen Bobfahrern gesehen und wollte es ausprobieren, sagt er.

Bis zu vier Millionen Becher mit Nuss-Nougat-Creme und ähnlichen Produkten verlassen im Jahr den hiesigen Betrieb. Die Radebeuler haben in den letzten Jahren kräftig investiert – in neue Maschinen, eine Lagerhalle und neues Qualitätsmanagement. „Seit Januar sind wir auch für die Herstellung und den Lieferweg von Palmöl zertifiziert“, sagt Prüferin Irrgang. Doch das sei in die Bewertung der Warentester noch nicht eingeflossen.

Die zwei Probebecher im Besprechungsraum sind durchprobiert. Nussig schmeckt es, schokoladig. Genau, wie es die Tester auch festgestellt haben. Nur mit der Formulierung „Leichter Geschmack nach Verpackung“, auch im Testbericht formuliert, kann hier keiner was anfangen. „Unser Produkt wird in einem für Lebensmittel echten Polypropylenbecher abgefüllt. Dieser enthält keine Weichmacher“, sagt Dana Irrgang. Ein unabhängiges Labor überprüfe das. Dabei sei kein solcher Fremdgeschmack festgestellt worden.