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Dienstag, 01.01.2013

Verdursteter Junge: Ermittlungen noch nicht abgeschlossen

Der Fall hat im Juni ganz Deutschland erschüttert. Eine drogensüchtige Frau wird tot in ihrer Wohnung gefunden, neben sich ihr verdurstetes Kind. Die Ermittlungen zu dem Fall sind immer noch nicht abgeschlossen.

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Blumen und Plüschtiere stehen vor einer Wohnung in Leipzig, in der in der Nacht zum 17. Juni 2012 ein Kleinkind zusammen mit seiner 26 Jahren alten Mutter leblos gefunden worden.
Blumen und Plüschtiere stehen vor einer Wohnung in Leipzig, in der in der Nacht zum 17. Juni 2012 ein Kleinkind zusammen mit seiner 26 Jahren alten Mutter leblos gefunden worden.

© dpa

Leipzig. Nach dem Tod einer drogensüchtigen Mutter und ihres Sohnes im Juni in Leipzig sind die Ermittlungen immer noch nicht abgeschlossen. Die Frau war von Polizeibeamten neben ihrem verdursteten zweijährigen Sohn tot in ihrer Wohnung gefunden worden. Es sei derzeit noch nicht abschätzbar, wann die Untersuchungen zu den Ereignissen, die zum Tod der jungen Frau und ihres Kindes führten, abgeschlossen werden könnten, sagte Oberstaatsanwalt Ricardo Schulz. Es könne auch noch nicht gesagt werden, ob es eine strafrechtlich relevante Pflichtverletzung eines Mitarbeiters gegeben habe. Die Großmutter des Jungen hatte gegen mehrere Personen, darunter Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD) Strafanzeige wegen Totschlags durch Unterlassen gestellt.

Die 26-Jährige und ihr Sohn waren Mitte Juni in ihrer Wohnung im Stadtteil Gohlis gefunden worden. Bewohner hatten Fäulnisgeruch bemerkt und die Polizei gerufen. Die Familie war längere Zeit vom Allgemeinen Sozialen Dienst betreut worden. Im April war die Frau dort erschienen, um mitzuteilen, dass sie mit ihrem neuen Lebensgefährten umziehen wolle. Seither hatte sich das Amt nicht mehr um sie gekümmert. Die junge Mutter starb an einem Drogen-Mix aus Heroin und Kokain. Der kleine Junge verdurstete neben der Leiche seiner Mutter. Die Frau war laut Staatsanwaltschaft im dritten Monat schwanger.

Die Stadt Leipzig ließ ein Gutachten erarbeiten, inwiefern fachliche Standards der Kinder- und Jugendhilfe verletzt wurden. Das Gutachten sei hinsichtlich einer Weiterentwicklung von Verfahrensabläufen ausgewertet worden, teilte die Stadt dazu knapp mit. Als Konsequenz aus dem dramatischen Vorfall seien unter anderem Verfahrensrichtlinien präzisiert worden. So wurden fallspezifische Schutzkonzepte und ein Wiedervorlagesystem für die jeweils verantwortlichen Sozialarbeiter erarbeitet. Nach städtischen Angaben leben gegenwärtig 131 Kinder in 107 Familien, die durch den Allgemeinen Sozialen Dienst betreut werden. (dpa)

Leser-Kommentare

Insgesamt 1 Kommentar

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  1. Bernd Reiher

    Was ich nicht verstehe: Warum hacken alle auf der Stadtverwaltung rum? Behörden können bei Problemen nur der letzte Rettungsanker sein. Wenn die Oma jetzt klagt - wo bitte war sie vorher, als die junge Mama vielleicht Hilfe brauchte? Drogennutzung ist mit deutlichen Anzeichen verbunden - so etwas fällt im Familienkreis auf. Wenn ein Kind neben seiner drogentoten Mama verdursten kann, heißt das auch: Hier hat tagelang auch von der Familie niemand nachgeguckt.

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