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Freitag, 06.10.2017

Sieben Vorschläge für gute politische Bildung

Mehr Mitbestimmung, Weiterbildung und Gemeinschaftskunde – nicht alle Empfehlungen stoßen auf Zustimmung.

Von Andrea Schawe

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Ein Vorschlag ist, internationale Schulpartnerschaften mehr zu unterstützen.
Ein Vorschlag ist, internationale Schulpartnerschaften mehr zu unterstützen.

© dpa

Das Konzept „W wie Werte“ hat 22 Seiten, darin Vorschläge, wie die politische Bildung an Schulen gestärkt werden kann. Seit dem Frühjahr hat ein Expertengremium aus Wissenschaftlern, Bildungsbeamten, Fachlehrern sowie Eltern- und Schülervertretern daran gearbeitet. Das sind die wichtigsten Vorschläge ...

Empfehlung 1: Weiterbildung für alle Lehrer

Alle Lehrer sollen verpflichtend und unabhängig von ihrer Fächerkombination in Fortbildungen geschult werden, wie Ansätze von Demokratieentwicklung in den Unterrichts- und Schulalltag einbezogen werden können. Veranstaltungen dazu werden derzeit entwickelt. Außerdem müssen angehende Lehrer, Seiteneinsteiger und Schulsozialarbeiter in ihrer Ausbildung einen Kurs zu „Demokratischer Schulkultur“ besuchen, empfehlen die Experten.

Empfehlung 2: Schüler sollen mehr Verantwortung übernehmen

Das Ziel ist eine gute Atmosphäre in der Schule und Schüler, die sich dazugehörig fühlen. Damit das gelingt, empfehlen die Experten, die Schüler in zentrale schulische Entscheidungen mit einzubeziehen. Sie können auch Verhaltensregeln mitgestalten. Gleichaltrige Mitschüler sollen vermehrt Inhalte vermitteln – sie seien glaubwürdiger, weil sie sich in der gleichen Lebenswelt bewegen, heißt es im Konzept. Dafür werden die Schüler etwa durch die Regionalstelle der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung ausgebildet.

Empfehlung 3: Mehr internationaler Schüleraustausch

Ein Vorschlag ist, internationale Schulpartnerschaften mehr zu unterstützen. Durch sie lernen die Schüler nicht nur Fremdsprachen, auch internationale Perspektiven und soziale Kompetenzen werden gefördert. Das Kultusministerium will auch geisteswissenschaftliche Schüler- und Jugendwettbewerbe stärker unterstützen, weil sie anregen, sich intensiv und differenziert mit Werten und gesellschaftlichen Leitbildern auseinanderzusetzen.

Empfehlung 4: Kooperation mit außerschulischen Partnern

Das Kultusministerium will ein Themenportal für Angebote, Projekte, Materialien, Institutionen und Stiftungen schaffen. Das soll den Schulen helfen, die richtigen Experten, Zeitzeugen und Lernorte außerhalb der Schule zu finden. Vorhandene Angebote zur Förderung der politischen Bildung sollen ausgebaut und mehr genutzt werden, etwa „Schule im Dialog“ der Sächsischen Landeszentrale für politische Bildung oder die Möglichkeit, den Landtag mit der Schule zu besuchen. Das Kultusministerium will auch den Vorschlag umsetzen, die Ergebnisse aus dem Projekt „Starke Lehrer – starke Schüler“ möglichst an allen Berufsschulen einzusetzen. Das Projekt wendet sich gegen Rechtsextremismus.

Empfehlung 5: Unterricht in Gemeinschaftskunde schon ab Klasse 7

Die Experten wollen das Fach Gemeinschaftskunde an den Oberschulen und Gymnasien bereits in der Klassenstufe 7 einführen. Die Empfehlung werde im Rahmen der ohnehin geplanten Überarbeitung der Lehrpläne und Anpassung der Stundentafeln ernsthaft geprüft, so das Kultusministerium. Zusätzliche Unterrichtsstunden im Fach Gemeinschaftskunde müssten allerdings durch Kürzungen in anderen Fächern kompensiert werden. Ziel sei, die Unterrichtsbelastung der Schüler zu senken, und kein zusätzlicher Stress.

Empfehlung 6: Eine Klassenleiterstunde pro Woche als Pflicht

Einmal pro Woche ist Klassenrat: In der Klassenleiterstunde können die Schüler Feedback geben und über ihre Probleme reden. Sie lernen, Konflikte gewaltfrei zu lösen und üben demokratische Spielregeln und Techniken. Eine Klassenleiterstunde pro Woche im Stundenplan der Klassen 1 bis 6 ist Pflicht, empfehlen die Experten. Das könne zurzeit nicht umgesetzt werden, so das Kultusministerium. Diese Maßnahme würde auf Kosten der Unterrichtsversorgung gehen.

Empfehlung 7: Weiterbildung für Führungspersonal

Das Konzept sieht eine Fortbildungsverpflichtung zu „Demokratischer Schulkultur“ für Schulleiter, Lehrer mit Führungsinteresse, Schulreferenten und Fachleiter vor. Ob das Kultusministerium das umsetzt, ist noch unklar. Auch der Vorschlag einer Abminderungsstunde für Vertrauenslehrer, die den Schülerrat unterstützen, soll bis Jahresende neu bewertet werden. Eine Förderrichtlinie für demokratische Schulentwicklung und neue Regelungen zur Ausstattung für Eltern- und Schülervertreter werden vorerst nicht aufgegriffen.

Leser-Kommentare

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Insgesamt 20 Kommentare

Alle Kommentare anzeigen

  1. Fritz

    Na, schön doch........und wer soll das unterrichten, bei diesem Lehrermangel ?

  2. schlussmitlustig

    @10: "Wir sind besser im machen als im debattieren." Das sieht und hört man - kein Kommentar! Woraus schließen Sie, dass es um "Gendergedöns" geht? Die Politiker, die von der Mehrheit der sächsichen Wähler immer wieder mit der Regierung dieses Landes beauftragt wurden, fallen eben nicht durch scharfsinnige Wirtschaftsanalysen, ausgewogene Sozialkonzepte, vorausschauende Bildungsplanung, auch kaum durch sachorientierten Meinungsstreit und nur in wenigen Fällen durch rhetorische Begabung auf. Deshalb sollten unsere Schüler das unbedingt anderweitig vermittelt bekommen, wenn sie später mithalten wollen. Es nützt auch wenig, den Kopf zwischen die Schultern zu klemmen und einfach "zu machen"- wenn vorher nicht einmal geklärt wurde, WAS, WIE und WOFÜR etwas zu machen ist. Am Ende stehen die Menschen auf der Straße und brüllen sich an. Geht so sächsisch? Man könnte meinen ja.

  3. Udo Notnagel

    @ 7. : Kann mich noch gut an die Indoktrination in der DDR-Schule erinnern, sehe ähnliche Muster derzeit in den Schulen meiner Kinder entstehen. Daher meine Meinung, als Vater, politische Bildung wird in der Familie vermittelt, ohne "Beutelsbacher Konsens":-), Das angesprochene "Handlungskonzept" ist übrigens frei zugänglich, machen Sie sich bitte selbst ein Bild wo's hingehen soll.

  4. Udo Notnagel

    @8: Da habe ich mich wohl widersprüchlich ausgedrückt, ich halte "Begegnung anderer Meinungen" für ausgesprochen wichtig! Allerdings sollte der Grundtenor auf der Offenheit zum Gespräch gegenüber aller Richtungen liegen und diese sehe ich derzeit in den Schulen meiner Kinder nicht gegeben. So bleibt nur die Beschäftigung mit politischer Vielfalt im Elternhaus. Und glauben Sie mir, meine Kinder haben ziemlich andere politische Präferenzen als ich, was ich gut finde:-)

  5. Dresdner45

    Politische Bildung muss aus der Familie kommen. Dort werden auch die unterschiedlichen Strömungen und Einstellungen (vor)gelebt. Ein Hartz V-Kind wird wahrscheinlich keine Welt haben wollen, in der sich die Reichen immer mehr nehmen, aber auch den Wunsch besitzen, einmal selbst „reich „ zu sein. In einer reichen Familie werden die Sprösslinge gegeben falls den gleichen Weg der Eltern gehen wollen oder aber von der Familie total „abfallen“ und einen vollkommen anderen Weg einschlagen (solange sie jung sind). Die Politische Bildung eines Menschen hat nichts in der Schule zu suchen. Dort müssen die Geschichtlichen Ereignisse vermittelt werden, ohne einseitig Einfluss nehmen zu wollen.

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