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Dienstag, 18.02.2014

Stellenabbau trifft Sachsens Universitäten unterschiedlich

Die Studentenzahlen in Sachsen steigen. Doch die Zahl der Stellen an den Hochschulen soll sinken. An den vier Universitäten sind die Einschnitte unterschiedlich tief. Woran liegt das?

Von Sophia-Caroline Kosel

2 Sachsens Hochschulen

Die Uni Leipzig muss ganze Institute schließen. Andere Hochschulen trifft es auch - aber weniger heftig.
Die Uni Leipzig muss ganze Institute schließen. Andere Hochschulen trifft es auch - aber weniger heftig.

© dpa

Leipzig/Dresden. Die Sparvorgaben für Sachsens Hochschulen treffen die Einrichtungen mit extrem unterschiedlicher Härte. Während die TU Dresden gar keine Stellen streichen und die Leipziger Universität ganze Institute schließen muss, kürzt die TU Chemnitz ausschließlich beim nichtwissenschaftlichen Personal. Die TU Bergakademie in Freiberg setzt den Rotstift ausgewogen an - nicht jedoch bei Professoren. Das ergab eine Umfrage der Nachrichtenagentur dpa.

Landesweit sollen 1.042 Stellen bis 2020 wegfallen - so hat es der sächsische Landtag im Jahr 2010 beschlossen. Inzwischen haben die Hochschulen entschieden, wo gekürzt wird. Bis Ende Januar mussten sie dies dem Wissenschaftsministerium mitteilen.

Die Leipziger Uni muss drei Jahre lang je 24 Stellen sparen und gibt traditionsreiche Institute auf. Neben der Pharmazie sollen die Theaterwissenschaften und die Archäologie aus Leipzig verschwinden. Die Theater-Szene reagierte darauf mit einer Protestwelle, der Deutsche Archäologenverband hat eine Internet-Petition gegen die Pläne gestartet. Bislang kamen knapp 8.000 Unterschriften zusammen.

Politik schränkt Spielraum ein

„Die Proteste sind nachvollziehbar“, sagte Uni-Sprecher Carsten Heckmann. „Uns ist bewusst, dass es ein schmerzhafter Prozess ist. Unter den gegebenen Rahmenbedingungen müssen wir aber komplette Einheiten schließen.“ Die politischen Vorgaben würden den Entscheidungsspielraum beträchtlich einengen. Und betriebsbedingte Kündigungen wolle man unbedingt vermeiden.

Sachsens Hochschulen

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Vier Universitäten, fünf Kunsthochschulen, fünf Fachhochschulen, sieben Berufsakademien - und etliche weitere staatlich anerkannte Hochschulen in freier oder kirchlicher Trägerschaft: Wer in Sachsen studieren will, kann aus einem großen Angebot an Bildungsstätten wählen. Ein Blick auf die Universitäten:

- Die TU Dresden ist die größte Uni im Freistaat - und Exzellenzuniversität. An den 14 Fakultäten sind 36.500 Studenten eingeschrieben. Neben den Ingenieur- und Naturwissenschaften zählen die Geistes- und Sozialwissenschaften sowie die Medizin zum Angebot der TU Dresden.

- Die 1409 gegründete Universität Leipzig, zweitälteste Uni Deutschlands, hat ebenfalls 14 Fakultäten. Dort sind etwa 30.000 Studenten eingeschrieben - in über 140 verschiedenen Studiengängen. Darunter sind so exotische Fächer wie Afrikanistik, Ägyptologie oder Indologie.

- Die TU Chemnitz ist mit rund 10.300 Studenten die drittgrößte Uni im Freistaat. An acht Fakultäten werden 32 Bachelor- und 42 Masterstudiengänge angeboten, darunter Studiengänge wie Sports Engineering, Europa-Studien sowie Sensorik und Kognitive Psychologie.

- Die TU Bergakademie Freiberg wird im kommenden Jahr 250 Jahre alt. Sie widmet sich den vier Kernfeldern Geo, Material, Energie und Umwelt. An sechs Fakultäten sind etwa 5.700 Studenten eingeschrieben.

Abwenden ließe sich dieser dramatische Schnitt nur in Dresden, meinen die Leipziger. Die Frage sei, ob der Landtagsbeschluss von 2010 nicht revidiert werden könne. Die Prognosen, die ihm zugrunde lagen, seien längst überholt. So sei die Studentenzahl in Sachsen um 40 Prozent höher als damals prognostiziert.

Chemnitz und Freiberg müssen auch sparen

Die TU Chemnitz muss in diesem und im kommendem Jahr je 14 Stellen einsparen. „An den Fakultäten wird nicht in die Bereiche eingegriffen, wo Lehre und Forschung in Gefahr geraten“, sagte TU-Sprecher Mario Steinebach. Für 2014 und 2015 werde ausschließlich beim nichtwissenschaftlichen Personal gekürzt.

Die TU Bergakademie in Freiberg muss bis Ende 2015 insgesamt 19 Stellen streichen. Professorenstellen seien nicht dabei, sagte Sprecherin Madlen Domaschke. „Bei uns ist es zum Glück auch nicht so drastisch wie in Leipzig. Wir müssen keine Lehrstühle und Institute schließen.“ Ob in der Verwaltung oder an den Fakultäten - der Stellenabbau sei ausgewogen und es sei niemand besonders stark betroffen. Bei weiteren Stellenkürzungen könne dann aber die Qualität an der Bergakademie nicht mehr gewährleistet werden. Domaschke: „Mit Ach und Krach können wir jetzt noch das Profil aufrechterhalten.“

Die „Exzellenz-Uni“ TU Dresden und das Internationale Hochschulinstitut Zittau müssen den Rotstift derzeit nicht ansetzen. Bis 2015 sind auch alle Kunst- und Musikhochschulen von Stellenkürzungen ausgenommen. Der finanzielle Durchschnittswert, der sich hinter einer Stelle verbirgt, beträgt nach Angaben des Wissenschaftsministeriums derzeit 61 000 Euro. (dpa)

Leser-Kommentare

Insgesamt 2 Kommentare

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  1. Martin H.

    Die Uni Leipzig muss nicht ganze Institute schließen, sondern sie will es. Die Auswahlentscheidung trifft jede Uni selbst. Frau Schücking hat zwei Miniinstitute zur Disposition gestellt. Ein Institut mit einem ganzen Professor, das andere Institut mit ganzen zwei Professoren. Zudem hat die Theaterwissenschaft in Leipzig eine Doppelung. Es gibt eine eigene Hochschule dafür mit insgesamt 67 Professoren. Warum recherchieren Sie nicht, warum die Leipziger Rektorin diese Institute schließen will? Natürlich kann man darüber diskutieren, ob man generell mehr in die Hochschulen investieren sollte, das gilt dann aber für alle Hochschulen. Dass man die TU Dresden vom Sparen ausnimmt ist mehr als gerchtfertigt. Man spart schließlich nicht an seinem einzigen Rennpferd.

  2. Patrick R

    Was Sie schreiben ist eine glatte Lüge. Das Rektorat der Universität verstößt in eklatanter Art und Weise gegen das eigene Bekenntnis zur Volluniversität und übrigens auch gegen deren Grundordnung. Nicht umsonst ist die Vorsitzende des Hochschulrates zurückgetreten. Also - informieren Sie sich besser erstmal.

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