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Donnerstag, 22.06.2017

Unwetter ziehen über Sachsen

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Das Dach vom Gebäude des Sackaer Schützenvereins wurde komplett abgetragen. In Minuten war alles weg.
Das Dach vom Gebäude des Sackaer Schützenvereins wurde komplett abgetragen. In Minuten war alles weg.

© Jens Kühnel

  • Das Dach vom Gebäude des Sackaer Schützenvereins wurde komplett abgetragen. In Minuten war alles weg.
    Das Dach vom Gebäude des Sackaer Schützenvereins wurde komplett abgetragen. In Minuten war alles weg.
  • Unter anderem zwischen Bischofswerda und Dresden blockierten umgestürzte Bäume die Bahnstrecke. Die Länderbahn stellte daher den Zugverkehr ein.
    Unter anderem zwischen Bischofswerda und Dresden blockierten umgestürzte Bäume die Bahnstrecke. Die Länderbahn stellte daher den Zugverkehr ein.
  • Die B 98 zwischen Schönfeld und Sacka ist noch immer gesperrt. Die Feuerwehrmänner sind dabei, die Straße von den Sturmschäden zu beräumen.
    Die B 98 zwischen Schönfeld und Sacka ist noch immer gesperrt. Die Feuerwehrmänner sind dabei, die Straße von den Sturmschäden zu beräumen.
  • Schwere Sturmböen haben Donnerstagnachmittag auch im Raum Riesa mehrere Bäume entwurzelt. In Bobersen verfehlte ein 20 Meter hoher Tannenbaum dabei nur knapp ein Einfamilienhaus. Auch zwischen Großrügeln und Riesa stürzte ein Baum um.
    Schwere Sturmböen haben Donnerstagnachmittag auch im Raum Riesa mehrere Bäume entwurzelt. In Bobersen verfehlte ein 20 Meter hoher Tannenbaum dabei nur knapp ein Einfamilienhaus. Auch zwischen Großrügeln und Riesa stürzte ein Baum um.

Dresden. Als Hamburg einen Tornadototen meldete und Berlin wenig später den Ausnahmezustand ausrief, kamen bei den Großenhainern am Donnerstag die Tornadobilder von 2010 wieder hoch. Kurz nach 16 Uhr verdunkelte sich der Himmel über Großenhain. Die Unwetterböe zog von Berlin ins Großenhainer Land hinein und wanderte dort fast exakt die B 98 entlang. Angefangen in Raden/Zabeltitz/Treugeböhla, von dort nach Lampertswalde, Schönfeld, Thiendorf, Sacka, Tauscha. Besonders getroffen hat es diesmal Weißig am Raschütz, wo ein Trafohaus schwer beschädigt wurde. In Linz wurde eine Baumallee entwurzelt, in Kraußnitz stürzte ein Baum auf ein Wohnhaus. Menschen kamen aber nicht zu Schaden. Dafür gibt es große Schäden durch entwurzelte Bäume im Park Kraußnitz.

Aus Königsbrück werden aus dem Stadtbad mehrere umgestürzte Bäume gemeldet, einer davon ist auf ein Auto gefallen und hat es zertrümmert. In einigen Bereichen der Stadt fiel der Strom aus.

Regen, Sturm und Hagel verursachten massive Behinderungen im gesamten Landkreis Bautzen. Am späten Abend wurde der Zugverkehr in Richtung Dresden eingestellt. Der Grund waren umgestürzte Bäume und anhaltende Unwetterwarnungen. Am späten Nachmittag gab es bereits im Raum Bischofswerda und zwischen Radeberg und Dresden massive Störungen. Die Streckengeschwindigkeit der Züge wurde auf maximal 80 Stundenkilometer herabgesetzt. Kurz vor 21 Uhr kam dann die Mitteilung, das die Züge des privaten Anbieters Trilex in den zuletzt erreichten Bahnhöfen bleiben. Fahrgäste sollen mit Bus und Taxi weitertransportiert werden, soweit dies die Wetterlage ermöglicht. Noch ist unklar, ob das Streckennetz der Länderbahn zwischen Görlitz und Dresden sowie Zittau und Dresden zum Betriebsstart am Freitag beräumt ist. Feuerwehren und Hilfsdienste sind im Dauereinsatz. Die Fahrgäste werden gebeten, sich vor Fahrtantritt über die aktuelle Lage zu informieren.

Aber auch darüber hinaus sorgte das Unwetter für Probleme. Kirschkerngroße Hagelkörner und vollgelaufene Keller wurden aus dem Oberland gemeldet. In mehreren Orten im gesamten Kreisgebiet stürzten Bäume um. Die Feuerwehren waren im Dauereinsatz.

In der Region Leisnig sind seit dem frühen Abend die Hagelkanonen im Sächsischen Obstland im Einsatz. Das sagte Thomas Seidel, Chef der Leisniger Obstgarten GmbH. Er verfolgt am Computer aufmerksam die Wetterprognose. „Es ist eine große Gewitterzelle im Anmarsch, deshalb sorgen wir vor.“ Denn derzeit seien zahlreiche Fruchtkulturen, darunter die Erdbeeren, erntereif. Hagelkanonen schießen Stoßwellen in die Luft. Im Ergebnis soll der Hagel als Regen beziehungsweise Nassschnee auf die Erde treffen und weniger Schäden am Obst anrichten. Mit Hagel hat Sachsenobst bereits sehr schlechte Erfahrungen gemacht: 2007 ist das gesamte Apfelanbaugebiet verhagelt worden.

Von der A 4 zwischen Ohorn und Burkau sowie aus Pulsnitz und wurden weitere umgestürzte Bäume gemeldet. Feuerwehren aus dem gesamten Kreisgebiet waren in den Abendstunden im Dauereinsatz, um die Schäden soweit wie möglich zu beseitigen.

Sturm legt Bäume und Gerüste in Dresden um

Erst kam der Wind und mit ihm der Sand: Gegen 16.45 Uhr fegte ein Sturm durch Dresden. Er ließ Äste abbrechen und stürzte ganze Bäume um. Die Feuerwehr musste zu 75 Einsätzen ausrücken, wie Lagedienstführer René Pelzer informierte. In Langebrück und in Tolkewitz blockierten ungestürzte Bäume Straßen und mussten zersägt und entfernt werden.

Die 100 Einsatzkräfte der Berufsfeuerwehr waren gemeinsam im Einsatz mit den Kameraden der 23 Freiwilligen Stadtteilfeuerwehren, die alle alarmiert wurden. Sie wurden auch zu zahlreichen umgestürzten Gerüsten und Absperrungen in der Innenstadt gerufen und kontrollierten, ob Personen zu Schaden gekommen sind. Das war zum Glück nicht der Fall. „Dresden ist bei dem Unwetter glimpflich davongekommen, den Landkreis Meißen hat es weitaus stärker erwischt“, sagt Pelzer.

In Freiberg wurde das Bergstadtfest am Abend mitten in der Eröffnungszeremonie unterbrochen - es soll erst am Freitag weitergehen, wie die Stadt mitteilte.

Noch heftiger waren die Unwetter über dem Norden von Sachsen-Anhalt. Die Polizei musste zu zahlreichen Einsätzen ausrücken. Bäume stürzten um und trafen dabei einige Autos, Keller liefen voll, wie ein Polizeisprecher in Magdeburg sagte. Am frühen Abend erreichten die Gewitter den Süden des Landes. Größere Schäden habe es aber zunächst nicht gegeben, sagte ein Sprecher der Polizei in Halle.

Es gab mehrere Leichtverletzte, wie ein Polizeisprecher sagte. Bei Letzlingen und in Magdeburg kippten Lastkraftwagen wegen des Windes um. In Gommern (Kreis Jerichower Land) knickte durch den Starkwind die Kirchturmspitze ab. Das Metal-Festival Full Force bei Gräfenhainichen im Osten Sachsen-Anhalts wurde wegen des Unwetters unterbrochen. Einschränkungen gab es auch im Bahnverkehr. Wegen Unwetterschäden wurden viele Strecken rund um Magdeburg gesperrt, wie eine Bahnsprecherin sagte. Am Abend sollten weitere Gewitter in Richtung Sachsen-Anhalt, Sachsen und Thüringen ziehen. (szo)

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