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Dienstag, 26.04.2016

So viel verdienen die Sachsen

Der Durchschnittslohn ist im vorigen Jahr um mehr als fünf Prozent gestiegen. Das gibt es so bald nicht wieder.

Von Georg Moeritz

© Symbolfoto: imago/Westend61

Dresden. Es lag nicht an großen Streiks oder an mehr Überstunden: Im vorigen Jahr hat der Durchschnitts-Sachse eine Lohnerhöhung von 5,2 Prozent bekommen – auf 2 899 Euro brutto im Monat bei Vollzeitarbeit. Das Statistische Landesamt in Kamenz berichtete am Montag, die bezahlte Wochenarbeitszeit sei dabei gleich geblieben: bei 39,5 Stunden.

Der Hauptgrund für die starke Lohnsteigerung war der Mindestlohn, sagt Sachsens DGB-Vizechef Markus Schlimbach. Nach Berechnungen der Gewerkschaften sind die Löhne für Geringqualifizierte zu Anfang vorigen Jahres um rund zehn Prozent gestiegen, als der Stundenlohn von 8,50 Euro Gesetz wurde. Das nützte vor allem Beschäftigten in Handel, Gastronomie und manchen Dienstleistungsbranchen. Im öffentlichen Dienst dagegen spielte dieser einmalige Effekt keine Rolle: Dort gab es im Schnitt 1,9 Prozent mehr Gehalt, das liegt nahe an der Erhöhung der Tariflöhne.

An Tarifverträge halten sich in Sachsen nur 16 Prozent der Betriebe. Die Tariflöhne stiegen im Durchschnitt in den neuen Ländern um drei Prozent, im Westen um 2,7 Prozent. Im Westen war auch die Lohnsteigerung insgesamt im vorigen Jahr geringer als im Osten: 2,4 Prozent. Denn der Mindestlohn brachte im Westen weniger Bewegung. Dennoch ist der Durchschnittslohn für Vollzeitkräfte in Deutschland insgesamt ohne Sonderzahlungen 713 Euro höher als in Sachsen, das ist ein Viertel.

Die Ostlöhne werden sich auch in Jahrzehnten nicht den Westlöhnen angleichen, rechnete vor wenigen Tagen das Ifo-Institut vor. Gewerkschafter Schlimbach allerdings sieht darin eine „rein mathematische“ Prognose und sagt voraus, dass Tarifverträge im Osten an Bedeutung gewinnen.

Steigende Löhne und zusätzliche Arbeitsplätze haben laut Arbeitsagentur voriges Jahr dazu geführt, dass weniger Sachsen Hartz-IV-Geld zusätzlich zur Arbeit bekommen mussten. Die Zahl der Aufstocker sank um fast 12 000 auf 88 000 im Jahresdurchschnitt, davon 15 500 in Vollzeit.

Einkommen in Sachsen
Branche (Auswahl)Jahr 2015 (Euro)Veränderung zu 2014 (Prozent)
Gastgewerbe1891+ 8,9
Textilproduktion2059+ 6,5
Verkehr und Lagerei2553+ 5,2
Baugewerbe2 589+ 5,8
Handel2 640+ 11,6
Maschinenbau3 042- 0,3
Öffentliche Verwaltung3 558+ 1,9
Gesundheitswesen3 791+ 7,2
Banken und Versicherer3 895+ 4,3
Energieversorgung3 943- 0,1
Erziehung und Unterricht4 129+ 2,5

Tabelle zeigt durchschnittlichen Bruttomonatsverdienst von Vollzeitangestellten im 4. Quartal, ohne Sonderzahlung. Quelle: Statistisches Landesamt