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Mittwoch, 11.11.2015

Wachmänner schikanieren Flüchtlinge

In einer großen Unterkunft in Dresden ist ein libanesischer Asylbewerber gejagt, getreten und geschlagen worden.

Von Ulrich Wolf

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Jagdszenen im Innenhof der Dresdner Erstaufnahmeeinrichtung Hamburger Straße: Der Flüchtling im weißen Pullover stolpert, ein Sicherheitsmann versucht ihn zu treten.
Jagdszenen im Innenhof der Dresdner Erstaufnahmeeinrichtung Hamburger Straße: Der Flüchtling im weißen Pullover stolpert, ein Sicherheitsmann versucht ihn zu treten.

© Screenshot SZ

  • Jagdszenen im Innenhof der Dresdner Erstaufnahmeeinrichtung Hamburger Straße: Der Flüchtling im weißen Pullover stolpert, ein Sicherheitsmann versucht ihn zu treten.
    Jagdszenen im Innenhof der Dresdner Erstaufnahmeeinrichtung Hamburger Straße: Der Flüchtling im weißen Pullover stolpert, ein Sicherheitsmann versucht ihn zu treten.
  • Dann schlägt er ihn am Hinterkopf ...
    Dann schlägt er ihn am Hinterkopf ...
  • ... und tritt ihn in den Oberschenkel.
    ... und tritt ihn in den Oberschenkel.

Dresden. In der Erstaufnahmeeinrichtung Hamburger Straße in Dresden ist es im Oktober zu einem schweren Zwischenfall zwischen dem Sicherheitspersonal und Asylbewerbern gekommen.

Auf Fotos und Videos, die der SZ vorliegen, ist zu sehen, wie Wachleute Flüchtlinge ohne ersichtlichen Grund in den Schwitzkasten nehmen und zu Boden drücken. Ein Asylbewerber wird über den gesamten Innenhof gejagt. Ein Security-Mitarbeiter schlägt und tritt ihn. Die Szenen erinnern an einen Vorfall aus einem Heim im nordrhein-westfälischen Burbach, wo vor einem halben Jahr fünf Wachleute Bewohner misshandelt haben sollen. Dieser Fall hatte bundesweit Aufsehen erregt.

Auf einem der Videos ist zu hören, dass die Mitarbeiter des Sicherheitsdienstes ein besonderes Interesse an den Handys der Flüchtlinge hatten. Zuvor waren Vorwürfe bekannt geworden, nach denen einige Security-Leute unangemeldet die Zimmer der Bewohner gestürmt, sie beleidigt und bedroht hätten.

Die verantwortliche Sicherheitsfirma „Ihre Wache GmbH“ aus Dresden wies die Vorwürfe größtenteils zurück. Unternehmenschef Martin Linnemann schloss im Gespräch mit der SZ aus, dass seine Leute Flüchtlinge schlecht behandeln. Er räumte aber ein, dass die Jagd auf den Asylbewerber nicht hätte passieren dürfen. Deshalb habe man sich von den betreffenden Sicherheitskräften getrennt. „Sie waren bei einem Subunternehmen angestellt.“ Linnemann zufolge waren der Jagd Provokationen seitens der Flüchtlinge vorausgegangen. Einer der Wachleute sei mit einem Stein angegriffen und verletzt worden.

Ein Vertreter des Deutschen Roten Kreuzes, das die rund 1 400 Flüchtlinge in der Unterkunft betreut, bezeichnete den Sicherheitsdienst als „sehr forsch auftretend“. Dessen Mitarbeiter dürften fortan nicht mehr allein in die Zimmer der Asylbewerber. Die Polizei teilte auf Anfrage mit, „dass wir im Zuge unseres Einsatzes am 23. Oktober Hinweise bekommen haben, wonach das Verhältnis zwischen Sicherheitsdienst und Asylbewerbern in dem Heim angespannt ist“. Neben den zwei bereits laufenden Strafverfahren könnten sich weitere ergeben.

Die für die Erstaufnahmeeinrichtungen zuständige Landesdirektion Sachsen teilte auf Anfrage mit, ihr seien mehrere Vorfälle bekannt, „die auf ein Fehlverhalten von Security-Mitarbeitern schließen lassen“.

Sachsens Ausländerbeauftragte Geert Mackenroth warnte: „Momentan ist der Markt für seriöses Wachpersonal so leer gefegt, dass immer mehr windige Firmen zu Aufträgen kommen.“