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Freitag, 19.10.2012

Seifhennersdorf will Schule in Eigenregie betreiben

Seit Monaten organisieren Eltern an der Mittelschule Seifhennersdorf Protestunterricht - trotz Strafen. Der Freistaat, der nach dem Gesetz die Lehrer bezahlt, hat keine fünfte Klasse zugelassen. Statt die Schule zu schließen, will die Stadt nun kämpfen.

Seifhennersdorf. Seifhennersdorf will seine Mittelschule künftig komplett in Eigenregie betreiben. Das hat der Stadtrat mit großer Mehrheit beschlossen.

„Wir bekennen uns zur Schule und wollen die Verantwortung übernehmen“, sagte Bürgermeisterin Karin Berndt (parteilos) am Freitag der Nachrichtenagentur dpa. Ein entsprechender Antrag soll nächste Woche ans Kultusministerium geschickt werden.

Laut Berndt gibt es für diese Einrichtung entgegen der Auffassung des Freistaates Bedarf, was steigende Schülerzahlen und der Protest der Eltern zeigten. „Wenn sich der Freistaat der Schule entledigen will, übernimmt die Aufgabe eben die Stadt.“

Rein rechtlich sei es nicht möglich, eine Kommune als Schulträger anzuerkennen, das bleibe Freistaat oder Landkreisen vorbehalten, sagte eine Ministeriumssprecherin. Berndt will mit dem Freistaat über eine Lösung verhandeln. Derzeit unterhält und finanziert die Stadt die Schule, der Freistaat schickt und bezahlt die Lehrer. Ohne Lehrer gebe es keinen Unterricht, dann sei der Stadtrat zur Schließung gezwungen, erklärte Berndt.

Der Streit um die nicht zugelassene fünfte Klasse an der Schule hatte sich in den vergangenen Tagen zugespitzt: Eltern sollten knapp 600 Euro Bußgeld zahlen, weil sie gegen die Schulpflicht verstießen. Seit Jahresbeginn organisieren sie einen „Protestunterricht“ für ihre Kinder. Sie wollen die Entscheidung des Ministeriums nicht hinnehmen, dass an der Mittelschule keine fünfte Klasse gebildet wird, da die geforderte Mindestzahl an Schülern nicht erreicht wurde. (dpa)