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Dienstag, 23.02.2016 Kommentar

Tatenlosigkeit, die ansteckt

Sachsens Staatsregierung hat keinen Plan gegen die ausufernde Fremdenfeindlichkeit im eigenen Land: Gunnar Saft über sächsische Defizite in der Flüchtlingskrise.

© dpa/Symbolbild

Sachsens Staatsregierung hat keinen Plan, um der ausufernden Fremdenfeindlichkeit im eigenen Land etwas entgegenzusetzen. Man kann ihr deshalb einfach Unfähigkeit vorwerfen oder das Problem beim richtigen Namen nennen: Es fehlt hierzulande am Willen.

Die meisten Verantwortlichen des Freistaates tun sich weiterhin schwer, wenn Unterkünfte brennen oder ein grölender Mob wider Recht und Gesetz Menschen jagt. Folgende Erklärungen wie „das sind Verbrecher“ und „Unser Land ist weltoffen“ klingen eher gequält und können nicht überzeugen. Oft werden nur Ansprüche postuliert, die später in der Tagespolitik kaum Berücksichtigung finden. Und es ist genau diese anhaltende Tatenlosigkeit in der Zeit zwischen Brandstiftung und Überfall, die landesweit ansteckt. Was hier in der Staatskanzlei – aber auch im Landtag – versäumt wird, machen andere nur allzu gern nach. Exemplarisch jene Bürgermeister, die jüngst zur Kanzlerin-Schelte nach Berlin reisten, obwohl etliche von ihnen gar keine Flüchtlinge vor Ort zu betreuen haben. Laut geschimpft wird trotzdem.

In der aktuellen Flüchtlingspolitik gibt es viele ungelöste Probleme, die große Unzufriedenheit darüber ist berechtigt. Dass aber gerade bei uns so viele Menschen den Ausweg aus der Krise in Hass und Gewalt suchen, hat Gründe. Und die sind hausgemacht. Statt sich aufzuregen, dass der Name Sachsen bundesweit einen schalen Beigeschmack bekommen hat, sollten wir mehr darüber nachdenken.