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Dienstag, 15.03.2016

Vom Haftkrankenhaus in die Zelle

Die wilde Verfolgungsjagd mit dramatischem Ende vor dem Schloss sorgt in Moritzburg weiter für Gesprächsstoff.

 Die Moritzburger Feuerwehr musste in der Nacht zum Sonntag das brennende Cabrio nicht löschen. Das hatte schon die Polizei erledigt. Die Kameraden sorgten aber für ausreichend Licht.
Die Moritzburger Feuerwehr musste in der Nacht zum Sonntag das brennende Cabrio nicht löschen. Das hatte schon die Polizei erledigt. Die Kameraden sorgten aber für ausreichend Licht.

© Roland Halkasch

Moritzburg. Drei auf dem Rasen liegende graue Metallpoller, Betonreste und eine etwas schief stehende Informationstafel bilden das Stillleben, das gestern noch an den spektakulären Unfall erinnerte, der sich in der Nacht zum Sonntag vor dem Moritzburger Schloss ereignet hatte. Wie sz-online am Sonntag berichtete, waren dabei zwei Autos in Schrotthaufen verwandelt worden. Ein 25 Jahre alter Golf und ein gerade neu zugelassenes Cabrio der gleichen Marke.

Autodiebe flüchten vor der Polizei

Bereits am Sonntag pilgerten zahlreiche Moritzburger zu der Unfallstelle, denn die Verfolgungsjagd, die sich die beiden Insassen des Golfs mit der Polizei geliefert hatten und der anschließende Einsatz der Feuerwehr und des Rettungsdienstes waren trotz der mitternächtlichen Stunde nicht unbemerkt geblieben. Das Interesse der Moritzburg-Touristen hielt sich indes in Grenzen. Gespannlenker Bernd Haase, der mit seiner Kutsche am Schlossparkplatz gegenüber der Unfallstelle auf Kundschaft wartete, wurde zwar von dem einen oder anderen nach der Absperrung gefragt. „Direkt auf den Unfall hat mich aber niemand angesprochen“, sagt der Moritzburger. „Der Sonntag war aber auch ein schlechter Tag. Durch das nasskalte Wetter waren kaum Gäste in Moritzburg.“ Im Café der Bäckerei Liebscher an der Schlossallee ist das nächtliche Ereignis mit den zwei verletzten mutmaßlichen Autodieben und den beiden wie durch ein Wunder heil davon gekommenen Cabrio-Insassen dagegen das Gesprächsthema Nummer eins. Aber auch hier vor allem bei den Einheimischen. Selbst gestern noch. Schließlich passiert so etwas nicht alle Tage im sonst ruhigen Moritzburg. „Das ist ja wie Klein-Chicago“, meint eine der Verkäuferinnen.

Die auch am Montag trotz des herrlichen Sonnenwetters wenigen Besucher im Ort – das Schloss ist derzeit wegen Großputz und Vorbereitung des neuen Ausstellungsbereichs mit Teilen des Wettiner-Schatzes geschlossen – interessieren sich dagegen kaum für das Thema. Die meisten der Angesprochenen wissen noch nicht einmal davon. Nur ein älteres Ehepaar aus Wurzen ist im Bilde: „Ich habe davon im Internet gelesen“, sagt der Mann. „Bloß gut, dass der jungen Frau nichts passiert ist. Wer rechnet schon damit, dass man fast über den Haufen gefahren wird, wenn man mitten in der Nacht an solch einer Stelle ein Foto macht.“

Über den 28-jährigen Fahrer des in Dresden gestohlenen VW Golf und seinen 40-jährigen Beifahrer, beide Litauer, war am Montag von der Polizei kaum etwas zu erfahren. Beide Männer waren bei dem Unfall verletzt worden. Einer, so die Polizei, wurde gestern aus dem Haftkrankenhaus in die JVA verlegt. Wie es mit dem anderen weitergeht, sei noch nicht entschieden. Fest steht auch nicht, ob der Fahrer bei der bis zu 140 km/h schnellen Flucht unter Alkohol- oder Drogeneinfluss stand.