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Mittwoch, 18.02.2015

Tierquälerei per Knopfdruck

Im Bautzener Tierheim wurden Hunde mit Elektroschock-Halsbändern abgegeben. Die sind aber verboten.

Von Frances Scholz

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Hunde brauchen Auslauf. Auch wenn sie mal weiter weg rennen, müssen sie beim Wiederkommen gelobt werden. Einige Hundebesitzer bekommen allerdings von Hundeschulen Elektroschockhalsbänder zur Erziehung empfohlen. Zwei Fundhunde im Bautzener Tierheim hatten solche Geräte um. Die sind allerdings verboten.
Hunde brauchen Auslauf. Auch wenn sie mal weiter weg rennen, müssen sie beim Wiederkommen gelobt werden. Einige Hundebesitzer bekommen allerdings von Hundeschulen Elektroschockhalsbänder zur Erziehung empfohlen. Zwei Fundhunde im Bautzener Tierheim hatten solche Geräte um. Die sind allerdings verboten.
  • Hunde brauchen Auslauf. Auch wenn sie mal weiter weg rennen, müssen sie beim Wiederkommen gelobt werden. Einige Hundebesitzer bekommen allerdings von Hundeschulen Elektroschockhalsbänder zur Erziehung empfohlen. Zwei Fundhunde im Bautzener Tierheim hatten solche Geräte um. Die sind allerdings verboten.
    Hunde brauchen Auslauf. Auch wenn sie mal weiter weg rennen, müssen sie beim Wiederkommen gelobt werden. Einige Hundebesitzer bekommen allerdings von Hundeschulen Elektroschockhalsbänder zur Erziehung empfohlen. Zwei Fundhunde im Bautzener Tierheim hatten solche Geräte um. Die sind allerdings verboten.
  • Mit so einem Halsband wurde einer der Hunde gefunden. Die zwei Metallspitzen geben den Stromschlag weiter. Der Besitzer löst diesen mit einer Fernbedienung per Knopfdruck aus.
    Mit so einem Halsband wurde einer der Hunde gefunden. Die zwei Metallspitzen geben den Stromschlag weiter. Der Besitzer löst diesen mit einer Fernbedienung per Knopfdruck aus.

Frei über die Wiesen rennen, das machen eigentlich alle Hunde gern. Aber sie sollten auch auf ihren Besitzer hören, und wenn dieser ruft, wieder zurückkommen. Doch nicht alle Hunde hören aufs Wort. Und so greifen einige Tierhalter zu drastischen Mitteln. Sie legen ihrem Hund ein Elektroschock-Halsband an.

Dass das auch im Landkreis Bautzen vorkommt, zeigte sich jetzt bei zwei Fundtieren im Bautzener Tierheim. „Innerhalb von einer Woche kamen ein Labrador und ein Schäferhund zu uns. Beide Hunde trugen so ein Elektroschock-Halsband“, sagt Tierheimleiter Uwe Bär. Die Tiere hatten sich verlaufen und wurden von Autofahrern ins Tierheim gebracht. Bei einem der Hunde war das Halsband sogar scharf gestellt. „Das Lämpchen blinkte noch. Und das Tier muss das Band schon lange getragen haben, die Haare waren richtig daran verwachsen“, sagt Uwe Bär.

Bei einem Elektroschock-Halsband gibt es einen Sender und einen Empfänger. Der Sender ist eine Fernbedienung. Durch sie kann per Knopfdruck ein Signal an den Empfänger im Halsband geschickt werden. Dann wird ein Stromschlag ausgelöst. „Die Stromstärke ist ähnlich, wie wenn man an einen Weidezaun fasst“, erklärt Uwe Bär. Dadurch soll der Hund, wenn er nicht hört, bestraft werden. Allerdings ist die Anwendung solcher Halsbänder nicht erlaubt. „Gemäß dem Tierschutzgesetz ist es verboten, Geräte zu verwenden, die einem Tier durch direkte Stromeinwirkung erhebliche Schmerzen, Leiden oder Schäden zufügen können“, sagt Uwe Bär. Der Verkauf und Kauf sind allerdings nicht verboten.

Hohes Bußgeld droht

Wird man aber dabei erwischt, dass der eigene Hund so ein Elektroschock-Halsband trägt, kann es teuer werden. „Die Anwendung eines solchen Halsbandes kann mit einem Bußgeld in Höhe von bis zu 25 000 Euro geahndet werden. Die Halsbänder werden vom Veterinäramt eingezogen“, sagt Sabine Rötschke, Sprecherin des Landratsamtes. Dort werden zurzeit auch die beiden Halsbänder der Fundhunde aufbewahrt. Die Besitzer müssen sich nun verantworten. „Es wird ein Ordnungswidrigkeitsverfahren eingeleitet. Erst nach der Anhörung kann man Genaueres zur Strafe sagen, aber es wird auf ein Bußgeld hinauslaufen“, sagt Sabine Rötschke. Seit dem Jahr 2011 seien im Landratsamt drei solche Halsbänder beschlagnahmt worden.

Für Uwe Bär sind das drei zu viel. „Viele Hundebesitzer wissen nicht, dass sie diese Geräte generell nicht verwenden dürfen“, sagt der Tierheimleiter. Auch die beiden Hundehalter, die ihre Tiere schon einen Tag später im Tierheim abholen konnten, waren ahnungslos. „Die eine Besitzerin sagte mir sogar, dass sie so ein Elektroschock-Halsband von ihrer Hundeschule empfohlen bekommen hat“, sagt Uwe Bär. Er ist schockiert über so einen Vorschlag. Der Dresdner Tierschutzverein kann da nur zustimmen. „Wir finden die Verwendung der Halsbänder furchtbar. Bei Hunden ist so eine Anwendung gar nicht nötig. Sie sind intelligente lernfähige Tiere“, sagt Elisabeth Adam vom Tierschutzverein.

Streicheleinheiten sind wichtiger

Auch viele Hundeschulen halten von solchen Methoden nichts. „Hunde reagieren eher auf positives Lob wie Streicheleinheiten oder freundliche Worte. Mit einem Elektroschock verwirrt man das Tier nur“, sagt Hundetrainerin Jana Penther aus Löbau. So sieht es auch Hundetrainer Torsten Kurz aus Bautzen. „Wir nutzen diese Geräte überhaupt nicht bei uns, weil es Tierquälerei ist“, sagt er. Wer so etwas benutze, zeige nur seine Hilflosigkeit und die Überforderung mit dem Tier. „Aus ethischen Gründen ist eine Verwendung von Elektroschockgeräten aus meiner Sicht nicht vertretbar.“ Viel wichtiger sei es, sich vorher beraten zu lassen, welcher Hund zu einem passe. „Und selbst wenn es Probleme oder Verhaltensauffälligkeiten beim Tier gibt, muss man zuerst die Ursache finden. Erst dann ist es möglich, gezielt darauf zu reagieren“, sagt Torsten Kurz.

Er und Jana Penther zweifeln auch den Erfolg von Elektroschock-Halsbändern an. „Es gibt trainingstechnisch keinen Erfolg. Es macht die Sache sogar noch schlimmer“, sagt die Hundetrainerin. Der Hund sei meist in einer Stresssituation, wenn er zum Beispiel auf andere Hunde trifft. Beginnt er zu bellen und bekommt dann einen Elektroschock und böse Worte vom Besitzer, werde das Tier völlig verunsichert. „Der Hund hat dann Angst, permanent etwas falsch zu machen“, sagt Jana Penther. Er fühle sich wie in einem Teufelskreis. „Laien können so einen Elektroschocker einfach nicht richtig einschätzen“, sagt Tierheimleiter Uwe Bär. Trotzdem gibt es immer noch Hundeschulen, die mit den Elektrogeräten arbeiten und es auch den Kunden empfehlen. „Die Ahnungslosigkeit der Hundehalter wird ausgenutzt“, sagt die Hundetrainerin Jana Penther. Sie rät den Besitzern, immer auf ihr Bauchgefühl zu hören und solche Dinge zu hinterfragen.

Das Veterinäramt kann gegen diese Hundeschulen nichts machen. „Wir gehen Hinweisen nach und sprechen Hundetrainer darauf an. Aber so lange wir keinen Nachweis haben, können wir nichts tun“, erklärt Sabine Rötschke. Die Rechtssprechung sei schwierig. Und selbst wenn ein Hundetrainer auf frischer Tat ertappt wird, müsste er wahrscheinlich auch nur ein Bußgeld zahlen. Auf ein Wort

Leser-Kommentare

Insgesamt 1 Kommentar

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  1. rico

    Bitte recherchieren Sie, um welche Hundeschulen es sich handelt! Darüber hinaus müsste eigentlich schon der normale Menschenverstand ausreichen, um zu bemerken, das so etwas nur Tierquälerei ist. Ich verstehe auch nicht, warum eine s.g. "Ahnungslosigkeit" vor einer empfindlichen Strafe schützt. Es ist traurig, dass Tierquälereien immer nur mit milden Verwarnungen etc. bestraft werden.

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