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Dienstag, 15.12.2009

Von der schwierigen Suche der Wettiner nach einem Kronprinzen

Am 6. Dezember starb Dedo von Sachsen, ein Enkel des letzten Sachsenkönigs. Das Leben der Wettiner ohne Krone – eine Serie.

Von Hans Eggert

Adoptierten Alexander von Sachsen: Das Markgrafenpaar Anastasia und Maria Emanuel (l.). Bruder Albert ging dazu auf Oppositionskurs. Foto: dpa
Adoptierten Alexander von Sachsen: Das Markgrafenpaar Anastasia und Maria Emanuel (l.). Bruder Albert ging dazu auf Oppositionskurs. Foto: dpa

Den Lesern der Bild-Zeitung wurde im März 2007 ein „heikles Problem“ erklärt: Rüdiger von Sachsen habe gegen die Hofetikette verstoßen, als er seine neue Freundin auf dem Dresdner Opernball vorgezeigt habe, noch ehe sie, eine Dresdner Ärztin, in der Familie eingeführt war. Wirklich heikel an der Sache aber war: Rüdiger antwortete in jüngster Zeit auf die Frage, wer Familien-Chef würde, schlicht mit „Ich“. Das störte den Lauf der Dinge im Hause Wettin erheblich. Denn in den 1990er-Jahren sah sich die Familie einem akuten Problem gegenüber: Der „Throninhaber“ Maria Emanuel und die anderen Enkel des letzten Königs waren kinderlos oder ohne „hausgesetzmäßige“ Nachkommen. Doch welche Möglichkeiten gab es, zu einem „Thronfolger“ zu kommen?

Rüdiger? Er stammte zwar in männlicher Linie von Friedrich August ab, doch war er Spross des ungelittenen Prinzen Timo, der ohne den Segen „von oben“ Rüdigers Mutter, eine Fleischerstochter, geheiratet hatte. Auch hätten, schrieb der „Spiegel“ 2002, Rüdiger zeitweise „juristische Probleme“ wegen eines Psychologen-Titels geplagt, „an dem Rechtsgelehrte etwas auszusetzen fanden“, kurzum: Rüdiger fiel durchs Sieb.

Und Alexander? Als Sohn einer Enkelin stammte er nicht in „männlicher Linie“ vom König ab. Maria Emanuel entschied dennoch, ihn, seinen Neffen, zu adoptieren und zu seinem Erben zu machen. Dafür erbat er Pfingsten 1997 von der in Dresden versammelten Familie die Zustimmung – und erhielt sie. Alexander sei, erklärte der Chef des Hauses, geeignet, die Familientradition fortzusetzen. Sein Vater Roberto de Afif stammte aus einer alten maronitisch-katholischen Prinzenfamilie im Libanon. Kindheit und Schulzeit verbrachte er in Mexiko und Deutschland. In München studierte er Wirtschaft. Hier lernte er seine Frau Gisela kennen, eine Prinzessin von Bayern. Nach der Heirat ging es wieder nach Mexiko, um die väterliche Firma zu übernehmen. Und nun Dresden.

Dorthin zog es auch Rüdiger – aus dem Westerwald. Er baute mit dem Geld seines Onkels Dedo bei Moritzburg eine Forstwirtschaft auf. Allerdings lieferte sein Privatleben zuweilen bunte Geschichten. Etwa, als er sich als verlassener Gatte präsentierte, der, eine Rose in der Hand, eine „Prinzessin“ suchte.

Für andere Schlagzeilen sorgte indessen die Familie: Die Prinzen Albert, Dedo und Gero zogen ihre Zustimmung zur Erbfolge zurück. Maria Emanuel antwortete im Oktober 2002 mit der Gründung eines neuen Familien-Vereins, dessen Satzung die umstrittene Nachfolge festschrieb. Schließlich war schon zu Königszeiten bei Kinderlosigkeit des Familienoberhauptes die Adoption vorgesehen. Doch das kam bei Albert und den „Kanadiern“ (Gero starb 2003) schlecht an. Zumal sie gerade selbst einschlägige Vereine gründeten, was die Gräben noch vertiefte. Und die sind bis heute nicht überbrückt.