erweiterte Suche
Sonntag, 30.12.2012

Verkehrsminister verhindert Tunnelblitzer

Der Einbau von Tempomessgeräten in Sachsens Autobahntunneln ist vorerst gescheitert – trotz einflussreicher Befürworter.

Von Gunnar Saft

6

Ab durch die Röhre: Im Coschützer Tunnel auf der A17 fehlen noch die geplanten Schwarzblitzer – wann sie kommen, ist ungewiss.Foto: André Wirsig
Ab durch die Röhre: Im Coschützer Tunnel auf der A17 fehlen noch die geplanten Schwarzblitzer – wann sie kommen, ist ungewiss.Foto: André Wirsig

Schon seit einem Jahr sollen sie eigentlich stoisch ihre Arbeit verrichten – automatische Tempomessanlagen, die jede Geschwindigkeitsüberschreitung in einem sächsischen Autobahntunnel akribisch dokumentieren, damit diese später geahndet werden kann.

Weil die Spezialtechnik dabei in den engen Tunnelröhren bewusst auf das übliche Blitzlicht verzichtet, sprechen Experten auch gern von sogenannten „Schwarzblitzern“.

Wie gesagt, die ersten Anlagen sollten bereits Ende 2011 in Betrieb genommen werden. So hatte es jedenfalls Monate zuvor das für Polizeiaufgaben zuständige Ministerium von Innenminister Markus Ulbig (CDU) angekündigt. Vorgesehen war der Einsatz von Schwarzblitzern sowohl in der insgesamt rund 3,6 Kilometer langen Tunnelanlage auf der A17 bei Dresden als auch im Autobahntunnel Königshainer Berge auf der A4. Die notwendigen Tests für den Einbau der Kontrolltechnik waren alle erfolgreich.

Tauziehen am Kabinettstisch

Dass dort trotzdem bis heute kein einziger Tunnelblitzer installiert wurde, ist das Ergebnis eines ungewöhnlichen Streits innerhalb Sachsens Staatsregierung. So überraschte kurz nach Ulbigs Ankündigung dessen Kabinettskollege und Wirtschafts- und Verkehrsminister Sven Morlok (FDP) die Öffentlichkeit mit seinem Veto. Morloks Ministerium erklärte, das Projekt erst gründlich prüfen zu wollen und legte es damit bis zum Jahresende 2012 offiziell auf Eis. Inzwischen ist eine Entscheidung gefallen. Auf eine aktuelle SZ-Anfrage hieß es dieser Tage, das Verkehrsministerium setze weiter allein „auf eine präventive Verkehrssicherheitsarbeit und auf die Erhöhung der Verkehrssicherheit in den Autobahntunneln“. Übersetzt bedeutet die diplomatisch stark verklausulierte Antwort: Nein, wir stimmen dem Einbau von Tunnelblitzern nicht zu.

Begründet wird das intern vor allem mit der Gefahr, dass viele Autofahrer – die die Blitzer zwar nicht sehen, von ihnen aber wissen – in den Tunneln plötzlich auf die Bremsen treten. Unterstellen darf man dem FDP-Politiker Morlok zudem, dass er auch um die öffentliche Popularität seiner ablehnenden Haltung weiß – gerade bei den vielen Autofahrern. Seiner Meinung nach soll es daher statt Tempokontrollen lieber regelmäßige Unfallübungen sowie eine intensive Verkehrserziehung geben, damit die Tunneldurchfahrten für jeden Fahrer sicherer werden. Mit dieser Haltung hat er sich dann auch erfolgreich gegen Sachsens Innenminister durchgesetzt, der das ganze Blitzer-Projekt gestoppt hat.

Dabei weiß Markus Ulbig längst einen mächtigen und einflussreichen Verbündeten an seiner Seite: den Allgemeinen Deutschen Automobil-Club. Der ADAC in Sachsen hat mit den geplanten Tunnelblitzern keine Probleme und sieht darin auch keine Abzocke von Autofahrern. Gerade Tunnel würden zu den gefährlichsten Strecken gehören und Tempokontrollen seien dort besonders sinnvoll, heißt es. Genutzt hat Ulbig diese Unterstützung bisher aber nicht, im Gegenteil. Angesichts der in Sachsen anstehenden Wahlen 2013 zum Bundestag und 2014 zum Landtag haben sich die beiden Dresdner Regierungspartner CDU und FDP mittlerweile darauf geeinigt, das leidige Streitthema weiter zu vertagen.

Leser-Kommentare

Seite 1 von 2

Insgesamt 6 Kommentare

Alle Kommentare anzeigen

  1. Maik Richter

    Völlig unsinnige Diskussion, denn wenn die Herren mal etwas über ihren "Tellerrand" geschaut hätten, wüßten sie, das man Tunnel viel effizienter überwachen kann: In Österreich gibt es seit Jahren sogenannte "Blockkontrollen" - ALLE FZ werden VOR Einfahrt mit Nummernschild erfaßt und nur die, die am Ende des "Blocks" (Tunnels) die gefahrene Strecke zu schnell durchfahren haben, werden dann nochmal bildlich erfaßt - nun mit Fotos vom Fahrer zur genauen Indendifikation. Somit dürften sich auch deutsche Datenschützer nicht aufregen, da ja Auto -> Kennzeichen -> Fahrer ERST nach "vollendeter" Tat im Zusammenhang erfaßt werden. Alle Autos, die nicht zu schnell waren, werden automatisch aus dem System gelöscht. Somit zwingt man effektiv ALLE Fahrer, in dem betreffenden Abschnitt die Geschwindigkeit einzuhalten und nicht nur unmittelbar vor dem Blitzer. Und so gibt es auch keine gefährlichen "Angstbremsungen" vor den Blitzern.

  2. Vorlaut Boy

    "Begründet wird das intern vor allem mit der Gefahr, dass viele Autofahrer – die die Blitzer zwar nicht sehen, von ihnen aber wissen – in den Tunneln plötzlich auf die Bremsen treten." Ich dachte, genau das sei der Zweck der Blitzer.

  3. Hans

    Wirklich beschämend, wie Herr Morlock Unfälle in Kauf nimmt um seine Popularität zu stützen. Die Begründung ist geradezu hanebüchen. Autofahrer die vorschriftsmässig Fahren werden schon vor dem Tunnel ihre Geschwindigkeit anpassen. Lediglich Raser würden gezielt vor dem Blitzer bremsen. Und diese gefährden mit dieser Bremsung keine vorschriftsmässig verkehren Fahrer. Herr Morlock ist also lediglich ein Fürsprecher für unverantwortliche Autofahrer.

  4. Uwe-Jens Greuel

    "Gefahr, dass viele Autofahrer – die die Blitzer zwar nicht sehen, von ihnen aber wissen – in den Tunneln plötzlich auf die Bremsen treten." Sehr geehrter Herr Morlok, bitte lassen Sie mit dieser Begründung in ganz Deutschland alle Blitzer abbauen, und dazu auch noch die Ampeln, denn auch dort treten Autofahrer oft genug plötzlich auf die Bremse. Wenn sich das bewährt hat, dann würde ich als weitere Maßnahme verbieten lassen, daß sich Kinder überhaupt in der Nähe von Straßen aufhalten dürfen, denn auch deren Aktionen führen oft zu abruptem Bremsen. Bei Ihrer Phantasie finden Sie bestimmt noch einige andere Möglichkeiten, das abrupte Bremsen zu verhindern.

  5. Ralf Hübner

    Gerade bei den Tunneln der A 17 sollte man sich lieber mal Gedanken um die Geschwidigkeitsregeln machen. Bei Tempo 80 läss sich mit Blitzern natürlich ordentlich Kasse machen, da jeder weiß und sieht, dass ca. 80% aller Fahrer wesentlich schneller unterwegs sind. Und das zu Recht, da es keinen venünftigen einnahmeunabhängigen Grund für eine derartige Geschwindigkeitsbegrenzung gibt.

Alle Kommentare anzeigen

Seite 1 von 2

Kommentare können für diesen Artikel nicht mehr erfasst werden.