erweiterte Suche
Dienstag, 19.01.2016

Sexueller Übergriff auf Supermarkt-Mitarbeiterinnen

Ein Asylbewerber aus Marokko belästigt in Zeithain bei Riesa zwei Frauen, die Regale einräumen. Der Vorfall schafft es nicht mal in den Polizeibericht.

In diesem Nettomarkt in Zeithain kam es zu sexuellen Übergriffen durch einen Asylbewerber.
In diesem Nettomarkt in Zeithain kam es zu sexuellen Übergriffen durch einen Asylbewerber.

© Lutz Weidler

Zeithain. Sonnabend, gegen 20 Uhr. Im Zeithainer Netto-Markt räumen zwei Mitarbeiterinnen kurz vor Ladenschluss gerade die Regale ein. Da taucht ein 25-jähriger Asylbewerber aus Marokko auf, redet auf die 33 und 39 Jahre alten Frauen ein, rückt ihnen nicht von der Seite - und begrapscht sie schließlich. So stellt sich der Fall vom 16. Januar aus Sicht der Polizei dar. Das erfuhr die SZ gestern auf Nachfrage. Denn obwohl ein Ermittlungsverfahren wegen „Beleidigung auf sexueller Grundlage“ eröffnet wurde, schafft es der Vorfall nicht einmal bis in den Polizeibericht, in dem die Polizei täglich Sachverhalte vermeldet, die sie für „öffentlichkeitsrelevant“ hält.

Polizei: Keine Geheimnisse

Warum die Schweigsamkeit? „Bei uns gilt keine Richtlinie, dass wir irgendetwas verheimlichen sollen“, sagt Polizeisprecher Marko Laske. Dass der sexuelle Übergriff nicht den Weg an die Öffentlichkeit fand, habe lediglich am Wochentag gelegen: Sonnabend sei die Pressestelle nicht besetzt. Der Polizeiführer vom Dienst, der dann für die Pressearbeit zuständig sei, habe noch weit dringendere Aufgaben. „Der kann nicht jedem Sachverhalt nachgehen“, sagt Marko Laske.

Beherrschendes Thema

In Zeithain ist der Vorfall in diesen Tagen beherrschendes Gesprächsthema und bietet viel Raum für Spekulationen. Die Zeithainer scheinen vor allem verärgert zu sein. Weil so etwas in ihrem Dorf überhaupt passiert, und weil es jene Asylbewerber in Misskredit bringt, die sich gut in Zeithain eingelebt haben. „Hier wohnen Ausländer, die sind lieb und nett und helfen auch mal, die Einkäufe reinzutragen“, erzählt eine Anwohnerin aus der Nikopoler Straße. Sie geht wie viele andere auch davon aus, dass der Marokkaner einer von jenen etwa 130 Flüchtlingen ist, die vorübergehend im ehemaligen Elektrolager im Gewerbegebiet untergekommen sind und für die es kaum Integrationsangebote gibt. Deshalb sieht man es hier sehr kritisch, wenn in die Halle noch mehr Asylbewerber ziehen würden, Platz ist laut Kreis für 400. (SZ/csf, SZ/ste)