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Donnerstag, 31.08.2017

Sportlehrerin geschlagen

Im Netz verbreitet sich die Meldung über eine von Ausländern in Meißen niedergestochene Lehrerin. Real waren aber nur Deutsche beteiligt, kein Messer war im Spiel und Auslöser war ein Fahrrad. Der Hetzkampagne tut das aber keinen Abbruch.

Von Peter Anderson

Es passierte auf dem Schulweg und könnte ausgesehen haben wie auf diesem nachgestellten Bild: Ein Bewohner des Meißner Stadtteils Triebischtal schlug eine Sportlehrerin.
Es passierte auf dem Schulweg und könnte ausgesehen haben wie auf diesem nachgestellten Bild: Ein Bewohner des Meißner Stadtteils Triebischtal schlug eine Sportlehrerin.

© Claudia Hübschmann

Meißen. So funktioniert Hetze. Am Donnerstagvormittag gegen 9.30 Uhr schreibt Juliane Bernd aus Zittau folgende Zeilen auf ihrem Facebook-Profil: „Hat mir eben eine Freundin gemailt: In der Oberschule Meißen Triebischtal wurde gestern eine Lehrerin von einem ,Schutzsuchenden’ niedergestochen. Es folgte die Bitte an Eltern und Schüler dies nicht in die Öffentlichkeit zu bringen. Bitte jetzt teilen.“

Es dauert nur kurze Zeit, schon zieht diese ungeheuerlich klingende Nachricht online weite Kreise. Geteilt und damit weiterverbreitet wird sie zum Beispiel von Brigitte Nakunst aus Bielefeld oder Annemarie Scheiblhofer aus Österreich. Das weltumspannende Internet macht es möglich.

Die SZ-Redaktion Meißen wendet sich per Nachricht an Juliane Bernd, um einen Kontakt zu deren angeblicher Freundin herzustellen. Die Zittauerin, welche offenbar über viel Freizeit verfügt, antwortet allgemein und ohne Angaben zur Quelle der Meldung. Statt dessen postet sie in kurzem Takt weiter Beiträge zum Beispiel über einen bewaffneten Kameruner oder die beim TV-Duell siegreiche AfD-Spitzenkandidatin Alice Weidel.

Licht ins Dunkel bringt eine Anfrage bei der für den Landkreis Meißen zuständigen Bildungsagentur Dresden des Sächsischen Kultusministeriums. Deren Information offenbart allerdings einen ganz anderen Hergang und hat mit dem durch Juliane Bernd aus Zittau in die Welt gesetzten Schauermärchen nichts zu tun.

Pressesprecherin Petra Nikolov zufolge war der Ausgangspunkt des Vorfalls der Sportunterricht zweier zehnter Klassen am Dienstag im Meißner Stadtwald. Die Jugendlichen führten dort einen Ausdauerlauf durch. Auf dem Rückweg seien Anwohner auf die Straße gekommen und auf die Schüler sowie ihre Sportlehrer zugegangen. Die Anwohner hätten behauptet, ein Schüler solle ein Fahrrad angestoßen haben, so die Bildungsagentur. In der Folge eskalierte die Situation, eine Sportlehrerin erhielt Schläge.

Wie Sprecherin Nikolov weiter mitteilt, wurden daraufhin der Notarzt und die Polizei informiert sowie ein Kriseninterventionsteam in die Schule bestellt. Die Schüler erhielten eine seelsorgerische Betreuung. Nach Absprache mit der Schulleitung wurde der Unterricht für den aktuellen Schultag ausgesetzt. Alle Eltern erhielten eine telefonische Information, auf Wunsch konnten sie ihre Kinder abholen. Aus datenschutzrechtlichen Gründen werde zu den Lehrern keine weitere Aussage gemacht.

Durch die Polizeidirektion Dresden wird der Sachverhalt in groben Zügen bestätigt. Anzeigen der beteiligten Parteien lägen vor, so Sprecherin Jana Ulbricht. Allerdings müsse jetzt weiter ermittelt werden. So viel allerdings stehe fest: „Es waren ausschließlich deutsche Personen beteiligt.“