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Sonntag, 06.06.2010

Tierdiebe jagen selbst Alpakababys

Laut einer neuen Statistik der Polizei wird in Sachsen jeden Tag ein Haustier gestohlen.457 Täter wurden bis jetzt gefasst.

Von Gunnar Saft

Tierschutzvereine haben seit Langem gewarnt. Jetzt gibt ihnen erstmals eine offizielle Statistik der Polizei recht: Im Freistaat werden überraschend viele Haustiere gestohlen.

Allein vom Jahresanfang 2005 bis Ende 2009 wurden in Sachsen insgesamt 1794 Fälle registriert – im Schnitt fast jeden Tag ein Diebstahl. Und geklaut wird alles, was ein Fell, Federn, Schuppen oder Hornhaut hat. Laut Innenminister Markus Ulbig (CDU) verschwinden am häufigsten Kaninchen und Hasen (504 Fälle). Es folgen Hunde (281), Schafe (225) und Fische (224). Entwendetes Geflügel (144) und gestohlene Katzen(131) folgen auf den Plätzen.

Endstation Versuchslabor?

Doch auch exotischere Tiere locken Kriminelle an. So stehen auf der Liste des erfassten Diebesguts etliche Schildkröten, Schlangen, Bienen, Ponys, Ratten, Meerschweinchen, Frettchen und sogar ein Marder. Und erst vor wenigen Tagen verschwand im Erzgebirge ein Alpaka-Jungtier (siehe Foto).

Katrin Kagelmann von der Linksfraktion im Landtag ist angesichts dieses Ausmaßes verblüfft. „Ich hatte das Innenministerium nur um einige Daten gebeten. Doch die Zahlen, die jetzt vorliegen, scheinen die Vermutungen vieler Tierschützer zu bestätigen.“ Laut Kagelmann befürchten diese, dass vor allem Hunde und Katzen gestohlen werden, um sie später Versuchslaboren zuzuführen. In etlichen Fällen wolle man den entführten Tieren zudem sprichwörtlich ans Fell.

Und noch eine Merkwürdigkeit will die Politikerin entdeckt haben. „Oft wird das Verschwinden von Tieren im Zusammenhang mit Altkleider- und Schrottsammelaktionen beobachtet.“ Ein Umstand, den die Polizei nicht bestätigen kann.

Jedoch gibt es über die Diebe einige interessante Angaben, weil in 23Prozent aller angezeigten Fälle der oder die Täter ermittelt werden konnten. Die meisten der überführten 355 Männer und 102 Frauen stammen aus Deutschland. Ertappt wurden zudem vier Polen, zwei Tschechen und jeweils ein Verdächtiger aus dem Iran, Mosambik, Österreich, Somalia, Sri Lanka, Tunesien und der Ukraine. Die meisten Täter sind Erwachsene. Kinder und Jugendliche sind laut Statistik als Tierdiebe eher die Ausnahme.

Gefährdungsatlas erstellt

Und noch etwas Interessantes hat Innenminister Ulbig jetzt erstellen lassen – einen Gefährdungsatlas. So werden Kaninchen am häufigsten im Kreis Meißen und in Zwickau geklaut. Die meisten Hunde verschwinden in Leipzig und Dresden. Fische sind in Mittelsachsen und im Erzgebirge stark gefährdet, Bienen wiederum in den Kreisen Bautzen und Görlitz. Rechnet man alle Diebstähle zusammen, sind Limbach-Oberfrohna, Zwickau und Riesa die gefährlichsten Orte für Haustiere.