Gerichtsbericht Donnerstag, 03.01.2013

Vorwurf weg – Verlobte auch

Er wird vom Raubverdacht freigesprochen. Doch die Verhandlung hat für den Meißner ungeahnte Folgen.

Von Jürgen Müller

©dpa

Sie sollte ihn entlasten, die 40-jährige Verlobte des Angeklagten, dem ein gemeinschaftlicher Raub vorgeworfen wird. Und das tut sie auch. Der 26-jährige Meißner sei die ganze Nacht bei ihr gewesen, er sei auch zwischendurch nicht weggegangen, sagt die Frau aus. Wieso sie sich so genau an jenen Tag erinnern könne, will der Richter wissen. Na, das sei immer so gewesen. Nicht erinnern kann sie sich, um welchen Wochentag es sich handelte. Und nicht erinnern kann sie sich auch an ein einschneidendes Ereignis. Der Angeklagte hatte nämlich ausgesagt, er sei zeitig zu Bett gegangen, weil er am nächsten Tag Fahrprüfung gehabt hätte.

Zum Glück kommt es auf die Aussage der Frau nicht an. Denn ihr Verlobter war wohl tatsächlich nicht dabei. Das jedenfalls hat sogar der Haupttäter bestätigt. Er nennt den Namen eines anderen, der mit ihm auf Raubzug war. Die beiden Angeklagten kennen sich offensichtlich nicht. Auf den Meißner war die Staatsanwaltschaft gestoßen, weil ihn der Geschädigte bei der Polizei auf einem Foto glaubte erkannt zu haben. Das einzige Erkennungsmerkmal war allerdings ein „Zickenbart“. Er war der einzige von zehn jungen Männern auf den Fotos, der einen solchen Bart trug.

Doch dem Meißner werden weitere Taten vorgeworfen, allesamt sind es Schwarzfahrten, die er zum Teil einräumt. Deshalb wird er doch verurteilt. Deshalb verliest der Richter auch sein Vorstrafenregister. Das hat es in sich. Schon 2001 wurde er wegen Raubes, Sachbeschädigung und Diebstahls zu einer Jugendstrafe von sechs Monaten auf zwei Jahre Bewährung verurteilt. Später erhielt er wegen Raubes, gefährlicher Körperverletzung, sexueller Nötigung und räuberischer Erpressung zwei Jahre Jugendstrafe, die wieder zur Bewährung ausgesetzt wurden, diesmal für drei Jahre. Damit war es 2006 endlich vorbei. Zwei Jahre und vier Monate Jugendstrafe gab es wegen Körperverletzung und erneut sexueller Nötigung. Als der Richter das verliest, rennt plötzlich eine Frau aus dem Gerichtssaal. „Sexuelle Nötigung, ich kann's nicht mehr hören“, schluchzt sie. Der Richter lässt sie noch einmal in den Saal kommen. Ob sie ihre Aussage nicht korrigieren wolle, fragt er sie. Nein, will sie nicht, sie will überhaupt nichts mehr mit der ganzen Sache und vor allem mit ihrem Verlobten zu tun haben.

Er habe ihr von seiner kriminellen Vergangenheit noch nicht „so direkt“ erzählt, gibt der Angeklagte auf die Frage des Richters zu. Auch dass er wegen sexueller Nötigung im Gefängnis saß, wusste seine Verlobte bis dahin nicht.