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Sonntag, 16.02.2014

Veganismus: Ernährungstrend wird Wirtschaftsfaktor

In Sachsen öffnet der erste vegane Supermarkt. Der Trend zum Verzicht aufs Tierische wächst.

Von Martina Hahn

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Angeblich eine Million Menschen konsumieren bundesweit nur vegane Produkte - wie diese vegane Spinat-Suppe mit Feldsalat.
Angeblich eine Million Menschen konsumieren bundesweit nur vegane Produkte - wie diese vegane Spinat-Suppe mit Feldsalat.

© dpa

Dresden. Lachs ohne Fisch drin, Schnitzel aus Soja oder Käse ohne Milch: Bereits eine Million Menschen konsumieren bundesweit nur vegane Produkte – 20 Prozent mehr als noch 2012. Sie essen nichts, was aus Tieren hergestellt wurde. Neben Fleisch und Fisch sind auch Milch, Eier oder Honig tabu.

Nach bio und fair geht der Trend jetzt zu einem veganen Lebensstil. Allein in Biomärkten und Reformhäusern wurden 2013 nach Angaben der Veganen Gesellschaft Deutschland rund 658 Millionen Euro mit rein pflanzlichen Produkten umgesetzt. Das sind 17 Prozent mehr als im Vorjahr. „Vegan wird zum Wirtschaftsfaktor“, sagt Vereinsgründer Christian Vagedes. Doch noch ist vegan ein Nischenmarkt: Der gesamte Umsatz mit Lebensmitteln lag im selben Jahr bei rund 210 Milliarden Euro.

Dieser Nischenmarkt hat jedoch großes Potenzial: Spezialanbieter wie vegane Supermärkte, vegane Restaurants und tierfreie Kleidergeschäfte gibt es in nahezu allen Großstädten – auch in Dresden und Leipzig. Der Trend beschert ihnen ein massives Umsatzwachstum: Die bislang einzige vegane Supermarktkette Veganz mit Filialen unter anderem in Berlin und Prag konnte ihren Umsatz zwischen 2012 und 2013 mehr als verdreifachen. Noch in diesem Jahr soll eine Filiale in Leipzig öffnen.

Doch auch der konventionelle Handel erwartet ein Plus durch vegane Kost. Selbst beim Discounter finden Kunden heute Sojamilch, veganen Joghurt oder Fleisch- und Käseersatz. „Vegane Alternativen werden immer wichtiger“, sagt Christoph Minhoff, Chef von BLL und BVE, den beiden Spitzenverbänden der Lebensmittelwirtschaft. Das bestätigt auch Kaufland-Sprecherin Christine Axtmann: „Die Nachfrage nach veganen Produkten hat in den letzten Jahren zugenommen.“ Und Denise Klug vom Informationsdienst Planet Retail sagt: „Die großen Ketten und Discounter könnten mit veganen Eigenmarken punkten.“

Weniger Futteranbau, mehr Klimaschutz: „Würden wir fleischlos oder zumindest fleischärmer essen, wäre das für die Umwelt und das Klima eine große Entlastung“, sagt Martin Hofstetter von Greenpeace. Auch gehen medizinische Studien davon aus, dass eine Ernährung ohne tierische Zutaten gesünder ist, solange Veganer sich ausgewogen ernähren. Andere Mediziner sehen das kritischer und empfehlen Mischkost. Studien des Hannoveraner Lebensmittelwissenschaftlers Andreas Hahn deuten darauf hin, dass vegane Ernährung über Jahre wohl zu einem höheren Herzinfarkt-Risiko oder Osteoporose führen kann. Wie gesund vegan tatsächlich ist, was es bedeutet und wo es vegane Kost zu kaufen gibt, erklärt die Sächsische Zeitung ab morgen in einer Serie „Trend vegan“.

Leser-Kommentare

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Insgesamt 33 Kommentare

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  1. Thilo Fleck

    Zitat: „Würden wir fleischlos oder zumindest fleischärmer essen, wäre das für die Umwelt und das Klima eine große Entlastung“, sagt Martin Hofstetter von Greenpeace. - Würden wir Rasenheizungen auf Fußballplätzen, Schneekanonen in Skigebieten und PKW/SUV mit 300 PS und mehr verbieten, anstatt Otto Normalverbraucher die 60W-Glühlampe zugunsten der umweltschädlichen Energiesparlampen zu untersagen, würden wir der Umwelt genauso helfen, anstatt den Menschen eine widernatürliche Ernährungsweise aufdrängen zu müssen.

  2. Ralph

    Das sehe ich genauso. Solange vorm Bioladen neben den Fahrrädern auch genug dicke SUV stehen ist das alles nur schön geredet. Der Umwelt geht es damit nicht besser. Ohne Massentierhaltung wäre Fleisch teurer und die Leute würden automatisch weniger davon essen. Eine rein vegane Ernährung kann ich mir jedoch nicht vorstellen. Das macht weder glücklich noch ist es gesund. Wie stehts mit der Moral? Dürften wir dann die Erde umgrabben um Bodenschätze zu gewinnen oder fossile Rohstoffe verbrennen? Beziehen alle Veganer Ökostrom? Woher kommen all die Sojabohnen die heute schon benötigt werden? Scheint so als wäre das Leben ein Kompromiss. Und vegane Gerichte in den Speiseplan einzubinden ist nicht schlimm. Nudeln (ohne Ei) mit einer Arrabiata, Napoli oder Aioli haben die meisten schon gegessen. Nur auf den Käse müßte man verzichten. Aber bitte macht es nicht zum Zwang, die Grenze zwischen Information und Belehrung ist so schmal. Da machen die Leute ziemlich schnell dicht.

  3. Stefanie

    @Ralph: ausdrückliche Zustimmung bei dem Punkt, dass eine Abschaffung der Massentierhaltung ein richtiger Schritt wäre, maßvoll und qualitätsbedacht "schmutzigen" Fleischkonsum umzustellen auf tierwohl- und umweltbewussten!

  4. Felicitas Sauer

    Ich lebe selbst vegan und kenne viele Menschen, die vegan leben - es ist die absolut gesündeste Ernährung überhaupt - das wird ja glücklicherweise inzwischen durch etliche Studien bewiesen. Alleine die vielen Sportler (Marathonläufer und Triathleten) die vegan leben, beweisen ja genau diese Leistungsfähigkeit. Und noch dazu sind vegane Gerichte der pure Genuss - wenn ich an meine 14-täglige Ayurveda-Kur an der Mosel denke mit einer wunderbaren veganen Küche kann ich sagen: Besser und ansprechender habe ich noch nie gegessen. Um die Gesundheit muss man sich eher Sorgen machen bei zu hohem Fleisch- und Milchkonsum - unser Körper mag das einfach nicht und drückt das dann auch in vielen Krankheiten aus. Wer energiereich durch den Tag gehen will, ist mit dieser Lebenseinstellung sicherlich richtig unterwegs - Vegan betrifft ja wesentlich mehr als nur die Ernährung. Wenn man dann noch Welthunger, Klima, Ethik mit in die Waagschale wirft, ist das wirklich eine Wohlfühlernährung.

  5. MartinW

    @Ralph: Zum Thema Soja: Soja zerstört die Erde - allerdings nicht das Soja, das ohne Umwege zum Menschen als Essen gelangt. http://www.wwf.de/themen-projekte/landwirtschaft/produkte-aus-der-landwirtschaft/soja/

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