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Sonntag, 27.01.2013

Steigende Strompreise belasten Kommunen und Unternehmen

Die Energiewende muss gerade als Sündenbock für steigende Strompreise herhalten. Nicht nur Verbraucher stöhnen. Viele Städte und Gemeinden müssen immer tiefer in den Haushaltstopf greifen.

Von Christiane Raatz

Ein Hochspannungsmast einer Überlandleitung (Symbolfoto).
Ein Hochspannungsmast einer Überlandleitung (Symbolfoto).

© dapd

Dresden. Die explodierenden Stromkosten belasten die Kassen von Sachsens Städten und Gemeinden. Wegen der Erneuerbare-Energien-Umlage (EEG) kommen auf sie Mehrkosten in Millionenhöhe zu. Mit intelligenten Beleuchtungssystemen und LED-Lampen soll der Stromverbrauch gesenkt werden, ergab eine Umfrage der Nachrichtenagentur dpa. Zudem werden viele Straßenlaternen nachts komplett abgeschaltet oder zumindest gedimmt. Mancherorts soll sich die Beleuchtung künftig sogar per Handy anschalten lassen.

In Leipzig sind etwa 90 Prozent der Straßenlaternen mit sparsamen Natriumdampflampen ausgerüstet. Dennoch feilt die Stadt derzeit an einer neuen Lichtstrategie. „Damit wollen wir die Beleuchtung noch energieeffizienter gestalten“, sagte eine Stadtsprecher. So sollen am Innenstadtring die Leuchten zwar reduziert, dafür aber auf helles weißes Licht umgestellt werden. In mehreren Stadtvierteln werden derzeit veraltete DDR-Leuchten durch moderne LEDs ersetzt. Insgesamt 56.000 Leuchten gibt es in Leipzig - von 22.00 Uhr an wird die Hälfte allerdings gedimmt und damit rund 30 Prozent Energie gespart. 2012 betrugen die Stromkosten rund 21,6 Millionen Euro, für 2013 rechnet die Stadt insgesamt mit 22,4 Millionen Euro.

Dresden auf Sparflamme

Auch Dresden muss in diesem Jahr etwa 1,2 Millionen Euro mehr für Strom zahlen. Um die Rechnung nicht weiter anwachsen zu lassen, wird im Winter von 23.00 bis 5.00 Uhr jede zweite Leuchte abgeschaltet, im Sommer bleibt es von 24.00 bis 6.00 Uhr dunkler. Eine Änderung ist nach Angaben der Stadt nicht vorgesehen. Chemnitz rechnet aufgrund der EEG-Umlage mit Mehrkosten von rund 560.000 Euro. Davon entfielen 330.000 Euro auf städtische Gebäude, 210.000 Euro auf die Stadtbeleuchtung und etwa 20.000 Euro auf den Betrieb von Ampeln.

Verzweifelt sucht Martina Angermann, Bürgermeisterin der Gemeinde Arnsdorf (Kreis Bautzen), derzeit nach Energiesparmöglichkeiten: Im Gespräch ist etwa die Umstellung auf LEDs oder das Pilotprojekt „dial4light“ - Licht per Anruf. Dabei wird die Straßenbeleuchtung nachts komplett abgeschaltet. „Wer spät noch nach Hause will, kann per Handy oder Festnetz die Beleuchtung anschalten“, erklärt Angermann. Noch in diesem Jahr soll entschieden werden. „Aber auf jeden Fall müssen wir künftig sparen.“

Der Sächsische Städte- und Gemeindetag kritisierte die steigenden Stromkosten. „Die Kommunen werden belastet, das Geld fehlt dann an anderer Stelle“, erklärte der stellvertretende Geschäftsführer, Ralf Leimkühler. Damit die Energiekosten nicht völlig aus dem Ruder laufen, müssten die Kommunen Energie künftig noch effizienter einsetzen.

Auch Unternehmen werden durch die EEG-Umlage, wonach zur Förderung erneuerbarer Energien ein Aufschlag auf den Strompreis zu zahlen ist, belastet. „Vielen brennt das Thema unter den Nägeln“, sagte Lars Fiehler von der IHK Dresden. Bei Unternehmensbefragungen rangiere die Entwicklung der Energiepreise regelmäßig auf Platz eins der größten Risiken. Die IHK hat deshalb Hunderte Unternehmen in ganz Sachsen zu diesem Thema befragt, die Studie wird Anfang Februar vorgestellt.

Der Textilhersteller Vowalon aus Treuen im Vogtland hält die neue Abgabe für unzumutbar und verfassungswidrig. Das Unternehmen hat deshalb Musterklage eingereicht - am nächsten Dienstag (29. Januar) wird erstmals vor Gericht verhandelt. (dpa)

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