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Dienstag, 23.02.2016

Serientäter brennt Kinderspielzeug ab

Bei der fünften Brandstiftung in Tauscha verbrennen auch fünf Kaninchen der Familie. Eine neue Stufe der Gewalt.

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Ein verbrannter Puppenkörper liegt auf dem Boden. In Tauscha brannte es zum fünften Mal in nur wenigen Wochen. Jetzt traf es eine Familie besonders hart. Das komplette Spielzeug für den Außenbereich ist verbrannt.
Ein verbrannter Puppenkörper liegt auf dem Boden. In Tauscha brannte es zum fünften Mal in nur wenigen Wochen. Jetzt traf es eine Familie besonders hart. Das komplette Spielzeug für den Außenbereich ist verbrannt.

© Anne Hübschmann

  • Ein verbrannter Puppenkörper liegt auf dem Boden. In Tauscha brannte es zum fünften Mal in nur wenigen Wochen. Jetzt traf es eine Familie besonders hart. Das komplette Spielzeug für den Außenbereich ist verbrannt.
    Ein verbrannter Puppenkörper liegt auf dem Boden. In Tauscha brannte es zum fünften Mal in nur wenigen Wochen. Jetzt traf es eine Familie besonders hart. Das komplette Spielzeug für den Außenbereich ist verbrannt.
  • Diesmal trifft es einen Anbau des Nachbarn des vorigen Opfers.
    Diesmal trifft es einen Anbau des Nachbarn des vorigen Opfers.
  • Alle Fahrräder, Kinderbagger und Puppe, nichts ist mehr da. Der kriminaltechnische Dienst untersucht jetzt auch diesen Fall.
    Alle Fahrräder, Kinderbagger und Puppe, nichts ist mehr da. Der kriminaltechnische Dienst untersucht jetzt auch diesen Fall.

Tauscha. Nur eine Woche nach dem letzten Feuer hat der Brandstifter in Tauscha erneut zugeschlagen. Diesmal wie dreimal zuvor – erneut an einem Montag, 0.48 Uhr nachts. Die Brandstelle liegt nur knapp 50 Meter neben der letzten Stelle. Betroffen ist ein Anbau vom Nachbarn des vorigen Opfers. Auch diesmal suchte sich der Täter ein abseits gelegenes Gebäude – bei dem starken Wind war ein Übergreifen der Flammen von einem wohnhausnäheren Gebäude aber jederzeit möglich. Und erstmals kamen Lebewesen in den Flammen um: Fünf Kaninchen, die dort in einem Stall gehalten wurden, verbrannten. Damit ist eine neue Stufe der Eskalation erreicht. Die Abstände zwischen den Ereignissen sind deutlich kürzer geworden, und es war dem Brandstifter egal, dass hier Tiere verbrannten. Bereits beim letzten Feuer hatten die Nachbarn Sorge, dass das Feuer vom Holzschuppen auf den benachbarten Ziegenstall hätte überspringen können. Auch ärgerlich: Die Familie hatte in dem Anbau sämtliches Außenspielzeug eingestellt – Fahrräder, Kinderbagger, Puppe, Bälle. Nun ist alles abgebrannt, und die Wut ist groß. Der kriminaltechnische Dienst untersucht auch diesen Fall. Die Tauschaer sind inzwischen über den Feuerteufel richtig verärgert, weil der nicht nur alle in Atem hält und unter Verdacht stellt, sondern auch eine permanente Gefahr darstellt.

Auch ein Spurenhund schnüffelt herum

Dass ein Auswärtiger die Brände gelegt hat, wird sogar von der Polizei bezweifelt. Als die alte Tabakscheune der Agrargenossenschaft Dobra abbrannte, in der Stroh gelagert war, hielten die Leute das zunächst noch für einen üblichen Brand, auch wenn schon da keinerlei technisches Versagen durch eine alte Elektroleitung im Spiel sein konnte. Doch nachdem die Scheune an einem Privathaus, der Anbau am Herrenhaus, ein Holzschuppen am Teich und nun ein weiterer Anbau brannten, spricht jeder von einer Serie. Wegen der Brisanz der Sache hat die Kriminalinspektion Meißen den Fall „Tauscha“ übernommen. Die schickte schon letzte Woche nicht nur den Brandermittler, sondern auch einen Spurenhund der Hundestaffel.

Generell wird der Fall als „schwierig“ beurteilt. Die Vorgehensweise deute durchaus auf einen Ortskundigen hin, heißt es unter der Hand. Doch den muss man erwischen. Handelt es sich um jemanden, der in aller Seelenruhe zuschaut, wie es lodert, weil gerade das der Kick ist, dann müsste derjenige früher oder später zu fassen sein. Ob die Polizei verdeckte Ermittler einsetzt, war verständlicherweise nicht zu erfahren.

Denkbar wäre es, denn Methoden wie die Handyortung sind zwar technisch möglich, aber juristisch wohl nicht durchzusetzen. Nicht einmal im Umfeld der Demos am 13. Februar in Dresden vor ein paar Jahren erlaubte das Gericht die Handyortung. So hoch wollen manche Tauschaer die Sache gar nicht anbinden – im Internet kamen Montag die ersten Forderungen nach einer Bürgerwehr. Es könne ja wohl nicht so schwer sein, sich auf die Lauer zu legen, hieß es da.

Bleibt die Frage: und was dann? Weder haben Bürger die Befugnis, Personalien anderer Bürger zu verlangen, noch sollten sie selbst agieren. Auch bei der Feuerwehr gibt es derzeit keinerlei Anhaltspunkte, so Kreisbrandmeister Ingo Nestler.