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Freitag, 08.01.2016

Streit um zerfetzte Plakate eskaliert

Ein Görlitzer will mit einer Petition für Ordnung sorgen. Inzwischen setzt ein Plakatierer auf ganz neue Werbetafeln.

Von Ingo Kramer

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Dieses Bild bot sich kurz vor Weihnachten an der Sattigstraße. Doch auch an anderen Stellen in Görlitz sah es nicht besser aus.
Dieses Bild bot sich kurz vor Weihnachten an der Sattigstraße. Doch auch an anderen Stellen in Görlitz sah es nicht besser aus.

© Raphael Schmidt

Görlitz. Seit kurz vor Weihnachten sind sie wieder Gesprächsthema in Görlitz: Die Großplakate, die sich überall im Stadtgebiet von Plakatwänden lösen und das Stadtbild verschandeln. Diesmal war es CDU-Rätin Gabi Kretschmer, die sich im Stadtrat erkundigte, ob das Rathaus einschreiten könne – und von OB Siegfried Deinege und seinem Stellvertreter Michael Wieler keine aussagekräftige Antwort erhielt.

Nur zwei Tage darauf ist dem früheren Stadtrat Raphael Schmidt die Hutschnur geplatzt. In ganz Görlitz hat er herabhängende und herumliegende Plakate fotografiert – an der Sattigstraße etwa, an der Christoph-Lüders- sowie an der Rauschwalder Straße. Und dann hat er einen wütenden Brief an den OB geschrieben – verbunden mit einer Dienstaufsichtsbeschwerde gegen Wieler und einer Petition „zur endgültigen Änderung dieses unhaltbaren Zustandes“, wie Schmidt in dem Brief schreibt, der der SZ vorliegt.

Das Rathaus bestätigt den Eingang des Schreibens. Die Stadt habe Verträge mit zwei Plakatierungsfirmen für mehrere Standorte im Stadtgebiet, so Sprecherin Anett Böttger: „Die Unternehmen sind in den vergangenen Jahren mehrfach aufgefordert worden, für einen ordnungsgemäßen Zustand im Umfeld der Plakatwände zu sorgen.“ Sie hätten auf die Aufforderung immer reagiert, aber in der Regel erst nach ein bis zwei Tagen. Zudem seien im Jahr 2013 Bußgeldbescheide über je 100 Euro an drei Plakatierungsfirmen gegangen und von diesen auch bezahlt worden. Vor 2013 sei ein Ordnungswidrigkeitenverfahren am Amtsgericht verhandelt, aber eingestellt worden. Nach 2013 sei die Stadt nicht erneut gegen die Firmen vorgegangen.

Doch jetzt reagiert das Rathaus auf Schmidts Brief: „Die Firmen sind vor Weihnachten noch einmal angeschrieben worden“, sagt Anett Böttger. Jetzt erwarte die Stadt eine verbindliche Aussage und will wissen, was sie veranlassen werden, um den misslichen Zustand zu ändern, eventuell durch Verwendung eines besseren Klebstoffes. „Danach entscheidet sich das weitere Verfahren“, so die Sprecherin.

Die Firmen können den Zorn verstehen. „Das ist natürlich ärgerlich“, sagt Tino Glöckner, Niederlassungsleiter der deutschlandweit tätigen Schwarz-Außenwerbung GmbH, die in Görlitz unter anderem an der Rauschwalder- und Christoph-Lüders-Straße Tafeln unterhält. Seine Firma habe in den vergangenen Jahren viel unternommen, um den Zustand zu ändern: „Wir haben in Görlitz über 50 der verwitterten Holztafeln ausgetauscht.“ Die neuen seien nicht mehr aus Holz. Dort halten die Plakate nach seiner Aussage deutlich besser. Allerdings sind noch nicht alle Tafeln ersetzt. Bei denen, die Schmidt fotografiert hat, handelt es sich ausschließlich um Holztafeln. „Momentan stehen wir sowohl mit der Stadt als auch mit unserem Plakatierer vor Ort in Kontakt“, erklärt Glöckner. Der Plakatierer, der als Subunternehmer für Schwarz arbeitet, sei sowohl schriftlich als auch telefonisch aufgefordert worden, die Wände regelmäßiger zu kontrollieren. Gerade bei Stürmen und Frost-Tau-Wechseln gebe es nun mal Probleme, das liege am Wetter und sei nicht immer zu verhindern. Da helfe nur eine regelmäßige Kontrolle. „Wir können ihn aber nicht zwingen, jede Plakatwand täglich zu überprüfen“, räumt Glöckner ein.

An der Sattigstraße dagegen ist die Firma Ströer für die Plakatwände zuständig. Auf eine Anfrage der SZ zu diesem Standort teilt die Firma mit, dass sie nicht haftende Plakate umgehend entfernen lassen will. „Unser Subunternehmen ist hierfür sensibilisiert“, sagt Sprecherin Andrea Breyther. Eine Umrüstung weg von Holztafeln sei an der Sattigstraße aber nicht geplant.

Leser-Kommentare

Insgesamt 1 Kommentar

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  1. Dresdner

    Wenn es sogar den Werbenden, die ja dafür zahlen und eine Wirkung erzielen wollen, egal ist, warum sollte sich da etwas ändern?

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